Im neuen "SAT1"-Zweiteiler "Mütter machen Porno" wollen fünf Frauen einen "Ich hab dich lieb"-Porno drehen, um ihrem Nachwuchs ein wahrhaftes Bild von Sexualität zu vermitteln. Im Zuge ihrer Recherchen treffen die "Mädels" auf eine "Abgefuckte Familie", einen poppenden Mann in Windeln sowie auf Don John, die selbsternannte Nummer-1 im deutschen Pornobusiness.

Eine Kritik
von Bodo Klarsfeld

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Tippt man den Begriff "Porno" in die Google-Suchmaske, landet man bei mehr als einer Milliarde Treffern und unzähligen expliziten Seiten. Jugendschutzsperren? Eher nein. Und weil Kids bar jeder sexuellen Erfahrung bei diesem frei zugänglichen und freizügigen Material theoretisch meinen könnten, all dies bilde die Realität ab, traten fünf zusammengecastete Frauen für den Sender "SAT1" und dessen Format "Mütter machen Porno" auf den Plan.

Sie wollen mit einem selbst produzierten Porno ein realistisches Bild von Sex und Erotik liefern und dabei gänzlich auf Klischees, Gewalt und (vermeintliche) Schweinereien verzichten. Quasi einen "Ich hab dich lieb"-Porno drehen. Natürlich werden die Mütter nicht selbst spielen, sondern "nur" das Drehbuch schreiben und Regie führen.

Ehemann: "Wenn der Porno so gut wird wie dein Kuchen…"

"Egal, wie provokant das klingt, dass wir als Mütter einen Porno drehen wollen – aber wir wollen aufklären", meinte etwa die 49-Jährige Mirjam, Praxismanagerin und Mutter von vier Kindern. Alle fünf "Mädels", die sich konsequent selbst so nennen, alterierten sich zu Beginn darüber, wie leicht Kinder heutzutage an Pornos rankommen.

Auch in Mirjams Familie wurde bei Kaffee und Kuchen darüber diskutiert. "Wenn der Porno so gut wird wie dein Kuchen, müssen wir uns keine Sorgen machen", kürzte der offenbar entspannte Gemahl die Diskussion mit einem lauwarmen Witzchen ab.

Jasmine, eine 36-jährige Erzieherin und Mutter von zwei Kindern, war da weniger relaxed. Mit Pornos habe sie sich bis dato so gut wie gar nicht auseinandergesetzt, erzählte sie. Nun musste sie sich bei Filmchen wie "Freund fickt sein Girl in den großen Arsch" und "Abgefuckte Familie" ins kalte Wasser springen. Was man nicht alles tut, um ins Fernsehen zu kommen.

Mütter recherchieren auf Pornoseiten

Glasklar: Es ist immer klug und opportun, das mitunter erschreckende Frauenbild in Pornos zu hinterfragen und gegen Gewalt im Genre aufzutreten. Auch die fünf Mädels bekommen in der ersten Episode der zweiteiligen Doku echt harten Stoff zu sehen. "Wenn mein Sohn so eine Frau behandelte, würde ich ihm richtig einen Einlauf geben", meinte Mirjam. Auch Karina, 44 Jahre, Ex-Playmate und Art Director, war von den Bildern wenig angetan: "Wir müssen uns zusammentun und einen ordentlichen Film produzieren", motivierte sie die anderen. "Ja, was Ästhetisches, Aufklärendes und Schönes", fügte die medizinische Fachangestellte Britta (44) noch hinzu.

Erotikmesse: Windel-Mann mit Entenkopf kopuliert mit Asiatin

Um ein Gefühl für ihr Vorhaben zu bekommen und auch das näher kennenzulernen, was sie bei der eigenen Produktion tunlichst vermeiden wollen, besuchten die Mütter die Erotikmesse "Venus" sowie einen Bondage-Workshop. Dass auf der "Venus" ein Mann in Windeln und mit Entenkopf eine Asiatin "beglückte", verwirrte Karina. "Das hab ich überhaupt nicht verstanden", kommentierte sie danach das illustre Treiben.

