Kunst und Party in einem: "Bares für Rares"-Verkäufer will 2.500 Euro für eine Schallplatte

Auch wenn es keine gewöhnliche Schallplatte ist, die der Verkäufer bei "Bares für Rares" anbietet, muss Horst Lichter dennoch schlucken, als er den vierstelligen Wunschpreis zu hören bekommt. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Verkäufer Michael Wiegand aus Brakel verkauft eine Schallplatte im Auftrag einer Bekannten, die damit nichts mehr anzufangen weiß. Ganz anders geht es dem Experten Detlev Kümmel mit dem Objekt, der die Platte als etwas "ganz Besonderes" betrachtet. Die Hülle wurde 1989 von Künstler Keith Haring als Einladungskarte gestaltet.
Kümmel muss gestehen, dass er üblicherweise nicht so schnell zu begeistern ist. Aber diese Platte beeindruckte ihn nachhaltig: "Das ist ein Kunstwerk, eine Schallplatte und eine Einladungskarte zum Geburtstag von Gloria von Thurn und Taxis in einem. Und sie singt auch noch auf der Platte: 'Come to my Party'!"
Auf der Rückseite der Hülle waren alle Party-Details vermerkt - vom Dresscode über Adresse und Telefonnummer bis hin zum Hinweis, die Einladung mitzubringen, um überhaupt Einlass auf das exklusive Fest zu erhalten. Somit gibt es bei 250 Einladungen auch nur 250 Schallplatten.
Doch warum hat der Pop-Art-Künstler Keith Haring die Platte und die Hülle entworfen? Das will auch Horst Lichter wissen - und Kümmel kennt die Antwort: "Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis war mit dem Künstler Haring befreundet und so entstand die Idee des Gesamtkunstwerks. Also, komplett persönlich alles", strahlt der Experte.
"Das ist ja der Hammer! Ich finde die Frau fantastisch und hätte das sehr gerne. Das ist ein echtes Kunstwerk für mich!", freut sich Horst Lichter. Doch die Stimmung kippt, als er den Wunschpreis von 2.500 Euro hört: "Alter Schwede, das ist 'ne Single!" Doch Kümmel erhöht sogar auf 3.500 Euro - "auf der Richterskala nach oben offen!"
"Das ist echt eine Sensation!", ist Lichter immer noch fassungslos über den Preis der Platte. "Bei der Verhandlung würde ich wirklich gerne Mäuschen spielen im Händlerraum!" Diesen Wunsch kann man nachvollziehen, denn auch die Händler waren im ersten Moment mehr als erstaunt über das außergewöhnliche Objekt.
"Wie abgefahren", lacht Händlerin Lisa Nüdling. Und Julian Schmitz-Avila schwärmt: "Das war sicher eine Party, wo man sich im Anschluss zwei Tage freinehmen musste." Doch leider reicht das Interesse nicht annähernd, um auf den Wunschpreis zu kommen. Bei 800 Euro ist zunächst Schluss - zu wenig für den Verkäufer.
Der Verkäufer versucht, alle Details aus der Expertise zu schildern, erwähnt die limitierte Stückzahl - und bringt damit die Bieterrunde wieder in Schwung. Plötzlich hat auch Lisa Nüdling wieder Interesse, die wegen Corona in vergangenen Zeiten schwelgt, als ausgelassene Partys noch stattfinden konnten.
Es folgen zähe Verhandlungen, bis David Suppes ein finales Gebot in Höhe von 2.000 Euro für das Sammlerstück abgibt. Nach einigem Zögern nimmt der Verkäufer an - und Suppes freut sich: "Es gibt so viele Keith-Haring-Enthusiasten!"
Bettina und Ingo Bosse aus Braunschweig haben ihren Flohmarktfund für 20 Euro vorgestellt. Die zwei Weinkaraffen aus böhmischem Glas mit Emailmalerei und einer 800er Silber-Montierung stammen aus der Zeit von 1870.
Der Wunschpreis für die zwei Karaffen liegt bei 1.000 Euro. "Das wäre der reine Silberwert", meint der Verkäufer. Doch da liege er völlig falsch, so Experte Albert Maier.
Nur bei knapp 300 Euro liege der Materialwert. Dennoch ist Albert Maier von den hochwertigen Objekten, "die sich auch nur das höhere Bürgertum leisten konnte", sehr angetan und taxiert den Preis auf 1.000 bis 1.200 Euro. Auch im Händlerraum kommen die Karaffen sehr gut an - und das nicht nur bei David Suppes, der sie "sehr, sehr schön" findet.
Auch Fabian Kahl und Lisa Nüdling finden die böhmischen Gläser "sensationell" und "stark". "So feine Silberware und dann auch noch im Paar sieht man selten. Und das noch in einem perfekten Zustand. Toll!", schwärmt Kahl und zahlt am Ende 1.200 Euro.
Der Verlobungsring ihrer Oma liegt nur in der Schublade von Heike Krüger aus Schneverdingen. Für den Diamantring in 585er Gold aus den 1940-50er Jahren wünscht sich die Verkäuferin zwischen 800 und 1.000 Euro.
Doch leider ist die Qualität der Steine nicht so gut, dass Expertin Wendela Horz diesen Preiswunsch erfüllen könnte. Sie schätzt das Schmuckstück nur auf 600 bis 800 Euro. Die Händlerkarte wird aber dennoch überreicht.
Händlerin Lisa Nüdling ist dennoch begeistert von dem Toi-et-moi-Ring: "Oh, du und ich für immer - side by side! Das ist eine schöne Symbolik!" Der Ring ist ihr 500 Euro wert.
Die kleinen Porzellan-Püppchen von Meissen sind Erbstücke seiner Mutter, die Jan Wodtke aus Henstedt-Ulzburg verkaufen will. Albert Maier "geht sofort das Herz auf, wenn ich solche Figuren sehe!". Die kleinen Figuren von 1904 sind laut Experte 1.500 bis 1.700 Euro wert.
Leider war eine Figur gebrochen und restauriert worden. Wegen dieser Wertminderung scheinen die Verhandlungen bei 700 Euro zu stoppen, doch nach einigem Hin und Her erhöht Fabian Kahl doch noch auf 950 Euro. Deal!
Die vergoldete Angelrolle "Mitchell Spezial 410 DL" ist ein Familienerbstück. Der Vater von Daniel Gold aus Boppard hatte einen Fischerverein gegründet. Das limitierte Stück wurde rund 500-mal produziert und stammt aus den 1970er Jahren.
Der Wunschpreis für dieses Sammlerstück liegt bei 1.500 Euro. Bei der Preisvorstellung bringt Horst Lichter nur noch ein erstauntes "Hui!" hervor, aber auch Experte Kümmel verweist auf den namhaften Hersteller und stimmt dem Wunschpreis der Verkäufer zu.