"Wenn Sie Tom Cruise lieben, sehen sie eine geniale Darbietung von ihm; und falls sie ihn hassen: er stirbt so um die 200 Mal." Schöner als Regisseur Doug Liman bei einer ersten Pressevorführung von "Edge of Tomorrow" kann man gar nicht Werbung für seinen Film - und den Hauptdarsteller - machen.

Denn natürlich steht und fällt "Edge of Tomorrow" mit ihm: Tom Cruise. Scientologe, irrer Sofa-Hopser und strahlender Jacketkronen-Träger. Ihn zu hassen, ist wirklich nicht schwer. Denn dass heutzutage im Show-Business nicht nur die Arbeit bewertet, sondern auch das Privatleben vermarktetet wird, ist eine Sache. Dass jemand dabei jedoch so konsequent negative Schlagzeilen produziert und sich als Unsymphath generiert, ist schon fast eine Höchstleistung. Darüber könnte man glatt vergessen, dass Tom Cruise einfach einer der großartigsten Schauspieler unserer Zeit ist.

"X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" mutiert zum besten Teil der Reihe.

Eine, die ihm in Sachen mieses Image in nichts nachsteht, ist übrigens Schauspielkollegin Angelina Jolie; derzeit mit "Maleficent" in den Kinos. Auch bei ihr kann man ob der klatschmedialen Omnipräsenz glatt vergessen, dass sie eine wunderbare Schauspielerin ist. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden: Regisseur von Jolies erfolgreichem Film "Mr. & Mrs. Smith" - bei dem sie übrigens in Gestalt von Brad Pitt auch ihr privates Glück fand, um auch mal etwas Herzerwärmendes zu schreiben - war auch Doug Liman. Oh, wie klein ist Hollywood.

Doch zurück zu Tom Cruise. Der sieht mit seinen knapp über 50 Jahren einfach immer noch blendend aus. Das liegt zweifelsohne auch an seiner hervorragenden körperlichen Verfassung - größtenteils ist das jedoch seinem jungenhaft-charmanten Grinsen geschuldet. Die Rolle des aalglatten William Cage, der sich wenig fürs Kämpfen, dafür umso mehr für seine Karriere interessiert, ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Doch Cruise schafft es mit links, Cages Wandlung vom Feigling zum Retter der Welt glaubhaft darzustellen.

Auch die Chemie mit seiner Partnerin stimmt. Emily Blunt gibt die Elite-Soldatin Rita Vrataski und ist ein Highlight des Films. Blunt, die Zarte und Intellektuelle, die man eher in einer Jane-Austen-Verfilmung erwartet, macht sich gut als Amazone, die dem Schnösel William Cage das Kämpfen beibringt. Schon im Vorfeld war bekannt, dass auf die in Science-Fiction-Baller-Filmen oft arg störende Romanze verzichtet wird. Nach 110 Minuten denkt man nur: Oh, wie schade!

Die Handlung des Films ist übrigens schnell erzählt: Die Erde - ein Schlachtfeld. Schwarmartige Aliens, die Mimics, haben schon Europa dem Erdboden gleichgemacht und sind durch nichts zu stoppen. Der unsympathische Armee-Karrierist Cage wird degradiert und findet sich plötzlich inmitten der einfachen Soldaten am Vorabend der großen Offensive. Während des Kampfes stirbt er - nicht ohne vorher tölpelhaft rückwärtsstolpernd das Super-Alien zu erschießen und seine Superkraft, die Zeit zu formen, zu übernehmen. Prompt wacht er am nächsten Tag wieder auf - doch wie er schnell merkt, ist es gar nicht der nächste, sondern wieder der gleiche. Bill Murray lässt grüßen. Mit Hilfe der "Full Metal Bitch" Rita wird er selbst zum Kämpfer und rettet die Welt.

Natürlich ist die ganze Sache unendlich unterhaltsam, mitreißend, erstaunlich schlüssig und keine Sekunde langweilig. Gespannt darf man auch sein, ob "Edge of Tomorrow" sich an den Kinokassen gegen "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" und "Maleficent" behaupten wird. Wer weiß, vielleicht lassen ja nicht nur die Tom-Cruise-Fans die Kassen klingeln, sondern diesmal auch die Hasser?!