Der Privatsender RTL kennt nur wenige Grenzen, wenn es um quotenversprechende TV-Produktionen geht. Doch mit seiner neuesten Idee für ein Reality-Format ging der Kölner Sender nun offenbar zu weit: Der Berliner Senat stoppte nun die Dreharbeiten zu "Babyboom – Willkommen im Leben". RTL und das Klinikum können die Aufregung nicht verstehen.

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) verlangte vom Krankenhauskonzern Vivantes, die Zusammenarbeit mit RTL bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 20. März zu unterbrechen. Der Aufsichtsrat von Vivantes, dem auch Vertreter des Senats angehören, soll von dem geplanten TV-Projekt nichts gewusst und erst durch die Medien erfahren haben.

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Da es sich um ein operatives Geschäft der Vivantes GmbH handelt, sei eine Abstimmung mit der Geschäftsführung aber auch gar nicht notwendig gewesen. Doch die Bedenken, dass die allgemeinen Persönlichkeitsrechte der Kinder und die Rechte der Angestellten nicht gewahrt werden könnten, hätten sich aber nach der Veröffentlichung durch die Presse gemehrt.

RTL und Klinik verstehen Bedenken nicht

Klinikbetreiber Vivantes kann die Empörung über das Reality-Format nicht verstehen. "Wir sind nach wie vor von der Seriosität des geplanten Formats einer Entbindungsdokumentation im Vivantes Klinikum im Friedrichshain überzeugt", heißt es von Seiten des Unternehmens, wie "DWDL.de" berichtet. Klinische sowie juristische Fragen seien bei der Entscheidung berücksichtigt worden. Werdende Mütter, aber auch die Mitarbeiter des Klinikums, hätten die Wahl: Wer nicht gefilmt werden möchte, wird nicht in den mit Kameras ausgestatteten Kreißsälen untergebracht oder eingesetzt.

Auch Privatsender RTL kann den Trubel um seinen neuesten TV-Coup nicht nachvollziehen und geht nicht von einer längeren Unterbrechung der Dreharbeiten aus. "Kritikern empfehlen wir bei aller Wertschätzung, sich zu informieren, bevor sie ein Urteil fällen", so eine RTL-Sprecherin zu "DWDL.de".

Baby-"Big Brother" im Ausland erfolgreich

Bereits im Frühjahr sollte "Babyboom – Willkommen im Leben" ausgestrahlt werden. Um den Alltag auf einer Entbindungsstation zu zeigen, wurden in einem separaten Bereich im Vivantes Klinikum in Berlin Friedrichshain 30 Kameras installiert. Werdende Mütter können sich für die Reality-Sendung bewerben und werden dann von den ferngesteuerten Kameras während der Geburt begleitet. Wie viel Geld die Teilnehmerinnen bekommen, behält RTL für sich.

Auf die Idee des Baby-"Big Brother" kam RTL nicht selbst: Bei "Babyboom – Willkommen im Leben" handelt es sich um eine Adaption des britischen Formats "One Born Every Minute". Bereits drei Staffeln flimmerten schon erfolgreich über die britischen Bildschirme, eine Fortsetzung ist in Planung - RTL muss aber vorerst ohne echte Geburten auf Quotenfang gehen.

(jwo/dpa)