(lug/cze) - Nach ihrem Ausscheiden bei "Deutschland sucht den Superstar" klagt Vanessa Krasniqi über die Kriterien, nach denen die Casting-Kandidaten weiterkommen. Bei ihren Forderungen nach Frauenquote und Jury-Mitbestimmungsrecht übersieht sie allerdings, dass es bei der Sendung längst nicht mehr darum geht, einen "Superstar" hervorzubringen.

Die Anzahl der echten Stars, die in Deutschland durch Casting-Shows hervorgebracht wurden, ist äußerst überschaubar. Allenfalls Bohlen-Schützling Mark Medlock konnte mehr als einen Hit in den Charts platzieren, und auch Stefan Raabs vielversprechende Entdeckung Lena Meyer-Landrut muss zeigen, wie es nach dem ESC-Hype weitergeht.

So gut wie immer stehen die Sieger nur wenige Monate im Rampenlicht und geraten dann in Vergessenheit. Dabei erscheint es nebensächlich, ob auf Gesangstalent und Ausstrahlung wie bei "Unser Star für Baku" oder "The Voice" gesetzt wird, oder eher der Sozialvoyeurismus im Vordergrund steht, wie es bei DSDS seit jeher der Fall ist.

Dass die Sendungen kein nachhaltiges Sprungbrett ins Showgeschäft darstellen, geben inzwischen sogar deren Macher unumwunden zu. So bekannte RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger im "Spiegel": "Vielleicht verlangt man da auch zu viel von jeder einzelnen Staffel so einer Show, die ja zuallererst Fernsehunterhaltung ist."

Es geht also in erster Linie um die Inszenierung und nicht darum, wer die beste Stimme hat. Genau das scheint die ausgeschiedene DSDS-Kandidatin Vanessa Krasniqi nicht wahrhaben zu wollen. Anstatt des gesanglich eher limitierten Joey Heindle, der mit Details aus seiner schweren Kindheit für Schlagzeilen sorgte, musste Krasniqi nach einer stimmstarken Performance am letzten Samstag die Koffer packen.

Gegenüber "bild.de" gibt sie sich enttäuscht: "Ich fordere, dass die Zuschauer nicht mehr alleine entscheiden, welcher Kandidat rausfliegt. Die Jury soll mehr mitbestimmen dürfen. Das sind doch schließlich die Musikexperten." Weiter weist sie darauf hin, dass es für Frauen generell unmöglich sei, Deutschlands neuer "Superstar" zu werden: "DSDS braucht unbedingt eine Frauenquote, anders geht es nicht mehr." Die Begründung für das Problem legt Krasniqi gleich nach: "Klar, weil die kleinen Mädels zu Hause immer nur für die Jungs anrufen."

Dieter Bohlen findet derartige Vorschläge absurd und wettert in gewohnter Manier via "bild.de": "Eine Frauenquote bei DSDS ist pillepalle. Nie im Leben machen wir die." Weiter legt er nach: "Dass es die Mädchen schwer haben, stimmt, aber sie sind zum Teil auch ganz schön langweilig." Damit sagt er, wenn auch etwas undiplomatischer, im Grunde genau dasselbe wie RTL-Unterhaltungschef Sänger.

So gut Vanessas Ideen auch gemeint sein mögen, so blauäugig, weil nie durchsetzbar, sind sie letztlich auch. Dabei hat sie das Kernproblem klar erkannt: "Wäre ich ein Junge, hätte ich eine schwere Kindheit gehabt oder sonst irgendwas: vorbestraft, streitlustig, zickig – dann wäre ich weitergekommen, dann hätten die Zuschauer für mich angerufen ..." Es geht nun einmal mehr um Show als um Substanz.

Dumm nur, dass die genannten Attribute genau das sind, wonach RTL eben in Wirklichkeit sucht. Anhand der sinkenden Quoten lässt sich allerdings erkennen, dass die in jeder Staffel wiederkehrenden Zickereien, Familiendramen und Skandälchen inzwischen immer weniger Zuschauer hinter dem Ofen hervorlocken. Und dass am Ende einmal tatsächlich ein "Superstar" herauskommt, daran glaubt schon lange niemand mehr.