"Bares für Rares": Händler kämpferisch wie nie

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Ein Medaillon mit Kriegermotiv schien die "Bares für Rares"-Händler zu einer regelrechten Bieterschlacht zu inspirieren. Jeder wagte diesmal mit einem Gebot die Attacke.

Schmuckexpertin Wendela Horz bei der Arbeit: Sie datierte das Medaillon auf die Zeit um 1880/90. Man habe damals seine Verbundenheit mit anderen Menschen gerne in Schmuck ausgedrückt. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 waren viele Männer zu betrauern. "Da wurden häufig diese Kriegermotive getragen." Möglicherweise zeigte es aber auch einen Kriegsgott, Ares oder Mars.
Wendela Horz demonstrierte: Bei dem verwendeten Material handelte es sich nicht, wie oftmals üblich, um die günstigere Variante Glas. Das Medaillon wurde aus 585er-Gold und Achat gefertigt. Erkannt an der Bänderung. Denn: "Achate sind die gebänderten Quarze." Wieder was gelernt bei "Bares für Rares"!
Leider war das geschichtsträchtige Schmuckstück nicht mehr ganz intakt. Es fehlten eine Kugel an der Vorderseite, einer der beiden kleinen Rahmen mit Glas im Inneren und vor allem aber der Verschluss an der Seite. Expertinnenmeinung: "Das ist alles machbar, aber es bedeutet einen gewissen Aufwand."
"Ein paar gute Sachen, ein paar weniger gute Sachen, aber unterm Strich ist es was wert", fasste Horst Lichter zusammen und stellte die entscheidende Frage als Aufforderung: "Wendela, sag mal einen schönen Preis!" Den Gefallen konnte die Expertin dem Ehepaar Merz nicht tun: Wegen der notwendigen Reparaturen nannte sie 350 statt der erhofften 500 Euro.
Bei den Händlern kam das Medaillon trotz der Mängel gleich sehr gut an. Vor allem Fabian Kahl (r.) fand es gar nicht so mangelhaft, im Gegenteil: "Oft sind die Achatplatten gesprungen, hier nicht!" Allerdings war den Verkäufern sein Gebot von 250 Euro nicht hoch genug ...
Gudrun und Lothar Merz gaben sich aber nicht so schnell geschlagen und versuchten den Kaufpreis wenigstens auf 280 Euro zu heben.
Da schien in Wolfgang Pauritsch plötzlich die Kampfeslust geweckt: "Jetzt reicht's, jetzt biete ich 280 Euro!" Augenblicklich stieg dann auch Elke Velten ins Gefecht ein, mit 300 Euro! Alle hatten geboten, die Schlacht ging in die finale Runde.
Am Ende musste Kahl 320 Euro für das über 100 Jahre alte Schmuckstück abdrücken und "bedankte" sich bei Pauritsch "für die paar Euro mehr". Zur Antwort bekam er gleich noch eine scherzhafte Kampfansage: "Die Schlacht hast du gewonnen, aber den Krieg noch lange nicht!" Doch das konnte den Kollegen nicht schocken: "Das sagst du seit fünf Jahren."
Was sonst noch verkauft wurde: Eine Erstausgabe des deutschen "Playboy" von August 1972 für 120 Euro.
Eine Nabelschere in Klapperstorchform aus 800er-Silber aus der Zeit um 1900 diente nicht medizinischen Zwecken, sondern als Geschenk. Für 120 Euro wurde dieses besondere Stück verkauft.
Zwei fast makellos erhaltene italienische Designer-Tischleuchten aus den 60er-Jahren wechselten für insgesamt 180 Euro den Besitzer. Das Modell "Sphere" aus Plexiglas und Chrom wurde von Gino Sarfatti entworfen und von seiner Firma Arteluce hergestellt.
Die Halskette aus 935er-Silber, verziert mit Perlmutt und Emaille, stammte von Theodor Fahrner aus Pforzheim. Das Schmuckstück aus der Zeit um 1905 wurde für 420 Euro verkauft.
Nicht verkauft wurde diese Kaminuhr von Conrad Felsing, gefertigt aus schwarzem Stein und ausgestattet mit Kalender, Mondphasen, Barometer und einem seltenen Quecksilberpendel. 1.600 Euro waren geboten, aber die Verkäuferin entschied sich, ihr Erbstück doch zu behalten.