Am Sonntagabend startete "Bauer sucht Frau international". Inka Bause wird diesmal nur Landwirte aus dem Ausland vermitteln. Bei der Vorstellungsrunde zeigte sich aber schnell, dass die Sendung durch die ausgewanderten Kandidaten einen völlig neuen Charakter bekommt. Der Charme der deutschen Provinz fehlt.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

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Die Zeiten der einsamen Eifeler und der waschechten Westerwälder bei "Bauer sucht Frau" sind vorbei. Zumindest vorübergehend. Denn die neueste Staffel von "Bauer sucht Frau" wurde mit dem Zusatz "international" versehen, die Bauern-Kuppelei findet diesmal ausschließlich im Ausland statt.

Am Sonntag wurden die neuen Kandidaten vorgestellt, Moderatorin Inka Bause reiste dafür unter anderem nach Südafrika, Neuseeland, Australien oder Paraguay.

Dadurch wächst nicht nur die Spesenrechnung des Produktionsteams enorm an, auch der Charakter der Dating-Soap ändert sich entscheidend.

Zwar gab es in den letzten Staffeln des Erfolgsformats auch immer wieder internationale, deutschsprachige Bauern, beispielsweise aus Namibia oder Kanada, aber diese machten meistens nur einen Erzählstrang aus. Wie etwa der Farmer Gerald, der mit seiner Anna das Glück fand.

Das Erfolgsgeheimnis liegt in der deutschen Provinz

Doch das, was den Charme von "Bauer sucht Frau" ausmachte, fand sich in der deutschen Provinz. Landwirte mittleren Alters, die ihr ganzes Leben in alten Bauernhäusern mit ihren Eltern verbracht hatten, bekamen plötzlich zum ersten Mal Besuch von einer Frau. Oder vielleicht sogar von zwei Frauen, oder drei.

Missverständnisse, lustige Momente, Reibereien mit den potenziellen Schwiegereltern und Fremdscham waren programmiert. Trotzdem gab es oft genug Happy Ends, was die Sendung im Vergleich zum üblichen Trash-TV irgendwie sympathische machte. Nicht umsonst läuft "Bauer sucht Frau" bereits seit 2005 mit großem Erfolg bei "RTL".

Bauer Marco könnte auch beim Bachelor mitmachen

Dieser schrullige Charme geht den internationalen Bauern aber ab. Denn die Auswanderer scheinen mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen und bewirten traumhafte Höfe inmitten wunderschöner Natur. Da ist zum Beispiel Marco, der 2006 aus Overath in der Nähe von Köln in den Süden Chiles auswanderte, um auf einer riesigen Fläche nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben.

Man sieht den 34-Jährigen mit einer Crossmaschine durch eine spektakuläre Landschaft fahren, dann paddelt er in einem Kanu auf einem stahlblauen See, umrahmt von Bergen. Und geschliffen reden kann der Jungbauer auch noch. "Ich wünsche mir, dass die Menschen mehr leben, statt einfach nur zu existieren", sagt er. Das hat man bei "Bauer sucht Frau" so auch noch nicht gehört. Attraktive Kandidaten, exotische Schauplätze - das erinnert irgendwie an den Bachelor. Und tatsächlich fehlt nicht viel, man würde Marco durchaus auch den Job als Rosenverteiler zutrauen.

Den Kandidaten fehlt das Trash-Potenzial

Ganz ähnlich verhält es sich auf den anderen Höfen. Da ist etwa Daniel, 21 Jahre alt, der in Neuseeland lebt, dort angelt, jagt und als Imker Bienen züchtet. Daniel "ist so süß, wie der Honig, den er produziert", erzählt Inka Bause aus dem Off. Es ist einer der wenigen Momente am Sonntag, wo man zumindest mal schmunzeln kann.

Lustig ist es auch, als Freddy, der mit seinen Eltern in die kanadische Provinz Ontario auswanderte, erzählt, dass seine Traumfrau "so gebaut sein sollte wie ich, nur weiblich". Doch dann braust er mit seinem Schneemobil durch die Weiten Kanadas und reitet auf einem elektrischen Bullen und es ist nur schwer vorstellbar, dass der 26-Jährige das tapsige Potenzial besitzt, um ein Staffelliebling zu werden. Wirklich neugierig auf die neue Staffel machte die Vorstellungsrunde am Sonntag jedenfalls nicht.

Entpuppt sich der eine oder andere Bauer noch als Original?

Vermutlich im Herbst wird es dann so richtig mit "Bauer sucht Frau international" losgehen, wenn die interessierten Frauen zu den überall auf der Welt verstreuten Kandidaten auf die Höfe ziehen.

Dann wird sich zeigen, ob sich einer oder mehrere der vorgestellten Kandidaten doch noch als echte Originale entpuppen, oder ob Romantik und schöne Naturaufnahmen alleine die Staffel tragen können und die Bauern-Kuppelei sich tatsächlich auf den Spuren des Bachelors befindet.

In der Vergangenheit waren es jedenfalls vor allem die einsamen Eifeler und die waschechten Westerwälder, wegen denen die Zuschauer einschalteten.

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