Fälschung bei "Bares für Rares"? Alte Münze wirft Rätsel auf

Der Markt für alte russische Rubel ist riesig - doch damit leider auch der Fälschungsmarkt. War eine Flohmarkt-Enthusiastin etwa einem Betrüger aufgesessen? Die "Bares für Rares"-Expertin schaffte Klarheit. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Flohmärkte seien ihr großes Hobby, und diese Münze habe sie vor zehn Jahren entdeckt, erzählte die Mutter stolz. Damals sei sie mit einer Taschenlampe schon um 6:30 Uhr auf den Flohmarkt unterwegs gewesen, um die besten Schätze abzugreifen.
Horst Lichter fragte neugierig nach dem Einkaufswert. Josefa Cegielski hatte für die Münze im Paket mit anderen Objekten 100 Euro gezahlt. Bei der Frage nach ihrem Wunschpreis wollte sie sich nicht festlegen. "Da vertraue ich auf die Expertise", meinte sie geheimnisvoll.
Und so begann Expertin Wendela Horz, die vermeintliche Rarität genauer zu inspizieren. Horst Lichter hatte im ersten Moment die Münze als "sehr alt" eingeschätzt und glaubte zudem, ein Frauenbildnis auf der Vorderseite erkannt zu haben. Damit lag er schon mal ganz falsch.
Bei der Abbildung handelte es sich um Peter II., einen Kaiser, der von 1727 bis 1730 im alten Russland regiert hatte. Neben dem Bildnis konnte man die Jahreszahl 1729 entziffern. Daraufhin rutsche Lichter ein überraschtes "Ui, ui, ui!" heraus. Aber der Mann tat ihm mit dieser "Frauenfrisur" immer noch leid.
Auch die Rückseite schien laut Expertin ins Bild zu passen: Das Kreuz ergibt sich aus den vierfach verschränkten Initialen "P" des Kaisers. Dazu die römische Ziffer "II" für Peter II. Dennoch schien irgendetwas mit der Münze nicht zu stimmen.
"Diese Rubel werden für sehr viel Geld gehandelt. Je nach Zustand können die Münzen bis über 2.000 Euro erzielen", erläuterte Wendela Horz. Dem konnte die Verkäuferin nur zustimmen. Als sie nach dem Kauf eine Recherche im Netz startete, habe sie angesichts der aufgerufenen Preise zwei Nächte nicht schlafen können. Doch wie viel war ihr Rubel nun wert?
Die Expertin legte die Stirn in Falten: "Ich bin etwas misstrauisch, muss ich sagen." Sie erzählte von einem riesigen Fälschermarkt, der vor allem in China massenhaft russische Münzen imitiere. "Denn besonders für altrussische Münzen wird sehr viel Geld gezahlt", erklärte sie weiter.
"Ich habe gemessen, ich habe gewogen. Und ich bin schwer am Nachdenken!", so die Expertin. So stimmte zwar der Durchmesser der Münze mit einem echten Rubel aus der Zeit überein, aber nicht das Sollgewicht. Vielleicht lag das zu geringe Gewicht an den Abnutzungen? Doch diese waren nicht an der ganzen Münze zu sehen.
Ein sicheres Ergebnis konnte nur ein Materialtest liefern, dem die Verkäuferin zustimmen musste. Diese Echtheits-Prüfung war auch wichtig für die Händler, erklärte Lichter: "Denn eine Fälschung dürften unsere Händler gar nicht weiterverkaufen!", erklärte der Moderator mit einer gewissen Strenge.
Das Testergebnis: ernüchternd! Denn der Teststreifen von der zu verkaufenden Münze (l.) verfärbte sich nicht rot, wie er es bei echtem Silber (rechter Streifen) getan hätte. "Wenn es kein Silber ist, dann ist es auch kein alter Rubel. Dann ist es eine Fälschung!", verdeutlichte Horz.
Für den Moderator war die ganze Situation etwas unangenehm. "Es tut mir wirklich leid. Aber bei dem Pech wirst du das nächste Mal auf dem Flohmarkt sicher Glück haben", versuchte Lichter die Stimmung zu heben. Aber ohne Glück, denn die Verkäuferin erwiderte: "Ich glaube, jetzt geh' ich nicht mehr! Mein Mann wird entsetzt sein!"
Bis in den Händlerraum schaffte es hingegen die Verkäuferin einer Sodaflasche um 1900 aus London. Da der Wasserspender leider beschädigt und nur noch als Deko-Objekt zu nutzen war, erhielt die Verkäuferin 100 Euro von Walter Lehnertz. Immerhin war das auch ihr Wunschpreis.
Eine ausgefallene Schmuckgarnitur mit Armreif, Ring und Collier aus 750er-Gold mit Smaragden und Diamanten stammte aus den 1970ern. Das Set ging an Fabian Kahl für 2.600 Euro.