"Bares für Rares": Kircheninventar in Trödelshow versteigert

Wenn Horst Lichter die "Beichte" abnimmt: Eine "Bares für Rares"-Kandidatin hatte am Montag kirchliches Inventar dabei, das sie ganz weltlich genutzt hatte.

Es funkelte schon wieder der Schalk hinter Horst Lichters Brillengläsern, als er die Verkäuferin Ingeborg Justen bei "Bares für Rares" begrüßte. Beim Anblick ihres Tabernakels fiel ihm offensichtlich prompt was Freches ein. "Das ist wahrscheinlich despektierlich ...", versuchte der Moderator sich noch zu bremsen, angesichts des sakralen Stücks.
Aber dann musste es doch raus: "Eine Minibar ist es nicht ..." Wo er Recht hat. Der Schrein dient üblicherweise der Aufbewahrung der Hostien nach der Eucharistiefeier in der katholischen Kirche. Üblicherweise ...
Ingeborg Justen teilte offensichtlich Lichters Humor. Der Tabernakel war ein Erbstück ihres verstorbenen Mannes, erzählte sie, mehr wusste die 50-Jährige über die Herkunft des Stücks nicht. "Ich möchte, dass er jetzt in gute Hände kommt."
Horst Lichter weiß ja, wann es Zeit wird, die Tonart zu wechseln und wandte sich dann doch ganz ernshaft mit etwas tieferer Stimmlage an Expertin Friederike Werner: "Es sieht schon sehr würdig aus." Wie die Expertin bestätigte, geht es kaum noch würdiger: Das Allerheiligste wurde darin verwahrt.
Stilistisch entspricht der Tabernakel der Mitte des 18. Jahrhunderts, so die Expertin. Es gebe aber Hinweise darauf, dass er wohl aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt, zum Beispiel die modernen Eisenschrauben.
Es müsste wohl einiges an dem Objekt restauriert werden, trotzdem schätzte Friederike Werner seinen Wert auf 250 bis 350 Euro. Darunter würde sie es nicht hergeben, empfahl sie. "Es ist einfach zu schön."
Diese Antwort überraschte die Händlerrunde (Elisabeth Nüdling, Fabian Kahl und Ludwig Hofmaier, v.l.n.r.) dann doch. Aber Ingeborg Justen konnte sich gut erklären: Mützen und Schals konnten am wenigsten Schaden anrichten und "man hatte eine Verwendung".
Ein Interessent für den Tabernakel hatte sich aber längst gefunden. Daniel Meyer hatte wohl erst kürzlich kirchliches Inventar versteigert und war überrascht gewesen über die Nachfrage vonseiten der Kirchen.
Meyer bot 280 Euro und erhielt den Zuschlag. Einen Anteil vom Erlös soll auch der Sohn der ehemaligen Besitzerin bekommen: Die Versteigerung fand an seinem 21. Geburtstag statt.
Die Verkäuferin und ihr Gatte hatten nicht viel übrig für "Nossy", das therapeutische Spielzeug von Renate Müller aus den Siebzigern. Die "Bares für Rares"-Truppe war dagegen regelrecht verzückt - ein so kleines Modell des berühmten Nashorns hatten sie noch nie gesehen! Eisabeth Nüdling schlug für 180 Euro zu.
Aus einer Brosche aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in den 70-ern ein stilechtes Collier angefertigt. Trotzdem darbte das besondere Schmuckstück nur im Safe. Thorsden Schlößner nahm sich seiner an, für 2.200 Euro.
Das schwedische Trinkhorn von 1885 bekamen die Händler leider gar nicht erst zu Gesicht. Der Besitzer wollte mindestens 800 Euro dafür haben, doch das übertraf den Schätzpreis von 600 bis 700 Euro. Somit gab es keine Händlerkarte.
Bei dieser Diamant-Brosche legte Elisabeth Nüdling mit einem Erstgebot von 800 Euro steil vor (300 Euro über dem Schätzpreis!) und schüchterte eventuelle Mitbieter ein.
Das Goldfasanen-Paar in Bronze von 1910 bis 1920, signiert von P.M. Jensen, ersteigerte Fabian Kahl für 370 Euro.