Hier mal ein Stück Gurke, da mal eine Rosine, so nascht die Laufsteg-Elite. Dachten wir. Heidi Klum aber sagt Ja zum Genuss. Die kalorienreiche Message: Models sind auch nur Menschen. Doch diese Rechnung geht nicht ganz auf.

Es gab schon Döner, Wurstsemmeln und Sahnekuchen vom Büfett. Heidi Klum hat in den letzten Folgen von "Germany’s next Topmodel" gefuttert, worauf sie gerade Lust hatte. Auch heute schiebt sie sich demonstrativ ein Stück Salami in den Mund, träumt in den Drehpausen von Big Macs (unterm Markennamen) und teilt sich mit ihrer Gastjurorin Alessandra Ambrosio eine Tafel Schokolade.

Alessandra Ambrosio, Heidi Klum und Thomas Hayo: Gastjurorin Alessandra Ambrosio (ganz links) vertritt diesmal Wolfgang Joop.

Lass es dir schmecken, denkt der Zuschauer da. Aber auch: Ernährt die sich immer so? Möglich ist das, besonders glaubwürdig scheint es nicht. Models sind schlank, das gehört – von strategisch platzierten Ausnahmen abgesehen – zum Berufsbild. Junk Food ist da nicht drin, mit einiger Sicherheit auch nicht für eine Heidi Klum. Aber Medienprofi Heidi weiß: Pedantisches Kalorienzählen ist alles andere als sympathisch, und Models, die an Selleriestangen knabbern, machen dem Zuschauer ein schlechtes Gewissen.

Deshalb isst die Klum demonstrativ. Und wenn sie gerade nicht isst, erlaubt sie es ihren Kandidatinnen. Die verstecken nach einem Ausflug in den Supermarkt panisch ihre Cornflakes und Kekse im Garten der Modelvilla. Schließlich ist ja "Body Week", und ein Fitnesstrainer sitzt ihnen im Nacken. Die Mühe, Süßigkeiten mit Laub zu bedecken, hätte sich der Modelnachwuchs dennoch sparen können. "Ihr dürft das ja essen", sagt Heidi Klum. Was sie eigentlich meint: "Lasst es gefälligst trotzdem."

So gesund, so lecker, so scheinheilig

In den letzten Staffeln hat die Chefjurorin schon mal Kekse einkassiert, das kam beim Publikum nicht besonders gut an. Beim Casting der aktuellen Staffel schickte Heidi zwei Mädchen nach Hause, die beängstigend mager aussahen. Im Zuge der neuen Liebenswürdigkeit mimt die 40-Jährige die verständnisvolle Modelmama, die Schwächen zeigen kann und immer eine gesunde Alternative in petto hat. Es gibt Hähnchen-Burger mit Salat, und alle dürfen einmal in die Kamera sagen, wie gut das schmeckt, obwohl es doch gar nicht vor Mayonnaise tropft.

Wir lernen: Was zählt, ist die Balance. Und wer schlemmt, muss auch Sport machen. Das mag ja absolut richtig sein, aber bei GNTM gehört es zum guten Ton, dass Models ausnahmslos gesunde, fitte und gutgelaunte Menschen sind, die den Dreh einfach raus haben. Wenn es denn mal so wäre. Aminata ist beim Testtraining für ein Fitnessmagazin schon mit den Gleichgewichtsübungen überfordert. Und die Mehrzahl ihrer Mitstreiterinnen kommt schneller aus der Puste, als Thomas Hayo mit dem Kopf schütteln kann.

Irgendwie passt hier vieles nicht zusammen. Alle haben "super Bodys" (Heidi Klum), bei denen sich nicht ein Pölsterchen abzeichnet, aber kaum eines der Nachwuchsmodels ist fit oder ernährt sich gesund. Sind es die Gene? Oder der rege Stoffwechsel der blutjungen Mädchen? Oder gilt es, Essstörungen zu befürchten? Solche bösen Themen kommen aber bei Heidi nicht vor. Noch nicht.

Ach ja, gehen musste auch noch ein Mädchen: Emma bekam in dieser Woche kein Foto von Heidi.  © Glutamat