"Bares für Rares": Colani-Rad lässt Horst Lichter ausflippen

Ein Bike von Designer-Legende Luigi Colani bringt Horst Lichter völlig aus der Fassung. Aber teilen die Händler seine Euphorie?

"Ich habe am 15.1. Geburtstag, nur dass du das schon mal weißt, falls da noch was möglich wäre", winkte Lichter mit dem Zaunpfahl. Ob er auch gern so etwas hätte, fragte Gaby Müller das Offensichtliche. "Wahnsinnsteil, das ist der Hammer!", jubelte Lichter wieder. Ob er da schon wusste, von welchem berühmten Designer das Kabinenrad stammte?
"Die Expertise ist für mich ganz wichtig, weil ich recherchiert habe und wenig über dieses Fahrrad entdecken konnte", berichtete Schorsch Müller. Soweit er wusste, handelte es sich um ein Unikat. "Es wurden zwei gebaut", erklärte er. "Dann gibt es ja zwei", bewies Lichter seine Kopfrechenkünste. "Das zweite ist verschollen", so Müller.
"Wir haben hier ein wunderschönes Kabinenfahrrad", konstatierte Sven Deutschmanek. "Kabinenfahrrad?", wiederholte Lichter. Der Experte verwies auf den Messerschmidt Roller und den C1 von BMW. Wer das Rad erfunden habe, erkenne man sofort, glaubte Deutschmanek: Luigi Colani, "der deutsche Designer, den fast jeder kennt".
Luigi Colanis Markenzeichen: Er trug nicht nur gern weiße Kleidung, sondern machte die Farbe auch zum Markenzeichen seiner Designsprache. Auch das Kabinenfahrrad war ganz in Weiß gestaltet. Offenbar war die "Bares für Rares"-Folge vor seinem Tod aufgezeichnet worden, denn dass der Designer am 16. September verstorben ist, erwähnte niemand.
"Ende der 70er-Jahre war so etwas natürlich sehr, sehr mutig und das sieht schon sehr, sehr spacig aus", urteilte Sven Deutschmanek. Er fand das Bike "wirklich sensationell". Ein Detail an der GFK-Kabine faszinierte den Experte besonders: Den mechanischen Scheibenwischer fand er "ganz, ganz phänomenal".
Eine Eierschale über dem Kopf? Die Zeichentrickfigur Calimero lässt grüßen! Befragt nach dem Wunschpreis, schlug Schorsch Müller 4.500 Euro vor. "Das ist gar nicht mal wenig", fand Lichter. Colani-Fans würden 3.500 bis 5.000 Euro für die Rarität ausgeben, glaubte Deutschmanek.
Im Händlerraum löste das Ei-Rad ebenfalls Begeisterung aus. "Oh mein Gott!", betete Jan Cizek (l.) das Designerteil an. "Wow!", lobte Thorsden Schlößner. "Wenn du damit durchs Dorf fährst, bist du das Gesprächsthema Nummer 1", glaubte Susanne Steiger.
Julian Schmitz-Avila (Mitte) sah vor seinem geistigen Auge schon sich selbst an Bord des Kabinenfahrrads: "Wenn ich damit durch den Ort fahre ... die sagen ja jetzt schon, ich hätte sie nicht mehr alle." Ludwig Hofmaier (r.) inspirierte das Gefährt sogar zu einer Gesangseinlage: "Ja, wir san mit´m Radl da", trällerte er.
"Wirklich was Skurriles", fand Cizek. Doch was war den Händlern das vermeintliche Unikat wert? Thorsden Schlößner startete mit 1.000 Euro. Cizek erhöhte auf 1.200. Das Verkäuferpaar blieb ungerührt. "Da sind wir noch in ganz weiter Ferne", erklärte Schorsch Müller. Selbst als Schlößner 2.000 Euro bot, meinte der Radbesitzer, das sei "nicht annähernd im Bereich".
Susanne Steiger (r.) wurde ungeduldig und fragte direkt: "Welche Vorstellung haben Sie?" Der Verkäufer blieb hart: "4.500 Euro, sonst wird sich da nichts tun." Schmitz-Avila war der Einzige, der es wagte, zu widersprechen: "Es ist schwierig, dafür Sammler aufzutun." Dennoch arbeiteten die Händler sich weiter vor.
"Machen wir es interessant", schlug Schlößner vor. Doch seine 3.000 Euro fanden die Müllers uninteressant. "Viereinhalb", wiederholte Schorsch Müller mantraartig. "3.700, aber dann ist Schluss bei mir", war Cizeks letztes Wort. Die Müllers nahmen das Bike wieder mit. Gutes Rad ist eben teuer. Durch den Tod Colanis wohl jetzt mehr als jemals zuvor.
Und sonst? "Weißes Gold", bewunderte Julian Schmitz-Avila die Porzellanfigur von Rosenthal. 1936 wurde die Venus erschaffen. "Schöne Füße" fanden Susanne Steiger, Horst Lichter und Experte Colmar Schulte-Goltz. Letzterer empfahl 600 bis 800 Euro. Jan Cizek erstand die Liebesgöttin für 600 Euro. Verkäuferin Rosemarie Rüttgers wäre schon mit 500 zufrieden gewesen.
Familienerbstück aus der dritten Generation: Zwei Ohrringe aus 585er-Gold, Achat und Diamantrosen wollte Petra Marek aus Balve veräußern. 500 Euro war ihr Wunschpreis. "Mit etwas Glück pro Stück", reimte Wendela Horz und verdoppelte. Das Bieterduell gegen Thorsden Schlößner gewann Julian Schmitz-Avila. Er kaufte die Ohren-Deko für 930 Euro.