Rokoko oder Kokolores? Porzellan-Figur stiftet Verwirrung bei "Bares für Rares"

Zwei Horsts und eine Dame mit unnatürlicher Handhaltung: Bei "Bares für Rares" spielten sich am Donnerstag irritierende Szenen ab. Und hoch amüsante dazu.

"Mensch, das ist mal ein Horst mit einem Günther dran!", freute sich "Bares für Rares"-Moderator Lichter (Mitte) über seinen Gast. Nicht nur der Vorname des Gastes aus Wülfrath war etwas ganz Besonderes: Horst-Günther Ostholt hatte am Donnerstag eine Figur dabei, deren Gliedmaßen bei den Händlern für reichlich Amüsement und Diskussionsstoff sorgten.
Nachdem die Horsts feststellten, dass sie nicht nur den Vornamen teilten, sondern auch die Leidenschaft für den Tennis-Sport, lenkte Lichter den Blick auf das Mitbringsel. Genauer gesagt auf ein Detail: "Die hat ja ganz tolle Arme, mein Gott hat die Arme!" Dieser Befund sollte auch später noch eine große Rolle spielen ...
Lichter konnte seinen Blick nicht von dem merkwürdigen Detail der Porzellan-Dame wenden: "Ich denke, diese übertriebenen Gelenke der Hände sollen Grazie darstellen." Experte Albert Maier widersprach fachmännsich: "Das soll eher den Zeitraum darstellen, als diese Figur hergestellt wurde". Nämlich der Übergang von Rokoko zu Art Deco.
Albert Maier erkannte die Herkunft der Dame: die Porzellanmanufaktur Fraureuth in Sachsen. "Geboren" war sie 1921. Lichter fragte nach Beschädigungen, worauf Maier auf Abrieb am Goldrand verwies. "Das ist ja hinten", murmelte der Moderator salopp. Dann entschuldigend: "Wir wollen ja eine vernünftige Expertise und nicht gestört werden von mir."
250 Euro erhoffte sich der kaufmännische Angestellte für die Dame mit der eigenwilligen Handhaltung. Albert Maier stimmte zu. "Mit ein bisschen Glück machst Du Deine Frau glücklich mit dem Verkauf", verabschiedete Horst Lichter den anderen Horst in den Händlerraum. Eine "Wiener Edeldame", glaubte Fabian Kahl (zweiter von rechts) zu erkennen.
"Eurasisch, mein Lieber", widersprach Julian Schmitz-Avila. Dann lasen die beiden "Fraureuth". Kahl ließ nicht locker: "Mit der Darstellung einer Wiener Edeldame". "Das ist eine Rokoko-Dame mit Schoßhund", half der Verkäufer. "Wiener Rokoko-Dame", beharrte Kahl trotzig. Dann erklärte er: Der Stil erinnere ihn an die Marke Goldscheider aus Wien.
"Aber das Gesicht ist schon ein bisschen asiatisch", beharrte auch Julian Schmitz-Avila. Dann stellten die Händler fest, dass es ein noch spannenderes Detail gab: "Was ist denn hier mit der Hand passiert?", fragte Fabian Kahl. "Typisch Fraureuth, die haben das wieder nicht hingekriegt", urteilte er hart über die unnatürliche Handstellung.
"Das Handgelenk ist wirklich sehr ab ...", murmelte Julian Schmitz-Aviala. Er und Kahl versuchten, die Handstellung zu imitieren. "Das ist wieder typisch Fraureuth", sagte Schmitz-Avila. Es klang nicht nach Fachwissen, sondern als würde er dem Kollegen einfach nachplappern. "Auch die Hand ist komisch, die sieht aus wie ein Fuß", so Schmitz-Avila.
"Wer kann denn sein Handgelenk so ...", fragte sich Julian Schmitz-Avila. "Also ich kann das!", freute sich Susanne Steiger und zeigte Haltung. Schmitz-Avila war wenig beeindruckt: "Ja, so kann ich auch, Susi!" Er blieb bei seiner These: "Das wirkt als wäre das Gelenk ab." Er meinte nicht die Kollegin. Christian Vechtel bot 100 Euro.
"Da wäre ich ein wenig enttäuscht, muss ich sagen", so der vielleicht höflichste Verkäufer in der Geschichte von "Bares für Rares". Vechtel erhöhte auf 120. Ausgerechnet Schmitz-Avila, der am meisten über die groteske Hand gemeckert hatte, schlug zu: Verkauft für 150 Euro! Ob er ein Händchen für Porzellan-Verkäufe hat, wird sich zeigen ...
Monika Krayl aus Nister brachte "Casala Chairs" mit. Thorsten Legat hat sich zum Glück nicht als Designer versucht. Statt "Kasalla" ging es um Sitzmöbel von 1973, hergestellt von Casala aus Niedersachsen. Die Kult-Stühle gingen aufgrund von Gebrauchsspuren für nur 160 Euro an Walter Lehnertz. Die Verkäuferin hatte auf 200 bis 300 Euro gehofft.
Als Baumaschinenführer benötigt er keine Diamantbrosche - fand Hans-Jürgen Hennschen aus Preetz. Der Schubladenschmuck sollte im Auftrag seiner Gattin veräußert werden. 800 Euro empfahl Wendela Horz. Susanne Steigers Startgebot: 1.500 Euro. Kein anderer Händler ging mit. Womöglich der schnellste Verkauf in der Geschichte von "Bares für Rares"!