Harald Glööckler tritt an, um mit seiner Suche nach dem "Curvy Supermodel" den weiblichen Körper und seine natürlichen Rundungen zu feiern. Doch trotz aller Lippenbekenntnisse ist auch diese Show einfach nur eine weitere Gelegenheit, ungeniert halbnackten Frauen bei Albernheiten zusehen zu können, um sie anschließend zu bewerten.

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Dass es bei den diversen Casting-Shows im TV nie um den Sieger, sondern immer nur um die Suche geht - die natürlich umso unterhaltsamer ist, je konflikt- und tränenreicher sie sich gestaltet -, hat sich eigentlich längst bis zu den TV-Zuschauern in der letzten Reihe herumgesprochen.

Nur Harald Glööckler und seine Mit-Juroren bei "Curvy Supermodel" (RTL II) wollen das nicht wahrhaben. Sie verkaufen ihre Model-Show tatsächlich als eine völlig neue Sache. Hier soll nicht nur ein Supermodel gefunden werden, sondern es wird gleich eine Revolution ausgerufen, die das Frauenbild ändern wird. Alles klar!?

Angesichts des doch ziemlich billig wirkenden Ambiente ahnt der erfahrene Zuseher natürlich, dass aus dieser Sendung nie im Leben ein echtes Supermodel hervorgehen wird. Doch was soll's: Heutzutage hat jeder die Chance, sein bisschen Bekanntheit aus Fernsehauftritten auf Instagram & Co. zu vergolden. Und die Teilnahme an einer körperbetonten Casting-Show ist da sicher nicht das uncleverste Sprungbrett.

Harald Glööckler, "Robin Hood der kräftigeren Damen"

Glööckler wettert vor Start seiner Show für mollige Models gegen Modewelt.

Wie schon das zickige Vorbild "Germany's next Topmodel" (GNTM) setzt diese Modelsuche auf vorgecastete Typen: zu klein, aber selbstbewusst. Nicht ganz so hübsch, aber vorlaut. Scheues Reh. Roher Diamant. Schauspielerin. Gut gebuchtes Model. Alle dabei.

Auch hier ziehen die zehn Auserwählten am Ende in eine Villa. Und dort ist es bekanntermaßen wichtig, zum Gaudium der Zuschauer nicht nur Model-Jobs zu ergattern, sondern vor allem für Trubel im Zusammenleben zu sorgen.

Abgesehen davon will man natürlich gaaaanz anders sein als Heidi Klum & Co. Da aber hüben wie drüben hauptsächlich Mädchen in Bikinis vor einer Jury stehen, hat sich Harald Glööckler etwas ganz Besonderes ausgedacht, um sein Alleinstellungsmerkmal herauszustellen: Er siezt die Kandidatinnen! Ernsthaft!

Da diese alle natürlich deutlich jünger sind als der Designer (51) und auch die Jury-Kollegen das kumpelhafte Du bevorzugen, wirkt das Ganze unglaublich aufgesetzt und albern. Überhaupt wird man als Zuschauer das Gefühl nicht los, dass hier wenig zusammenpasst.

Während Glööckler ständig was von "starken Frauen" und "Selbstbewusstsein" faselt, läuft vor ihm eine Fleischbeschau samt Aussieben statt, neben der sogar Klums hartes Regime sanft und mütterlich wirkt. Denn auch ab Größe 42 gilt: haste keine Taille, dann haste keine Taille. Und musst gehen. Was Harald Glööckler nicht davon abhält, weiter seine Plattitüden abzulassen. Ob es gerade passt oder nicht.

"Wie lange sind Sie schon curvy?"

Für Sophia ist schon ein Gewicht über 70 Kg ein Grund für: "Aufpassen!".

Warum er zum Beispiel ausgerechnet die 23-jährige Celine, die aussieht wie Ashley Graham - nur hübscher - und mit großem Selbstbewusstsein gesegnet ist, mehrmals fragt, wie sie es nur schaffen würde, sich nicht unterkriegen zu lassen ... als müsste sie seit frühester Kindheit mit einem Buckel und Warze auf der Nase herumlaufen, bleibt ein Rätsel.

Natürlich folgt gleich das Kontrastprogramm in Form der schüchternen Samira. Sie wurde in der Schule gehänselt und empfindet ihren ganzen Körper als eine "Baustelle". Im Bikini will sie sich partout nicht zeigen, und man muss sich fragen, wie es sie überhaupt in eine Model-Show verschlagen konnte.

Schnell wird klar: Sie ist geradezu die perfekte Statistin für weitere Parolen aus dem Munde Glööcklers. Einmal mehr kann er betonen, dass "curvy Frauen schön sind", nur dumme Leute würden das Gegenteil behaupten, und nur deswegen wären ja alle hier.

Keine Überraschungen in Größe 42

Genau! Aber weil auch "curvy" durch die Modeindustrie definiert wird, werden noch ganz schnell alle Mädchen mit zu viel Cellulite aussortiert, damit man mit den zehn - jetzt ziemlich einheitlichen - Finalistinnen in die nächste Folge starten kann.

In der Vorschau wird jeder noch ein Label verpasst, wie man es schon von GNTM kennt ("Zu schüchtern!", "Zu sexy!", "Zu selbstbewusst!") - und dann ist die große Revolution in Sachen Weiblichkeit erstmal vorbei.

In der nächsten Folge (Mittwoch, 20.15 Uhr, RTL II) geht es übrigens ans große Umstyling. Ein Pflichttermin für jeden, der schon immer wissen wollte, ob curvy Mädels genauso wegen ein paar Haarsträhnen ausflippen wie die GNTM-Grazien.

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