Sarah Knappik, Mario Basler oder Ross Antony: Die Besetzung der aktuellen Staffel der Sat.1-Show "Fort Boyard" blieb bislang unter ihren Trash-TV-Möglichkeiten. Mit Oliver Pocher und Evil Jared legte man in der jüngsten Folge in puncto Personal nun ein bisschen nach. Dem Spaß für den Zuschauer war das allerdings nur minimal zuträglich.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

"Das ist echt ein bisschen too much gewesen“, erzählt Jessica Paszka sichtlich mitgenommen. Die ehemalige "Bachelorette“ ist gerade eben in einem Käfigauto zwischen zwei Tigern hin und her gefahren, um Wasser in einen Bottich zu transportieren.

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Im Nachgang betrachtet mag Jessica Paszka das alles in der Tat ein bisschen "too much“ erscheinen – zumindest aus einem ganz persönlichen Blickwinkel. Für den Zuschauer hingegen war "Fort Boyard“ bislang allerdings alles andere als "too much“, ganz im Gegenteil.

Das was man bislang bei "Fort Boyard“ gesehen hat, war ein aufgewärmtes TV-Format mit durchgehuschten Spielchen, oft nur knapp oberhalb der Unterhaltungsschwelle. Nicht unerheblichen Beitrag daran hatte auch die Personalplanung: Sarah Lombardi, David Odonkor oder Julius Brink mögen nette Menschen sein, TV-Unterhalter sind sie nicht.

Das Ergebnis sah dann bislang so aus, dass beispielsweise Nina Moghaddam mit dem Kopf unter Wasser aktuelle Radio-Hits erkennen musste. Ein anderes Mal musste Mario Basler Nägel in ein Holzbrett klopfen. Wirklich.

Herr Killing und der Lord

In Folge drei nun hat man, wenn schon nicht die Spiele, so doch wenigstens beim Personal aufgerüstet und das offenbar ganz nach dem Motto "Ex und hopp“. Zur bereits erwähnten Ex-Bachelorette Jessica Paszka gesellte sich am Mittwochabend Ex-Turner Fabian Hambüchen, Ex-Bloodhoundgang-Bassist Jared Hasselhoff, Ex-Hot-Banditoz-Sängerin Fernanda Brandão und zum Thema Ex hat Oliver Pocher auch so Einiges zu erzählen.

So eine Besetzung verspricht zumindest eine kleine Prise Hirnfrei-Fernsehen, auch wenn der wieder einmal übermotivierte Moderator Matthias Killing gleich am Anfang die Trash-TV-Luft rauslässt. "Angsteinflößende Abenteuer, spektakuläre Herausforderungen und beinharte Prüfungen. Dieses Fort ist uneinnehmbar, aber fünf Prominente werden genau das heute versuchen. Hier, auf dem einzigartigen Fort Boyard!“, ruft Matthias Killing eine Spur zu ernst gemeint.

Für alle Zuschauer, die bei der dusseligen Geschichte um den Lord von Fort Boyard mit dem gleichen Enthusiasmus wie Killing dabei sind: Besagter Lord, eine Art schlecht geschminkter Gandalf-Ersatz, hat auf der Atlantikinsel einen Schatz versteckt. Seitdem wartet dieser Schatz darauf von mehr oder weniger prominenten Menschen mittels allerlei Geschicklichkeitsspielchen gehoben zu werden.

In den spektakulären Momenten der jüngsten Folge rast dann zum Beispiel Fernanda Brandão auf einem Surfbrett an einem Seil von den Fort-Mauer oder Fabian Hambüchen wird an Bungee-Seilen von der Festung Richtung Meer katapultiert. 1983 wäre das mit Sicherheit ein Knaller gewesen.

In den unspektakulären Momenten spielen die Promis Spielchen, die Ketchup-Fabrik, Kaffee Olé oder Stempel heißen und genauso spannend sind, wie sie klingen. Der einzige Pluspunkt dabei: Sie sind bereits nach wenigen Sekunden vorbei.

27.480 Euro für den guten Zweck

Und was ist mit der Trash-Unterhaltung? Schließlich ist mit "Evil" Jared Hasselhoff diesmal jemand dabei, der sich in der Regel für keine Geschmacklosigkeiten zu schade ist. Aber von dem "Halli Galli“-Maskottchen ist bei "Fort Boyard“ noch nicht einmal eine kleine Unhöflichkeit zu sehen.

Außer ein paar gelegentlichen Altherrenzoten kommt auch von Oliver Pocher erstaunlich wenig. "Kann die Fernanda oder die Jessica auch mal ein Spiel verkacken und zu mir in die Zelle kommen“, kalauert Pocher aus einem Straf-Käfig, nachdem er ein Spiel vergeigt hatte.

Nur am Schluss, nachdem die Kandidaten die Goldmünzen eingesammelt hatten, blitzte ein wenig von der Pocherschen Schlagfertigkeit auf: "Der Moment, als die Münzen gegriffen wurden – das hat mich sehr an meine Scheidung erinnert.“

Und so ist es an Jessica Paszka dem bisschen Trash-TV Rechnung zu tragen: "Ich hab' keine Angst, ein Tiger ist auf meinem Kopf“, ist Paszkas Anteil am üblichen Absurd-Sprech, nachdem sie dem Tiger-Käfig entkommen ist. Der Arche dürfte das egal sein. Das Kinder- und Jugendwerk darf sich am Ende über die knapp 28.000 erspielten Euro freuen – immerhin ein Rekordgewinn der bisherigen Staffel.

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