Alle atmen erleichtert auf: Das Dschungelcamp 2015 ist vorbei. Neu ist in diesem Jahr, dass neben den Kritikern auch die Fans der Show froh sind, dass das Kakerlakenfuttern ein Ende hat. Das lag vor allem an den Kandidaten, die einfach nicht so wollten, wie es sich der Sender erhofft hatte. Aber auch an dem Team von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", das darauf keine Antwort fand.

Es ist vollbracht. Maren Gilzer ist die neue Dschungelkönigin. Sie reiht sich damit ein in eine Dynastie von großen … nun ja, von was eigentlich? Stars, die schon lange keine mehr waren, als ihre skrupellosen Manager sie an dieses Format verhökerten? Casting-Reste, die hofften, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern? Langweiler, die sich den Hintern für eine fünfstellige Gage platt sitzen? Von allem ein bisschen. Normalerweise. Doch in dieser Staffel war alles ein wenig anders.

Für das Dschungelcamp war 2015 das Jahr der Zäsur. Wenig Streit, wenig Ekel, wenig Action. Es war aber auch das Jahr, in dem die "seriösen" Medien flächendeckend berichteten. Ob "Spiegel", "Süddeutsche", FAZ oder "Die Welt" - jeder erzählte die einzelnen Folgen auf seinen Internetseiten täglich nach und lamentierte ununterbrochen darüber, wie öde das alles sei. So lange, bis auch die Moderatoren jammerten, wie langweilig die Insassen in diesem Jahr seien.

Das nervenzerfetzende (haha, Spaß!) Finale zum Nachlesen.

Die Zuschauer waren von Walter überfordert

Das ist für ein Format wie "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" der Gnadenstoß. Dass "Promi Big Brother" regelmäßig daran scheitert, ein unterhaltsames Format zu produzieren - geschenkt, daran ist man gewohnt. Sat.1 hat offenbar weder die richtigen Moderatoren noch fähige Redakteure. Aber jetzt auch noch das Dschungelcamp? Die einzige Show mit C-Promi-Beteiligung im deutschen Fernsehen, die es bislang verstand zu unterhalten? Trotz ausgeklügelter Castings und den besten Gagschreibern der Branche? Gerade die scheitern an ihren "Stars"? Genau da lag das Problem.

Man stelle sich nur mal vor, was dieses Team mit dem Cast der letzten Ausgabe von "Promi Big Brother" hätte anfangen können: Ronald Schill, Claudia Effenberg, der schmierige "Bachelor" Paul Janke und Pornosternchen Mia Magma, um nur einige zu nennen! Stattdessen bekamen die Zuschauer im Dschungel eine ausrangierte Buchstabenfee, einen Langweiler aus GZSZ, dem das Ganze offenbar noch Spaß machte, einen schweigsamen Macho und ein paar plappernde Brüste. Für so etwas wie eine Dramaturgie sorgte einzig Walter "Gisela, Sie sind dabei!" Freiwald. Er heulte, erklärte sich zum Bundespräsidenten, wimmerte über seine zahlreichen Krankheiten und beschimpfte auch noch die anderen Teilnehmer. Alles klassische Eigenschaften von Dschungelcampern. Was Freiwald dabei wohl übersah: Der Zuschauer ist schlicht überfordert, wenn er all die gewohnten Charaktere aus der Show in einer einzigen Person vereint sieht.

Die Promis wollten einfach nicht funktionieren

So sah sich das Team der ungewohnten Situation ausgesetzt, dass ihre Zusammenstellung von C-Promis einfach nicht funktionierte. Und sie offensichtlich keine Antwort darauf hatten. Die ständigen Sticheleien von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich den Kandidaten gegenüber waren zwar halbwegs unterhaltsam, konnten diese aber auch nicht aus ihrer stoischen Ruhe reißen.

Im Finale versuchten die Macher der Show noch einmal den mangelnden Witz durch Sadismus zu kompensieren. Maren Gilzer versank in einer Grube unter 40 Schlangen, bis sie wimmerte. Tanja Tischewitsch tanzte aus Verzweiflung, während sie lebenden Spinnen und Madensülze in sich hineinschaufelte. Und Jörn Schlönvoigt stöhnte nur noch, während sein Kopf minutenlang in einem Helm mit tausenden Kakerlaken steckte. Dass selbst so diesen Kandidaten nicht beizukommen ist, zeigte der GZSZ-Darsteller, als er sich direkt danach für die "total krasse Woche" bedankte.

Sonja Zietlow und Daniel Hartwich hatten zu diesem Zeitpunkt wohl längst aufgegeben. Als sie Maren die Krone überreichten, erklärten sie ihr, dass die Finalisten total "angenehme Menschen" seien und man sich freuen würde, sie mal wieder zu sehen. Alles Qualitäten, die die Teilnehmer dieser Show sonst nicht hätten. Das ist schön für die Moderatoren, aber wenig unterhaltsam für den Zuschauer. Für das nächste Jahr kann man sich nur wünschen, das Team von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" sich auf alte Qualitäten besinnt. Oder wie es Hartwich ausdrückt: "Wir machen erst unsere Hausaufgaben und dann unseren Job."

Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" gibt es im Special bei RTL.de.