Als erste Dschungelcamp-Kandidatin überhaupt nimmt Evelyn Burdecki 100.000 Euro Preisgeld mit nach Hause - und das völlig verdient. Dschungelkönig der Herzen ist aber ein anderer. Der Sportlerfluch hält auch in der 13. Staffel des RTL-Formats an.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

Die 13. Staffel des Dschungelcamps ist Geschichte, Evelyn Burdecki ist die Dschungelkönigin 2019!

Nach etwas mehr als zwei Wochen im australischen Dschungel fand am Samstagabend das große Finale mit Evelyn Burdecki, Peter Orloff und Felix van Deventer statt. Einige vermeintliche Favoriten hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon längst verabschiedet.

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Wir haben die Geschehnisse der letzten zwei Wochen in sieben Thesen zusammengefasst.

1. Evelyn Burdecki ist verdiente Dschungelkönigin!

Quasi von Beginn an galt Evelyn Burdecki als heiße Anwärterin auf die Dschungelkrone. Dass an dem menschgewordenen Blondinenwitz in diesem Jahr aber tatsächlich kein Weg vorbeiführen würde, war nach der Dschungelprüfung in der Finalsendung sonnenklar.

Finale ist entschieden: Die Zuschauer haben ihre Dschungelkönigin gewählt.

Auf beeindruckende Art und Weise verputzte die 30-Jährige ein wirklich abstoßendes Fünf-Gänge-Menü und begeisterte ganz nebenbei noch mit Sprüchen, wie sie eben nur Evelyn Burdecki machen kann.

Zunächst gab es Buschschweine-Lunge ("Das war wie Kaugummi, ich konnte es nicht durch meine Lungenlöcher durchschieben"), dann erbrach sie in einem mächtigen Schwall Lammhirn und setzte sich später in ihr Erbrochenes ("Das esse die gleich wieder auf").

Schließlich biss sie sogar einem lebenden Skorpion den Kopf ab und aß Kamelpenis ("Davor hatte ich am meisten Angst. Penisse sind gar nicht so mein Ding"). Den Abschluss bildete ein Cocktail aus pürierten Kakerlaken mit Kuhurin und Mehlwürmern, den Burdecki runterschüttete als wäre es eine Pina Colada.

Als erste Kandidatin überhaupt gewann Burdecki ein Preisgeld von 100.000 Euro. Ob ihre - nennen wir es mal - Einfältigkeit ("Wer ist Crocodile Ghandi? Ist das ein Märchen?"), nun eine Masche ist oder nicht, ist letztlich auch egal. Um Dschungelkönig zu werden, braucht man keinen IQ von 130. Ganz im Gegenteil, man muss sympathisch und unterhaltsam sein. Das haben Vorgänger wie Jenny Frankhauser, Marc Terenzi, Menderes Bagci, Melanie Müller, Joey Heindle oder Ross Anthony auch bewiesen.

2. Peter Orloff ist der Dschungelkönig der Herzen

Peter Orloff wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Er erinnert an die Zeit, als im Fernsehen noch heile Welt war, Dieter Thomas Heck die "Hitparade" moderierte und Hans Rosenthal "Dalli Dalli". Der Schlagersänger war stets höflich, zuvorkommend und verstand sich mit allen gut, mit seinen 74 Jahren wirkt der Camp-Senior außergewöhnlich fit.

Nach einer etwas verschlafenen ersten Woche zeigte Orloff mit vollem Einsatz und ohne zu murren, dass man auch im Trash-TV des Jahres 2019 noch mit scheinbar altmodischen Werten überzeugen kann. Der dritte Platz ist absolut verdient, auch den Sieg hätte man ihm gegönnt. Orloff ist der Dschungelkönig der Herzen.

3. Es sollten mehr GZSZ-Stars in den Dschungel gehen

Evelyn Burdecki berichtete am Samstagabend stolz von ihrer Ekelprüfung, Felix van Deventer zeigte sich betont gelangweilt. "Das ist doch nicht schlimm", sagte der GZSZ-Star mehrfach und gähnte dann demonstrativ. Auch von Peter Orloffs Schilderungen zeigte sich der 22-Jährige gewollt unbeeindruckt.

Als er seinen Bruder Timo kurz treffen durfte, fragte er nach seiner Freundin, mindestens genauso interessierte ihn aber die Entwicklung seines Instagram-Accounts. Sympathisch geht anders, Überheblichkeit kommt eigentlich nicht gut an. Die neutralen Zuschauer konnte Felix sicher nicht auf seine Seite ziehen, aber seine treue GZSZ-Fanbase verschaffte ihm Dschungel-Silber. Vielleicht sollten mehr "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"-Schauspieler in den Dschungel gehen. Die Voraussetzungen scheinen nicht die schlechtesten sein.

