"Bares für Rares"-Kandidat lehnt Händlerkarte ab - und hat eine andere Idee

Eine Händlerkarte ist das erklärte Ziel aller Kandidaten bei "Bares für Rares". Aller Kandidaten? Aber nein: Ein Lokführer in Rente hatte plötzlich eine bessere Idee, wie er sein antikes Gemälde verkaufen wollte.

Heiko Stoeppler brachte am Dienstag ein altes, großformatiges Gemälde mit zu "Bares für Rares". Klingt erst mal wenig spektakulär, denn Bilder werden in nahezu jeder Folge veräußert. Was die Verhandlungen kinoreif machte, war deren überraschendes Ende. Denn das war eigentlich erst der Anfang ...
"Es lag im Keller, das muss ja nicht sein", fand Heiko "Carlo" Stoeppler. Der Lokführer in Rente wollte daher das Gemälde loswerden an jemanden, der es mehr zu schätzen weiß als er. Experte Detlev Kümmel (Bild) hatte den Durchblick. Leider im wahrsten Wortsinn. Auch Lichter stellte fest: "Toll gemalt, viel Tiefe, aber leider sehe ich ein Loch."
Der Gast scherzte: "Ich wollte erst einen Kaugummi draufkleben, aber ..."
Befragt nach der Herkunft des Wandschmucks erklärte der 53-Jährige: "Alter Familienbesitz". Sein Vater habe es vor 50 Jahren bekommen, "weil jemand seine Schulden nicht begleichen konnte". Seit 35 Jahren sei es nun in seinem Besitz. Allerdings nie an der Wand, sondern wahlweise im Keller oder auf dem Schrank versteckt.
Die Sonnenstrahlen seien "wie ein Scheinwerfer auf das Dorf gerichtet", so Kümmel. Lichter fand das sehr schön, gab aber zu, dies erst auf den zweiten Blick erkannt zu haben. "Man muss Bilder tatsächlich ein bisschen länger betrachten", sinnierte der Moderator.
Lichter fragte, ob das Bild eine englische Szenerie darstelle. "Ich kann dir sogar genau sagen, wo", trumpfte Detlev Kümmel auf. Wobei ihm seine Arbeit diesmal wirklich leicht gemacht wurde: Die Ortsangabe stand auf dem Bild. Quasi GPS aus dem 19. Jahrhundert. Horton Kirby war nicht der Maler, sondern ein kleiner Ort in Kent südöstlich von London.
Ebenfalls auf dem Bild steht "Niemann". Edmund John Niemann (1813-1876) habe Hunderte solcher Bilder gemalt und sich dabei mehrere Dörfer im Umfeld von London vorgenommen. "Von der ganzen Machart her kann man dieses Bild in seine Spätphase verorten - so um 1870", glaubte Kümmel. Einspruch kam vom Verkäufer!
"Das muss vor 1860 gemalt worden sein", behauptete Heiko Stoeppler voller Überzeugung. Da staunte der Experte. Stoeppler erwiderte: "1860 wurde die St. Marys Church saniert. Da wurden die Zinnen abgetragen." Auf dem Bild waren sie aber noch zu sehen. Experte Kümmel konterte versiert ...
Seine Gegenthese: Der Künstler habe das Bild nicht zwingend live vor Ort gemalt, sondern habe vielleicht eine ältere Skizze oder Postkarte als Vorlage genutzt. Auch beim Verkaufspreis wurden sich die beiden nicht einig: "2.000 aufwärts" wollte Stoeppler. Aufgrund der notwendigen Restaurierung hielt der Experte nur 800 bis 1.000 für realistisch.
Das überraschende Ende, das eigentlich ein Anfang war: Stoeppler wollte bei einem Preis unter 1.500 Euro "lieber in das Dorf fahren und das Bild vor Ort veräußern". Lichter gefiel die außergewöhnliche Idee und wollte Beweisfotos. Der Nicht-Verkäufer hatte schon einen Plan B: "Wenn das nicht klappt, haben wir einen schönen Urlaub gemacht."
"Ein Erbstück von Maria-Theresia", hatte Franz-Josef Heimann aus Solingen dabei. Den Wunschpreis von 210 Euro für den Kettenanhänger mit Zuchtperle bremste Expertin Horz auf 200. Elke Velten kaufte den Schmuck für 190.
"Wir haben den gleichen Friseur, da können wir auch 'du' sagen", begrüßte Jean Michael Buscher den Moderator. Er erweiterte sein Angebot auf den Experten, denn auch Deutschmanek trägt die Haare wie Horst: lichter. Der 71-Jährige aus Bechtheim hatte Silberbesteck dabei. Bei 1.400 Euro bekam David Suppes den Zuschlag. 300 mehr als Deutschmaneks Rat.