Bei diesem Motiv winkte einer der Händler sofort ab

Von
Bettina Friemel

Eine Frage des guten Geschmacks? Allein der Anblick der porträtierten Figur ließ einen der "Bares für Rares"-Händler sofort abwinken. Seine Kollegen waren da weit weniger zurückhaltend. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Horst Lichter hatte eine Vorahnung, als er seinen Arbeitsplatz bei "Bares für Rares" betrat: "Ich glaube, heute ist der Tag gekommen. Der Tag, an dem wir einen unfassbaren Schatz entdecken!"
"Wo es um Summen geht, wo unsere Händler einfach nicht genug Geld dabei haben. Das wär es", spann er seine Gedanken fort. Denn das Bild im Originalrahmen machte ihn direkt ehrfürchtig.
Er wandte sich an Anja und Reinhard Herrig: "Wenn ich mir dieses Gemälde so ansehe, dann liegt die Vermutung nahe, ihr lebt in einem Schloss." Ganz so war es nicht. "Das ist in der fünften Generation in der Familie", erzählte das Ehepaar aus Trier.
Anja Herrig kannte die Herkunft des Kunstwerks von Julius Schrader: "Mein Vater hat mal erzählt, dass einer meiner Urgroßväter mit dem Humboldt befreundet war, der daraufhin den Schrader kennengelernt hat und so das Bild in die Familie gekommen ist."
Denn die gemalte Figur war Oliver Cromwell, Lordprotektor von England und als solcher eine ziemlich blutrünstige Figur. Werner versetzte Lichter den Dolchstoß: "Der hat dafür gesorgt, dass Karl I. Stuart von England enthauptet wird." Oha!
Ein schwieriges Thema. Dafür musste sich erst ein Käufer finden. Trotzdem hielt die Expertin 2.500 bis 3.000 Euro für machbar.
Die Händler waren ohnehin auf etwas ganz anderes fixiert: "Der Boden ist aber schön!" Julian Schmitz-Avila (Mitte): "Das Parkett hätte ich gerne." Christian Vechtel (rechts): "Das sieht aus wie Stein." Die anderen korrigierten: "Fliesen!"
Doch dann erkannten sie Oliver Cromwell. Bei Steve Mandel (Mitte) verursachte der Name Gänsehaut: "Er ist in Irland heute noch hoch verhasst, weil er sehr grausam dort gewütet hat." Den wollte er nicht im Haus haben.
Julian Schmitz-Avila gefiel hingegen nicht nur der Boden, sondern das Gesamtkunstwerk, für das er 2.000 Euro locker machte. "Wunschpreis erfüllt, alles top", waren die Verkäufer froh, das umstrittene Motiv gut an den Mann gebracht zu haben.
Außerdem erzielte ein versilberter Armreif mit Steinen aus Bleiglas aus den 1870er-Jahren 95 Euro.
Die Porzellanfigur "Leda mit dem Schwan" von Meissen aus der Zeit um 1900 brachte 600 Euro ein.
Für 260 Euro wurde eine Sammlung verschiedener Märklin Eisenbahnwaggons aus den 1980er-Jahren gekauft.
Sogar 360 Euro erzielte ein Silberpokal des ersten österreichischen Bundesschießens im Jahr 1880.
Und ein Elfenbein-Opernglas aus der Zeit um 1900 in eher mäßigem Zustand war mit 210 Euro ziemlich gut bezahlt.