4. Dschungelkönige werden in der zweiten Woche gemacht

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Hinten kackt die Ente. Weisheiten, die alle das Gleiche besagen. Nämlich, dass Sieger am Ende gekürt werden. Und nicht am Anfang. Im Dschungelcamp 2019 war Chris Töpperwien das beste Beispiel dafür. In der ersten Woche bot der Currywurst-König beste Unterhaltung, er galt als Favorit. Im Streit mit Bastian Yotta hatte er meist das letzte Wort, die Zuschauer lachten sich ins Fäustchen.

Im Verlauf der zweiten Woche erwies sich der 44-Jährige aber mehr und mehr als Choleriker, dessen scharfer Ton und Rumgemeckere seine Mitcamper und die Zuschauer gleichermaßen nervte. Der Streit zwischen Töpperwien und Yotta verlor schnell an Spannung. War zu Beginn noch über mögliche Handgreiflichkeiten spekuliert worden, wurde mehr und mehr nur noch hinter dem Rücken des jeweils anderen gelästert. Als Töpperwien und Yotta gehen mussten, tat das weder den Campern noch den Zuschauern sonderlich leid. Dass Peter Orloff die beiden im Dschungel überdauern würde, hätte nach der ersten Woche wohl kaum jemand geglaubt. Doch der Schlagersänger drehte hintenraus auf. Und bekanntlich hat der Fuchs ja hinten seine Eier.

Für Bastian Yotta geht es nach Tag 15 im Dschungelcamp nicht mehr weiter. Er wurde kurz vor dem Finale herausgewählt - polarisiert aber selbst nach seinem Auszug noch. Diesmal muss sein eigener Vater dran glauben.

5. Die Dschungelzicke gewinnt nicht...

Gisele Oppermann war die Hauptdarstellerin der ersten Tage im Dschungelcamp. Die Ex-Topmodel-Kandidatin weinte, zickte, lehnte Dschungelprüfungen ab. Und dann machte die 31-Jährige sich auch noch über Alphamännchen Bastian Yotta lustig, als dieser ohne Sterne aus der Dschungelprüfung kam.

Giseles Verhalten wurde von den Zuschauern mit einem Dschungelprüfungs-Abo belohnt. An neun Tagen in Folge musste Gisele ran. Damit brach sie sogar den Rekord von Larissa Marolt, die acht Mal in Serie auf Sternejagd geschickt wurde.

Mit der Vergabe der Dschungelkrone hatte Oppermann aber nichts zu tun. Genauso wie 2014 Marolt. Oder Georgina Fleur. Oder Sarah Knappik. Die Rolle der Dschungelzicke bringt Schlagzeilen. Sie bringt Aufmerksamkeit. Einen Titel bringt sie aber nicht.

6. ...die Sportlerinnen und Sportler aber auch nicht

Während es nicht wirklich überraschend ist, dass launige Models und IT-Girls im Dschungel nicht sonderlich erfolgreich sind, ist es absolut bemerkenswert, dass noch nie ein Sportler gewinnen konnte. Und wer hat es nicht schon alles versucht: Ansgar Brinkmann, Jimmy Hartwig, Eike Immel, Ailton und Thomas Häßler, um nur einige zu nennen. Platz drei für Schwimm-Weltmeister Thomas Rupprath 2011 und ebenfalls Bronze für Kult-Fußballer Thorsten Legat 2016 waren bisher die besten Ergebnisse.

In diesem Jahr probierte sich Bob-Weltmeisterin Sandra Kiriasis und scheiterte ebenfalls. Nach einer recht unauffälligen ersten Woche legte die 44-Jährige im Schlussspurt mächtig zu und sorgte mit ihrer Story über ihre Fehlgeburt und ungewollte Kinderlosigkeit für reichlich Tränen. Trotzdem verpasste sie knapp das Finale. Der Sportlerfluch hält an.

7. Thorsten Legat hat das Zeug zum dauerhaften Dschungel-Sidekick

Die Motivationsrede des Ex-Fußballers und Dschungelcampers für Gisele war einer der emotionalen Höhepunkte der diesjährigen Staffel. "Du bist ein Charakter, du bist ein Fels in der Brandung. Zeig es endlich!", brüllte Legat das zögerliche Ex-Model an. "Kasalla verfolgt dich!", keifte er hinterher. Und es zeigte Wirkung, Gisele holte tatsächlich sieben Sterne. Da konnte Bastian Yotta mit seinem seltsamen Morgenritual glatt einpacken.

In der letzten Folge bekam der 50-Jährige von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich sogar noch einen Dschungelorden verliehen. Und das völlig zu Recht. Legats Auftritte, beispielsweise als DJ mit daumendicker Goldkette, waren immer unterhaltsam. Mit seiner durchgeknallten Art passt der Ex-Kicker perfekt zum Format. RTL sollte überlegen, ihn für das nächste Jahr erneut als Sidekick zum Moderatoren-Duo zu verpflichten.

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Teaserbild: © TVNOW / Stefan Menne