Das war's also. Mit dem gestrigen Finale verabschiedet sich "Sing meinen Song" für dieses Jahr. Xavier Naidoo verabschiedet sich gleich mit, denn er legt sein Amt als Moderator der Show nieder. Zum Abschluss gab's die obligatorische Duett-Folge – und eine Premiere.

Ob man die Show nun mag oder nicht: "Sing meinen Song" ist etwas Besonders im deutschen Fernsehen. Eine Musiksendung, bei der ausnahmsweise mal keine neuen Casting-Stars gesucht werden. Bei der es einfach um Musik geht. Von gestandenen Musikern, mit echten Instrumenten und ganz offensichtlich einer Menge Lust der Künstler, in die Fußstapfen der anderen zu treten, sich inspirieren zu lassen und Neues zu kreieren.

Und so lassen die Teilnehmer beim Staffelfinale gestern Abend dann auch ihren Gefühlen freien Lauf: "Geht da hin!", rät Wolfgang Niedecken allen Musiker-Kollegen. Und mit den Worten "Dass wir alle so etwas Cooles erleben durften - da muss man neidisch drauf sein", erklärt Samy Deluxe dieses inspirierende Gemeinschaftsgefühl, das die Künstler offenbar bei "Sing meinen Song" erleben. Ausgerechnet Samy Deluxe muss man sagen, hatte der Hamburger Rapper doch die größten Bedenken und musste von Nena zur Teilnahme überhaupt erst überredet werden.

"Sing meinen Song": nicht alles Gold, aber es glänzt

Filmemacher verteidigt Doku und wird von Til Schweiger unterstützt.

Die Sorgen des Rappers sind natürlich nicht ganz unbegründet. Zum einen, weil es bei Musikformaten oft genug weniger um Musik geht als um das ganze Gedöns drumherum. Zum anderen, weil auch bei "Sing mein Song" nicht alles Gold ist, was glänzt. Was man da in inzwischen drei Staffeln gehört hat, war oft grandios, manchmal gut, bisweilen aber auch nur eine Teilnehmerurkunde wert.

Wenn dann der Gastgeber der Show, Xavier Naidoo, trotzdem alles und jeden mit nicht enden wollender Lobhudelei überzieht und nach jedem Auftritt gerade geschriebene Fernsehgeschichte gesehen haben will, dann war da manchmal einfach ein Esslöffel zu viel Pathos im Spiel. Aber wenn dann mal wirklich Großes passierte, dann konnte man die Naidoo'schen Lobesarien auch gut und gerne mal einfach überhören.

Große Momente bei "Sing meinen Song"

Große Momente gab es auch in dieser Staffel. Etwa als Nena sich bei Samy Deluxes "Fantasie" die Lunge aus dem Leib rappt. Oder als der Schweizer Soul-Sänger Seven bei seiner Neuinterpretation von "99 Luftballons" im positivsten Sinn vergessen macht, dass man diesen Riesenhit schon tausendmal gehört hat. Oder als Samy Deluxe unter Naidoos "Alles kann besser werden" nicht nur einen eigenen Beat, sondern auch eine eigene Botschaft packt und sich über seine neue Wortschöpfung "Bobtimismus" wie ein Schuljunge freut. Oder, oder, oder.

Nun galt es gestern Abend also, einen würdigen Abschluss zu finden. Bei "Sing meinen Song" bedeutet das: Duette. "Oh yeah!" werden alle sagen, die bei Pop-Duetten an Sonny & Cher denken oder an Kylie Minogue und Nick Cave. "Oh je!" werden hingegen alle sagen, denen bei Duett Zlatko und Jürgen oder Mark Medlock & Mehrzad Marashi in den Kopf schießen, denn ja, auch die gelten nach humanitärem Völkerrecht noch als Duette.

Um es vorwegzunehmen: Die ganz großen Momente gab es gestern nicht – die ganz schlimmen aber auch nicht. Samy Deluxe brummt zu Louisans Glockenstimme "Stell dir vor, dass unten oben ist", Nena und Wolfgang Niedecken, die Dinos im Teilnehmerfeld, singen gestern Abend tatsächlich das erste Mal zusammen und Xavier Naidoo und Seven zeigen mit "Go Slow", dass beide herausragende Sänger sind.

Premiere bei "Sing meinen Song"

Das war alles ganz hübsch anzuhören, richtig spannend wurde es aber vor allem dann, wenn zum Beispiel Nena ein wenig Deutsch-Pop-Geschichtsunterricht gab und von ihrem anfangs etwas frostigen Verhältnis zu Herbert Grönemeyer erzählte. Wesentlich lustiger als diese Beziehung war da die "spontane" Jam-Einlage der versammelten Musiker-Schar auf der Couch. Samy Deluxe holte die Loop-Machine heraus, Naidoo machte die Beatbox und nach und nach stimmte jeder Künstler in den Mix mit ein. Das klang am Ende nicht schön, aber die gute Laune der Musiker sprang über.

Und an dieser Stelle schließt sich der Kreis, denn am letzten Tag entsprang den Köpfen der acht Musiker auch noch ein gemeinsam geschriebener Song. "Kommst du mit nach Afrika" entstand aus einer spontanen Jam-Session und feierte gestern Abend natürlich seine Premiere. Damit ging nicht nur ein Wunsch Naidoos in Erfüllung, der sich so etwas schon länger von dieser Sendung gewünscht hatte, sondern es zeigt eben genau jenen Kern der Sendung, der den Künstlern so viel Freude macht. Nämlich, dass man, auch wenn man aus ganz verschiedenen (musikalischen) Ecken kommt, doch mit Respekt zusammenfinden kann. Dieser Teelöffel zu viel Pathos sei zum Abschluss erlaubt.