"Bares für Rares": Die große Ingolf-Lück-Show

Kommentare58

Ein Promi bei "Bares für Rares": Die Händler hatten in der ZDF-Show schon vieles gesehen, aber was Comedian Ingolf Lück ihnen in der Sonderausgabe des Kult-Formats bot, war großes Verkaufskino. Der Komiker wusste ganz genau, mit welchen Mitteln er den Preis für seine Rarität in die Höhe treiben konnte. So viel vorweg: Sechsstellig wie bei einer anderen Expertise wurde es nicht ...

Zur Sonderausgabe der ZDF-Trödel-Show schaute Promi-Gast Ingolf Lück vorbei und packte neben einer Rarität auch sämtliche Verkaufstricks aus - auch die charmant-unlauteren. Am Ende war jedoch die Unterschrift entscheidend - und nicht nur bei Lück.
Am Mittwochabend wurde wieder einmal zur besten Sendezeit getrödelt: Willige Raritäten-Besitzer durften Horst Lichter auf Schloss Drachenburg besuchen, um ihre wertvollen Antiquitäten im angemessenen Rahmen zu verkaufen.
Ingolf Lück brachte ein ganzes Wanderkino mit nach Königswinter in den Schlossgarten. Genauer: ein TK35 aus der DDR. "Damals gab es nicht überall Lichtspielhäuser, deswegen ist man durch das Land gereist und hat Filme vorgeführt", erklärte Experte Sven Deutschmanek, räumte aber auch ein: "Der Zustand ist nicht mehr so ganz schön."
Trotz Defekt seien jedoch 600 Euro dennoch drin, machte der Experte Hoffnung. Und Lück hatte bei seinem vermeintlichen Fundstück, das er in Wandlitz "ausgegraben" haben möchte, vielleicht sogar noch ein Ass im Ärmel: "Hier sind auch Filme dabei. Es kann sein, dass das ein Film aus Honeckers Privat-Party ist", flunkerte er.
Kurz vor dem Eintritt in den Händlerraum wurde Lück plötzlich nervös: "Ich fühle mich wie ein DSDS-Finalist oder wie ein Mädel, das bei 'Germany's Next Topmodel' gleich auf den Laufsteg muss", gestand der Star mit langjähriger TV-Erfahrung.
Eine hervorragende Taktik, um die Spendierfreude anzukurbeln. Lücks Plan ging auf: Alle sieben Händler und Händlerinnen waren bester Laune. Ludwig Hofmaier machte den Anfang: "Ich biete dir 300 Euro und nochmal 200 Euro für deine Unterschrift."
Ingolf, der kurz zuvor von Ludwig noch "Ingo" gerufen wurde, freute sich über das großzügige Angebot: "Meine Autogrammkarten werden ja für Pfennigbeträge gehandelt." Seine unerwartete Bescheidenheit gefiel Wolfgang Pauritsch. Für die kaputten Geräte bot er nun mit: "Weil's nicht funktioniert, sage ich noch 600."
Jetzt war sogar der Geschäftssinn von Walter Lehnertz geweckt: "Wenn du unterschreibst auf jedem Teil, was da drin ist, dann mach ich 650. Nicht auf jeder Schraube, aber auf jeder zweiten." Wolfgang versuchte es mit 700 Euro: "Wenn ich es Ihnen abkaufe, müssen Sie mir nur die zwei Hauptgeräte unterschreiben."
"Und weil ich ihn schreiben sehen will, mach ich 750", konterte Waldi. Nun ließ Ingolf nochmal sein ganzes Showtalent raus und pries die Objekte noch eindringlicher an. "An Ihnen ist ein guter Verkäufer verloren gegangen, das sag ich Ihnen", erhöhte Wolfgang auf 850 Euro.
Für Lück mehr als ein gutes Geschäft: "600 hatte der Spezialist geschätzt, jetzt haben wir 850. Da freuen wir uns sehr", so der Comedian. Wir? Der Erlös geht an seine Stiftung "Augenblicke", die Kindern mit einer "Spina bifida" (Wirbelspalt) hilft.
Deutlich tiefer griff Ludwig Hofmaier für diesen kunstvollen Ziertisch in die Tasche. Das Unikat mit einer Tischplatte voller Damen-Porträts auf Keramik war ihm 3.100 Euro wert.
Ein gar königliches Gemälde aus dem Jahr 1590 wollten Dieter und Doris Machill aus Wiesbaden gerne veräußern. "Die sieht nicht aus, als hätte sie auf dem Bauernhof gearbeitet", fand Horst Lichter beim Anblick der feinen Dame.
"Sie war eine Infantin von Spanien und die Tochter von Philipp II.", klärte Albert Maier auf. Der Künstler war sehr wahrscheinlich Bartolomeo Gonzalez, "einer der berühmtesten höfischen Porträtmaler der Zeit". Allein: Die Signatur fehlte! Und das wirkte sich dramatisch auf den Preis aus: Statt der geschätzten 90.000 bis 100.000 Euro bezahlte Händlerin Susanne Steiger "nur" 8.200 Euro.
Ein goldener Ring und eine Brosche mit Diamanten wurden für 1.600 Euro abgegeben. Vom erzielten Gewinn wollte die Verkäuferin eine Plantage mit Obstbäumen pflanzen und ihrer Idee beim Wachsen zusehen.
"Es sind keine Pudel, obwohl sie so aussehen", lachte Detlev Kümmel über die ungewöhnliche, plüschige Spieluhr, die Bernd Lossen auf die Drachenburg mitbrachte. Es waren weiße Katzen. Handgefertigt, seit drei Generationen in der Familie - und womöglich aus echtem Tierfell.
"Sind das Königspudel?", fiel auch den Händlern beim Anblick der skurrilen Rarität eine Ähnlichkeit auf. Lustig fanden sie es auf jeden Fall. Walter Lehnertz war die Spieluhr 600 Euro wert. "Das ist die teuerste Katze, die ich je gekauft hab."
Frank Jungblut aus Wörrstadt kam mit einem Colani an. Der seltene Flitzer aus dem Jahr 1961 war ein Scheunenfund. "Ich finde ihn toll, außergewöhnlich, interessant", war Oldtimer-Fan Horst Lichter sofort hellauf begeistert.
Sven Deutschmanek war derselben Meinung und bewerte den aufbereiteten Wagen, der im Grunde ein VW Käfer mit einem Designer-Überbau ist, mit bis zu 20.000 Euro. Ein Preis, den keiner der Händler nach intensiver Begutachtung bezahlen konnte und wollte - trotz eiligst per Handy kontaktierter Interessenten.
Ein Kosakenreiter aus Bronze entzückte Experte Albert Maier zum Abschluss. Denn die Figur war sensationelle 3.000 Euro wert. Für 2.000 Euro ging das Werk eines bekannten russischen Künstlers mit Gießereistempel dann tatsächlich an den Händler Wolfgang Pauritsch.