Windmaschine an, Klamotten aus: In Folge elf von "Germany's next Topmodel" soll der Modelnachwuchs zeigen, wie sexy er sein kann. Aber dabei bloß nicht billig wirken, mahnt Heidi Klum – um direkt im Anschluss einen Wet-T-Shirt-Contest zu veranstalten.

Sexappeal, erotische Ausstrahlung, Attraktivität. Es gibt viele Worte dafür, aber keine feste Definition. Alles ist Geschmackssache. Was der eine heiß findet, törnt den anderen komplett ab. Heidi Klums Vorstellung von Verführung hat vor allem mit gepushten Brüsten und lasziven Blicken zu tun, kurz: mit Klischees. Um die letzten neun Kandidatinnen (Nummer zehn, Karlin, hängt noch immer ohne Visa in Berlin fest) auf die "Sexy Edition" einzustimmen, kippt die 40 Jahre alte Model-Mama erst einmal tütenweise Reizwäsche in der Modelvilla aus.

Es gibt Strumpfhalter, durchsichtige Negligés, viel zu kleine Büstenhalter, das volle Programm. Das Wichtigste aber sei auch bei "Germany's next Topmodel" nicht die äußere Hülle aus roter Spitze, sondern die innere Haltung, referiert Klum vor der Kamera. "Models sollten selbstbewusst und sexy, aber niemals billig wirken." Gar nicht so leicht, in Strapsen und auf Kommando. Die 17-jährige Anna, die noch Zahnspange trägt und lieber "süß sexy" sein möchte, kann den Schalter auf Vamp jedenfalls nicht umlegen. "Du fühlst es grad nicht", murmelt Wolfgang Joop vor sich hin. "Geht so", antwortet die Schülerin.

Laszives Räkeln ist Neuland für die Mädchen, die alle fast kaum älter als 16 Jahre sind. Beim Shooting der Woche, das nichts anderes als ein Wet-T-Shirt-Contest mit Kamerabegleitung ist, fällt das besonders auf. Die Rahmenbedingungen – es ist mitten in der Nacht, entsprechend kühl, ein Hydrant verspritzt kaltes Wasser – tun ihr Übriges. Da heizen auch Klums Regie-Anweisungen nicht sonderlich ein. "Sexy, sexy, sexy, sexy, sexy", schreit sie ihren Schützlingen entgegen. Kein Wunder, dass das Ergebnis in den meisten Fällen eher an begossene Pudel denn nass glänzende Schönheiten erinnert.

Eine soll, die andere will gehen

Ganz um den Status der Moderatorin als Model-Idol und Fashion-Ikone scheint sich die zweite Runde im Wettbewerb zu drehen: Die Kandidatinnen spielen eine "Victoria's Secret"-Laufstegshow nach. Bei der Unterwäschemarke hatte Heidi Klum von 1997 bis 2009 mit wallender Mähne und Engelsflügeln für Furore gesorgt. Dem sollen die Mädchen nun nacheifern. Und wieder ist es Anna, die Kritik einstecken muss. Als sie irgendwann in Tränen ausbricht, erklärt die Jury-Chefin, sie solle es sich nicht zu Herzen nehmen, denn: "Es hat mit euch persönlich nichts zu tun." Die Logik dahinter erschließt sich nicht, auch nicht für Anna. Die 17-Jährige tritt freiwillig die Heimreise an.

Gehen muss außerdem Samantha, das Mädchen mit den hüftlangen roten Haaren. Bei ihr erscheine der sexy Walk wie eine reine Pflichtübung, mäkelt die Jury. Doch kaum am Ende des Laufstegs angekommen, verwandele sich die 16-Jährige wieder zurück in ein kleines Mädchen, das sich nervös an den Fingern herumfummelt. Dass auch Schüchternheit ihren Charme haben kann, ist an Klum offenbar vorbeigegangen.   © Glutamat