Auch die 49-jährige Friseurmeisterin Bianca, die Fünfte im Bunde, schien auf der "Venus" ein wenig aufgerieben. "Wenn ich mit meinem Mann Liebe mache, möchte ich nicht so vermummt sein", äußerte sie, nachdem ihr zwei Latex-Models ins Auge gesprungen waren. "Selbst mein Priester ist aufgeschlossener und offener als diese Mütter", hieß es indes auf Twitter.

"Mütter machen Porno": Jasmine ergreift beim Bondage-Workshop die Flucht

Ebenso erheiternd für den Zuseher gestaltete sich der von einer Domina veranstaltete Bondage-Workshop. "Für mich ist das wirklich eine Grenzerfahrung. Ich würde hier niemals freiwillig eine Minute verbringen wollen", so die von Start weg entsetzte Jasmine.

"Mich fasziniert am meisten an diesem Spiel mit Dominanz und Submission eigentlich das Vertrauen", verriet hingegen die kluge und eloquente Sexworkerin, die nach dem theoretischen Teil zur Praxis überging. Die skeptische, aber durchaus aufgeschlossene Britta ließ sich von der Domina fesseln. Jasmine, die zuvor schon rasch ein Urteil bei der Hand hatte, war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Wolke.

Porno-Darsteller: "Ich bin sicher die Nummer-1"

Am Ende der ersten Episode durften – oder mussten – die glorreichen Fünf einem Pornodreh beiwohnen. Zuvor lernten sie aber noch zwei der Darsteller kennen, etwa Don John.

"In Deutschland gibt es vielleicht fünf oder zehn Männer, die den Job machen – ich bin sicher die Nummer-1", so der eher selbstbewusste Darsteller. Und wenn jemand privat ein guter Ficker ist, dann sei er vor der Kamera noch lange kein guter Darsteller, ließ Don John die Zuseher noch wissen.

Schlussapplaus für die Nummer-1

Die Live-Performance gab’s für die "Mädels" dann im Hinterzimmer eines Berliner-Cafés. "Hab mir so ein Set ganz anders vorgestellt – nicht so klein, nicht so schmuddelig", bemerkte Bianca. Jasmine fühlte sich wieder einmal so gar nicht wohl. "Es fällt mir schwer, da zuzukucken, weil ich ständig denke, ich störe", so die 36-Jährige, die während des Drehs dann auch noch so tat, als müsste sie sich übergeben.

Von den Dialogen und den schauspielerischen Qualitäten waren die "Mädels" allesamt nicht angetan. Dafür erntete Don John dann von den Müttern erstmals Sympathiepunkte sowie ein bisschen Mitleid, da die selbsternannte Nummer-1 nicht und nicht zum Orgasmus kam. "Es ist wegen des großen Drucks", so die etwas missverständliche Begründung des Produzenten.

Als Don John am Ende doch noch Steherqualität bewies und den Gipfel stürmte, gab’s Applaus von den Damen, was den Erlösten natürlich glücklich machte. Wer bekommt daheim schon Applaus?

Sinn oder Unsinn? Ein Porno gegen das Pornogeschäft

Die fünf "Mädels" wussten jedenfalls nach dem Dreh, wie ihr eigener Porno nicht aussehen darf. "Deswegen war das eine wichtige Erfahrung heute", so Karina. Eher keine wichtige Erfahrung für die Zuseher war diese erste Folge des Formats "Mütter machen Porno". Das Denken in Schubladen und Abwerten von (legalen) sexuellen Praktiken ist wenig zeitgemäß und bringt niemanden einen Schritt weiter.

Und wer es notwendig hat, einen Pornofilm zu drehen, um für den Nachwuchs die Realität widerzuspiegeln, hat möglichweise bei dessen Erziehung etwas versäumt. Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass das Gros der Kids und Jugendlichen ohnehin überzuckert, dass Pornos mit Authentizität und Realismus wenig gemein haben. Der zweite Teil von "Mütter machen Porno" folgt am 29. Juli um 20:15 Uhr.

Umfrage zeigt: Wer viele Pornos schaut, hat häufiger Erektionsstörungen

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