• Nein, das war nichts: Mit der "großen Dschungelshow" wollte RTL die coronabedingte Absage von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" kompensieren.
  • Doch statt Trash-TV gab es zwei Wochen lang Langeweile – und am Freitgabend ein ebenso langweiliges Finale.
  • Das gewann Filip Pavlović und wird nun im nächsten Dschungelcamp auf den Sohn eines ehemaligen Dschungelkönigs treffen.
Christian Vock.
Eine Kritik
von Christian Vock

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Da sitzen sie also. An einem nasskalten Januarabend in einem Studio in Hürth und stopfen sich Kalbshirn, frittierte Grillen und Kuhaugen in ihre Münder. Sie würgen, stöhnen, zucken und spucken.

Es reichen die Geräusche, um zu wissen, dass Filip Pavlović und Djamila Rowe wenig Freude an ihrem Abschiedsmahl haben und den Zuschauern dürfte es ähnlich ergangen sein.

Am Ende brechen beide Finalisten ihre letzte Ekelprüfung ab und werben im Anschluss lieber nur noch verbal bei den Zuschauern um Stimmabgabe. Um kurz nach Mitternacht scheinen dann selbst die Moderatoren Daniel Hartwig und Sonja Zietlow genug von der eigenen Show zu haben.

Corona-Lückenfüller - aber keine IBES-Deutschlandversion

Sie sparen sich die sonst nicht enden wollende Verzögerung bei der Siegerbekanntgabe und erklären Filip Pavlović auf 1 – 2 – 3 zum Gewinner. Damit endet "Die große Dschungelshow" so, wie es sich in den Folgen zuvor schon abzeichnete: ziemlich öde.

"Die große Dschungelshow" - das war zwei Wochen lang vor allem viel Gerede. Immerhin kann man RTL nicht den Vorwurf der Lüge machen. Es wurde keine Deutschland-Version von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" versprochen, sondern nur ein Corona-Lückenfüller. "Die große Dschungelshow" sollte nicht die 15. Jubiläumsstaffel sein, sondern diese nur ersetzen.

"Die große Dschungelshow": Trash-TV ist irgendwie anders

Was RTL aber vorher nicht verraten hat, war, dass "Die große Dschungelshow" Trash-TV ohne Trash werden sollte. Dschungelcamp-Junkies sehen "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" vor allem aus zwei Gründen: Sie wollen die Stars und die, die sich dafür halten, erstens bei den Prüfungen leiden und zweitens sich gegenseitig zerfleischen sehen.

In beiden Fällen war "Die große Dschungelshow" der sprichwörtlich Schlag ins Wasser. Das lag vor allem daran, dass man die zwölf Kandidaten nicht zur gleichen Zeit und alle zusammen in ein Camp gesteckt hatte, sondern erst in Dreier- und dann in Vierergruppen gegeneinander antreten ließ.

Die ständigen Reibereien und Eskalationen, wenn sich eine ganze Horde C-Promis gegenseitig auf die Nerven geht, fanden damit so gut wie gar nicht statt. Oder wie Frank Fussbroich den Alltag im Tiny House schilderte: "Du sitzt da auf dem Bett. Dann setzt du dich auf den Hocker. Dann setzt du dich auf den anderen Hocker."

Routine und zahme Promis - fertig ist der Trash-Stimmungskiller

Dass "Die Dschungelshow" nicht funktionierte, hatte aber auch noch andere Gründe. So ist es 2021 nun wirklich nicht mehr zu erklären, warum man Wildtiere zur Fernsehunterhaltung in ein Fernsehstudio stecken muss.

Aber selbst wenn man dafür einen Grund finden würde: Nach 14 Staffeln Dschungelcamp hat man nun schon wirklich alles gesehen. Für die Kandidaten mag das Tauchen mit Wasserschlangen oder das Maden-Kauen eine Herausforderung sein – für den Zuschauer ist es zur Routine geworden.

Routine und zahme Promis – das alleine reicht eigentlich schon als Trash-Stimmungskiller und da war es dann nicht unbedingt hilfreich, dass RTL die tägliche Show immer wieder mit Rückblenden und dem Plaudern mit ehemaligen Teilnehmern aufgeschüttet hat.

Wenn beispielsweise Désirée Nick oder Olivia Jones in ihren Dschungelerinnerungen schwelgten, dann hatte das weniger was von Trash-Unterhaltung, als vielmehr etwas von "Opa erzählt vom Krieg"-Momenten.

Dschungelcamp 2022: Noch ein neuer Teilnehmer steht fest

Und auch im Finale am Freitagabend wurde es nicht wesentlich unterhaltsamer, weil es auch hier keinen spannenden Wettkampf gab. Die vier Finalisten Filip Pavlović, Lars Tönsfeuerborn, Mike Heiter und Djamila Row mussten alle denselben Unterwasserparcours absolvieren und dabei zwischen Kröten und Krebsen Sterne sammeln. Am Ende landeten Pavlović und Rowe beim finalen "Ess-Spiel" - der Ausgang ist bekannt.

Immerhin eine Überraschung hatte RTL am Freitagabend noch zu bieten. Am Donnerstag wurde ja bereits verkündet, dass Lucas Cordalis in die Fußstapfen seines Vaters Costa treten wird. Der hatte 2004 als Erster die Dschungelkrone geholt und in der 15. Staffel, die im Januar 2022 laufen soll, wird nun also Sohnemann Lucas ins Dschungelcamp einziehen.

Mit Rowe und Cordalis stehen also schon zwei Teilnehmer der nächsten Ausgabe fest und einen dritten sollte RTL am Freitagabend aus dem Hut zaubern. Es ist: Harald Glööckler. Der Modedesigner war im Studio zu Gast und erzählte, wie es zu seiner Zusage kam. RTL habe jedes Jahr bei ihm angefragt und sich immer wieder eine Absage geholt.

Auch für die nächste Staffel habe RTL wieder angefragt, diesmal saß Glööckler aber coronabedingt mehr oder weniger beschäftigungslos herum und dachte sich deshalb: "Harald Glööckler, irgendwie brauchst du mal PR." Finanziell gehe es ihm zwar gut, aber "Ich brauche PR, damit es finanziell nicht schlecht wird", erzählt der exaltierte Modeunternehmer.

Trash-TV-Fans können also erst einmal guter Hoffnung sein, dass die nächste Ausgabe des Dschungelcamps die Flaute der "großen Dschungelshow" im kommenden Jahr wieder wettmacht.