Ein überholtes Frauenbild, kackende Lämmer und ein grausam jaulender Led-Zeppelin-Fan: Wenn Sie all das romantisch finden, dann sind Sie bei "Bauer sucht Frau" genau richtig. Denn all diese grauenhaften Motive hat RTL in die fünfte Folge der Kuppel-Show gepackt – und sie trotzdem so kitschig und romantisch verpackt wie lange nicht mehr.

Kitschig, kuschlig, knutschig: Von Minute eins an setzt Folge fünf von "Bauer sucht Frau" auf sein altbewährtes Konzept. Heute darf beginnen: Bauer Gunther. Er verbindet seiner Jenny die Augen und geht in den Schweinestall. Heraus kommt er mit zwei Ferkeln. Im Hintergrund dudelt ein Best-of der Kuschelrock-Alben der vergangenen Jahre vor sich hin. Jenny nimmt die Augenbinde ab und quietscht gleich los: "Och Gotti, wie süüüüß!". Sie nennen die Ferkel "Lulu" und "Bobby". Hier ist die Welt noch in Ordnung. Süß. Wie ein Lollipop.

Jungtiere sind immer ein dankbares Motiv in "Bauer sucht Frau". Diese Szenen laufen immer nach folgendem Schema ab. Mann sagt: "Du schau mal" oder "Ich muss dir was zeigen". Frau kommt dazu, sieht das Tierchen, quietscht und stammelt: "Och wie süß". Nur bei der etwas grobmotorischen Heike klappt diese Harmonie-Szene nicht ganz, Sie packt ein Lamm am Hals und wuchtet es in ihre Arme. Als Dank dafür kackt ihr das Tier auf die Hand. Bäh.

Aber wir sind hier bei "Bauer sucht Frau". Ein Bäh-Moment ist nicht erwünscht und wird schnell kaschiert. Ein Schmuse-Moment muss her. Bauer Peter muss es richten. Er fragt seine Angebetete Kerstin, was sie so den lieben, langen Tag bei ihm in Portugal machen könnten. Sie meint schlicht: "Liebhaben." Peter gluckst, grinst und guckt verschämt zur Seite. Der Bäh-Moment ist vergessen. Süß ist wieder angesagt. Wie ein karamellisierter Lollipop.

Selbst Patrick Lindner könnte noch was lernen

Es ist schon ein kleines Meisterwerk, wie "Bauer sucht Frau" es schafft, ein altmodisches, erzkonservatives Frauenbild als süß zu verkaufen. Bauer Karlheinz zum Beispiel lässt seine Luise im Garten ein paar Blümchen anpflanzen. Frauen gehören auf dem Bauernhof schließlich in den Garten, an den Herd oder vor die Waschmaschine. Das macht er unmissverständlich klar. Dafür findet er aber einen Vergleich, den selbst ein Kitschsänger wie Patrick Lindner nicht schöner hätte trällern können: "Was früher in meinem Garten tot war, fängt heute wieder an zu blühen. Genauso wie mein Leben. Das kommt von der Luise." Süß. Wie ein karamellisierter Lollipop. Mit Honig beschmiert.

Und was passt noch zu Schweinchen oder Lämmchen und Blümchen? Ein Picknick mit einer Akustikgitarre. Dies übernimmt Gottfried. Er nimmt die Klampfe zur Hand und spielt seiner Martina ein paar Strophen aus "Stairway to heaven" vor: "There's a lady who's sure all that glitters is gold. And she's buying a stairway to heaven." Oder wie ich es verstanden habe: "Uh uh uh uh, auu, doouh, woouh – stairway to heaven." Jedenfalls läuft diese Szene folgendermaßen ab: Er jault, sie schmachtet. Und das frisch verliebte Paar liefert nebenbei den Beweis ab: Liebe macht nicht nur blind, sondern offenbar auch taub. Macht aber nix. Hauptsache süß ist es. Wie ein karamellisierter Lollipop mit Honig beschmiert. Und einen Häufchen Puderzucker obendrauf.

Und dann fällt auch noch das L-Wort

Den Höhepunkt der Show, den Olymp der Kitschigkeit, erklimmt aber Karlheinz. Mit einem romantischen Herumsitzen inklusive Fackeln und roten Luftballons im Grünen. Louise ist überwältigt. Die ersten Tränen fließen. "Du fühlst die Liebe nicht nur, du siehst sie. Er ist ein Traummann." Und dann – um den ganzen die Krone aufzusetzen – fällt auch noch das L-Wort. Ein Disney-Film hätte es nicht schöner präsentieren können. Karlheinz gesteht Louise seine Liebe. Und bei Louise bricht der Wasserfall aus. Donnerlottchen, sind die beiden jetzt glücklich. Die Sendung ist aus. Mir ist schlecht. Der karamellisierte, mit Honig beschmierte und mit Puderzucker bestreute Lollipop war einfach zu mächtig.