"Bares für Rares": Russische Abendtasche als historische Dating-App?

Dating gibt es nicht erst seit der Erfindung von Tinder. In Russland etwa spielten metallene Handtaschen eine besondere Rolle. Statt Apps gaben Applikationen Auskunft über den Beziehungsstatus.

Praktisches Wissen von der "Bares für Rares"-Expertin: Das antike Abendtäschchen aus Russland wurde in der Armbeuge getragen, führte Dr. Heide Rezepa-Zabel vor, und es öffnete sich bei Knopfdruck nach vorne. Während sie begeistert war, gab sich Horst Lichter besorgt: "Das ganze Kleingeld auf der Straße!" Nun, um "Kleingeld" ging es auch im weiteren Verlauf der Sendung.
Die Verkäuferin aus Bitburg, selbst Goldschmiedemeisterin, stellte das über 100 Jahre alte Täschchen aus 875er-Silber bei "Bares für Rares" vor und hatte selbst einiges darüber zu erzählen.
Brigitte Schier-Schatz selbst hat das gute Stück von einer "netten Dame" geerbt. Ursprünglich stammt es aber von der Großtante dieser Dame, einer gebürtigen Russin. Sie hatte die Tasche bekommen, als sie - vermutlich bei einem Ball - "eingeführt worden ist in die russische Gesellschaft". Wenn dieses Accessoire plaudern könnte ...
"Bedauerlich, dass das hier abgemacht wurde", befand Expertin Rezepa-Zabel. "Die vielen Applikationen machen so ein Stück überhaupt attraktiv!" Der wichtigste Name für die erste Besitzerin der Tasche ist dafür klar und deutlich zu lesen: George hieß derjenige, den sie zum Ehemann nahm.
Horst Lichter war hingerissen: "Das ist aber eine sehr schöne Geschichte!" - Leider hatte Dr. Heide Rezepa-Zabel noch Anmerkungen ...
Entgegen Horst Lichters Hoffnung handelt es sich bei dem Knopf nicht um einen Stein, sondern Glas. Außerdem befürchtete die Expertin eine Wertminderung aufgrund der Beschädigungen, die durch das Entfernen der Zeugnisse der abgelegten Verehrer entstanden, sowie einen Riss im Material. Trotzdem ermittelte sie einen Schätzpreis von 450 bis 500 Euro.
Unter den Händlern fand sich tatsächlich schnell ein Verehrer für das Täschchen an sich: Daniel Meyer (Mitte). Einen Mitstreiter fand er nur vorübergehend in David Suppes (rechts), dem Rest der Runde war die kleine Abendtasche zu beschädigt.
Warum bot Susanne Steiger am Ende dann doch plötzlich mit? Mit einem schelmischen Grinsen in Richung Verkäuferin? "Du willst mir einen Schubs geben!", erkannte Daniel Meyer ihre Absicht, den Preis für ihn (und die Anbieterin) noch ein wenig in die Höhe zu treiben.
Daniel Meyer (rechts) nahm es der Kollegin nicht krumm und erwarb die silberne Abendtasche samt ihrer geschichtsträchtigen Spuren und Blessuren für 350 Euro.
"Schön, aber zu groß", hatten der Verkäufer und seine Tochter festgestellt, nachdem er die imposante Kaffeeschütte über Kleinanzeigen erworben hatte. Als Küchen-Deko ungeeignet. "Die Schönste, die ich lange gesehen habe", fand Daniel Meyer. "Schön, dass du nix mehr dran machen musst", befand Walter Lehnertz und schlug für 310 Euro zu.
Die beiden Wandleuchten (Peill und Putzler) im sogenannten "Wave"-Design sind aus Kristallglas gefertigt und stammen aus den 70er Jahren. Walter Lehnertz kaufte sie für insgesamt 250 Euro.
Jahrelang hatte Omas Mokka-Service (830er/835er-Silber, verschiedene Hersteller, 20er- bis 30er-Jahre) bei der Verkäuferin im Schrank gestanden, nun bekam sie von David Suppes 460 Euro dafür.
Für den üppigen Ring rechts hatte beinahe jeder einen anderen Fachbegriff auf Lager: "Tutti Frutti", "Obstkörbchen" und "Bei uns nennt man das Gemüse-Ring", verkündete David Suppes. Für die Verkäuferin war's der "Frühlingsring". Beide Stücke hatte ihr Schwiegervater für seine Gattin angefertigt. Daniel Meyer kaufte sie für insgesamt 1.260 Euro.
"Ist das Kunst oder ist das Käse?" - Diese Frage wollte sich der Verkäufer in Bezug auf seinen Flohmarkt-Fund beantworten lassen. Experte Colmar Schulte-Goltz musste ihm leider sagen, bei der Anbietschale handele es sich um "Analog-Jugenstil", zehn Jahre alt vielleicht, "nichts Ernsthaftes". Horst Lichter brachte es nicht über sich, eine Händlerkarte herauszurücken.