Stell dir vor, du singst in der DSDS-Live-Show, aber irgendwie interessiert es niemanden so richtig. Weil die Corona-Krise auch RTL nicht verschont und der Rauswurf von Xavier Naidoo über allem schwebt. Deshalb geriet es fast zur Nebensache, wer ausschied.

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Es hätte eine tolle Show werden können. Wenn nicht nur die engsten Familienmitglieder und Freunde - insgesamt höchstens 100 - der Kandidaten im Studio gewesen wären. Obwohl die abgingen wie sonst die 2.000 Zuschauer und Dieter Bohlen meinte, dass es "eine tolle gemeinsame Party!" gewesen sei - es fehlte halt was.

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Auch am Jury-Pult: Denn Oana Nechiti, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen saßen als Trio da. Der Mann mit der ewigen Sonnenbrille ist ja raus. Sein Name wurde nicht genannt. Es war wie bei Harry Potter: Der ultimative Bösewicht, "der, dessen Namen nicht genannt werden darf" war allgegenwärtig.

Wirklich anwesend waren indes sieben Kandidaten (Ricardo Rodrigues, Paulina Wagner, Marcio Conrado, Chiara D'Amico, Joshua Tappe, Lydia Kelovitz, Ramon Kaselowsky), die sich das Herz aus dem Leib sangen. Aber irgendwie konnte es nicht ihr strahlender Abend werden: Mit den leersten Händen stand am Ende Ricardo Rodrigues (21) da. Der erhielt nur 2,7 Prozent der Zuschauerstimmen und schied aus. Es hätte auch andere treffen können.

Langes Warten auf ein Statement

Der Abend hatte mit einem Comeback begonnen: Alexander Klaws, der 2003 als "Alexander, der Große von DSDS" und Sieger der ersten Staffel in die Annalen einging, gab sein Debüt als Moderator. Und er agierte wie die Kandidaten: freundlich, bemüht - und nervös. Immerhin, am Ende gab's ein Lob von Bohlen: "Schnuckelhase, du hast das gut gemacht!"

Nicht mehr Teil der DSDS-Jury: Xavier Naidoo - beziehungsweise "der, dessen Name nicht genannt wurde".

Das hätte man sich vom Chefjuroren auch gewünscht. Ein paar klare Worte zu Anfang bezüglich des Skandals um Xavier Naidoo, und die Sache wäre erledigt gewesen. Aber Bohlen vertagte seine Meinungsäußerung, wie er es schon unter der Woche getan hat und baute unnötig Spannung auf. "Bedenkzeit"? In einer Live-Show? Na gut. Immerhin, so Bohlen: "Es geht hier um die Kandidaten, nicht um die Jury."

Dieter Bohlen: "Es geht um Unterhaltung, nicht um Hass und Hetze!"

Knapp zweieinhalb Stunden, sieben Kandidatenauftritte und fast ebenso viele Werbepausen später stieg der Titan vom Berg und sprach zum DSDS-Volk: "Bei DSDS geht es um Unterhaltung und nicht um Hass oder Hetze. Deshalb steht die ganze Jury und mein ganzes Team hinter der Entscheidung von RTL und von UFA." Und das war's. Oder auch nicht. Bei Facebook hatte die Äußerung ein Nachspiel. "Mit einem einzigen Statement seine Glaubwürdigkeit verspielt. Schade, Herr Bohlen", schrieb ein User und spiegelte damit den Tenor der Mehrheit der Kommentare wider.

Aber irgendwie passte das alles zusammen. Also nicht. Es kann auch keiner wirklich was dafür. Die gerade mal 100 Fans gaben alles und bescherten Bohlen sogar einen frühen Gänsehaut-Moment: "Ihr seid alle aufgestanden und habt gefeiert, nicht nur die Fans des Kandidaten. So sollten wir das immer machen. Zusammenhalten, gerade auch bei den Problemen, die wir gerade in Deutschland haben."

DSDS-Jury nächste Woche wieder zu viert

Am Ende passte auch das Ende nicht. Die Entscheidung, die früher gerne mal nervend ewig dauerte, fiel diesmal gespenstisch kurz und radikal aus: Kurzer Blick auf die anonyme Prozente-Grafik (wo ein 51,2-Prozent für Erstaunen sorgte: Wer war der haushoch Führende?) und die spröde Verkündung: "Raus ist Ricardo!" Und Tschüss, aus, Sendungsschluss. Eigentlich irritierte nur noch mehr, dass sich Ricardo als einziger auf der Bühne zu freuen schien.

Der diffuse Moment der DSDS-Entscheidung: Die Grafik zeigt Prozente, der schmalste Balken gehörte Ricardo, der ausschied.

Wie dem auch sei: The Show will go on. Mit nur noch sechs Kandidaten. Ohne Publikum. Aber mit wieder vollbesetztem Jury-Pult. Denn Bohlen kündigte an: "Nächste Woche kommt wieder ein vierter Juror hinzu!" Man darf gespannt sein. (tsch)

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Von Homophobie bis Rassismus: Die Skandal-Akte von Xavier Naidoo

Xavier Naidoo steht aktuell heftig in der Kritik. Auslöser ist ein Twitter-Video, in dem der Sänger über angebliche Gefahren durch Migranten singt. Der jüngste Skandal war nicht Naidoos erster Fehltritt. Schon in den vergangenen Jahren sorgte der Musiker mit seinen politischen Äußerungen immer wieder für Furore.