"Bares für Rares": Schmerzhafte Kindheitserinnerungen für Horst Lichter

Eigentlich ist Horst Lichter für seine gute Laune bekannt. Doch beim Anblick eines uralten Kinderspielzeugs kräuselten sich vor Schreck die Barthaare des "Bares für Rares"-Gastgebers: ein Kindheitstrauma!

"Widerwärtig!" Dieses vernichtende Urteil galt einem Verkaufsobjekt in der Donnerstagsfolge von "Bares für Rares". Moderator Horst Lichter verlor die Contenance, weil ein Detail des antiken Kinderspielzeugs in ihm alte Wunden aufriss. "Ich glaube, deswegen habe ich so kaputte Füße heute", erklärte er sein Kindheitstrauma ...
Dabei sah das Mitbringsel von Julia Brinkmann aus Kamen doch eigentlich sehr adrett aus: ein uraltes Tretauto aus Blech. Die 26-Jährige wusste: Der mit Muskelkraft fahrbare Untersatz wurde seinerzeit im Osten produziert und für 35 Reichsmark verkauft.
"Darf ich euch stören beim Spielen hier?", erkundigte sich Horst Lichter - ein wenig neidisch -, als er Verkäuferin Julia und den Experten Sven Deutschmanek beim Spielzeugauto sah. "Menschenskinder, ich würde jetzt am liebsten nach vorne rennen", gab Lichter zu.
Das Fahrzeug war ein Geschenk des Großvaters der Verkäuferin. "Das Ding ist älter als dein Opa, da bin ich ziemlich sicher", so Lichter. "Sehr, sehr alt", präzisierte der Möchtegern-Experte. Zum Glück war mit Sven Deutschmanek noch ein echter Experte vor Ort.
Der Anblick des Antriebs machte Lichter emotional: "Den kenne ich. Und der hat mir bitterböse wehgetan!" Kindheitserinnerungen an sein eigenes Tretauto holten ihn ein. "Diese widerwärtige Antriebstechnik hat keinen Freilauf", wetterte Lichter. "Wenn du abgerutscht bist, bist du hängengeblieben und das Ding hat dir hinten in die Hacken gehauen!"
Deutschmanek erkannte das Muskelkraft-Gefährt als "Original P15" aus dem Jahr 1929 oder 1930. Hersteller: Passo Mobil. "Sehr schön ist diese Alterspatina", schwärmte er. Gemeint war nicht Lichters Teint, sondern das Blech des Tretautos. 800 bis 1.000 Euro erhoffte sich die Verkäuferin. Sven erhöhte auf bis zu 1.500.
Jahrelang hatte das nostalgische Tretauto auf dem Dachboden gewartet, nun war sein großer Auftritt. Das Publikum hielt es nicht auf den Stühlen. Zumindest die männlichen Händler. Lisa Nüdling betrachtete die Kindsköpfe sowie das Objekt vom Sitzplatz aus.
"Das ist auf jeden Fall die Luxusausführung", glaubte Daniel Meyer. Seine These: "Die Elektrifizierung hatte nicht jedes Standardauto, das konnte man nachrüsten." Fabian Kahl startete mit 200 Euro, die anderen Männer gingen mit. Beim Gebot von 500 Euro machte Kahl eine dramaturgische Pause, um die Reaktion der Verkäuferin abzuwarten.
Da konnte Kahl lange warten: Die Verkäuferin machte ein Pokerface. Fabian gab zu bedenken: "Aber der Zustand ist auch nicht der allerbeste." Julia Brinkmann verkaufte sich - beziehungsweise das Auto - gut: Dass das Fahrzeug noch unrestauriert ist, machte sie zum Pluspunkt: "Bei vielen Fahrzeugen, die man heute vorfindet, ist quietschgrün aufgemalt worden, was dann gar nichts mehr mit der Historie zu tun hat."
Fabian Kahl und Markus Wildhagen boten sich ein Duell in 10er-Schritten. Als Kahl 660 Euro bot, wurde Wildhagen klar: "Du willst es unbedingt haben, ne? Ich hatte schon mal eins." Darauf Kahl: "Ich auch." Unentschieden fürs Erste.
Wenn zwei sich streiten, bietet der Dritte: Julian Schmitz-Avila stieg überraschend ein und bot 700 Euro. Wildhagen stieg bei 810 aus. Am Ende war nur noch Schmitz-Avila übrig, doch selbst 1.200 Euro waren der Verkäuferin nicht genug. "Aber wirklich nur ein bisschen noch", so Schmitz-Avila. "Kommt drauf an, wie viel ein bisschen ist", blieb Brinkmann hart.
"Harte Verhandlungen hier heute", stellte Dr. Elisabeth Nüdling fest. Tatsächlich gelang es der Verkäuferin, Schmitz-Avilas Schmerzgrenze auf 1.400 Euro hochzutreiben. "Sie sind ganz schön zäh", fand Markus Wildhagen. Erst hinter der Bühne gab die erfolgreiche Verkäuferin zu: "Ich hätte nicht gedacht, dass die Händler so mit sich verhandeln lassen."
Große Scheine wurden auch für einen Goldring aus dem späten 19. Jahrhundert und eine große sowie eine kleine goldene Brosche gezückt. Fabian Kahl kaufte die Juwelen für 1.600 Euro, knapp unter Schätzpreis.
Und diese Jardinière, datiert auf 1913 und aus 800er-Silber, ging in der Donnerstagssendung für 550 Euro an Dr. Elisabeth Nüdling - leicht über Schätzpreis.