Es kann nur eine geben: "Germany's next Topmodel", der Gefrierbrand im Kopf aller Eltern, die sich eine solide Ausbildung für ihre Kinder wünschen oder überhaupt eine Ausbildung, ist wieder da. Und so lief die Auftaktfolge im Überblick.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Das ist sie also wieder, die Heidi Klum. Und die selbsternannte Herbergsmutter aller angehenden Models geht gleich in die Vollen.

In Staffel 14 gibt es die shootigsten Shootings, die walkigsten Walks und vor allem die diverseste Diversity.

Natürlich. Wer die Auftaktfolge verpasst hat, absichtlich oder nicht, und trotzdem mitreden will: Hier ist Folge eins im Überblick.

GNTM 2019 - Das ist der neue Vorspann:

Jede Folge beginnt wie in den Jahren zuvor: mit Heidi Klum. Damit es gar nicht erst Missverständnisse gibt, wer hier die Hauptperson ist, sieht man die Klum mit Lockenkopf, Lederjacke, Abendkleid, Glitzeranzug, Lack-Kombi, Fransen-Outfit und Mini-Kleid lachen, tanzen und posen.

Das ist neu:

Offensichtlich alles. "Ich erwarte in dieser Staffel von meinen Models noch mehr", gibt Klum die Stoßrichtung vor, ehe sie in Komparativen schwelgt: "Es wird größer, spannender, emotionaler als je zuvor!"

Da die Klum das aber über fast jede Staffel gesagt hat, muss die aktuelle Staffel nach 14 Jahren ständiger Steigerung nun langsam der absolute Höhepunkt der Fernsehunterhaltung sein.

Eine überprüfbare Neuerung gibt es aber tatsächlich, wie Heidi Klum selbst erklärt: "Diese Staffel wird eine ganz besondere für mich. Es ist die erste, in der ich alleine auf große Topmodel-Reise gehe und keine feste Jury an meiner Seite habe. Ich hole mir in jeder Woche Unterstützung von den besten Models, Designern, Fotografen und natürlich auch Coaches."

Nun also Gast-Juroren und die sind, die Spatzen haben es von ihren Instagram-Accounts gepfiffen, zum Beispiel Wolfgang Joop, Gisele Bündchen oder auch Thomas Gottschalk. In Folge eins, die ProSieben-Familie vergisst keinen, darf Lena Gercke, erste GNTM-Siegerin, ihre Nachfolgerinnen bewerten.

Auf der amfAR-Gala wurde die "GNTM"-Chefin mit zwei Mädchen abgelichtet.

So lief die Auswahl:

Auch bei der Auswahl hat man sich für etwas Neues entschieden. Diesmal gab es keine Castings, stattdessen hat die Klum Bewerbungsvideos und -fotos gesichtet und die 50 Mädchen, die am besten in ihr Show-Konzept passen, zu einem Dinner nach Berlin eingeladen.

Welches eines der Kriterien dabei war, verrät die Chefin persönlich: "Ich habe bei der Auswahl extrem darauf geachtet, dass ein Model nicht nur schön sein muss, sondern auch Personality mitbringen sollte."

Dass Heidi Klum Personality sogar nur durch Bewerbungsvideos und -fotos erkennen kann, gehört wohl zu ihrer geheimen Superkraft.

Im Geheimen bleiben auch die Kriterien, nach denen die Klum aussortiert. In Folge eins sind das immerhin 20 Kandidatinnen, aber warum jemand rausfliegt, bleibt wie immer etwas nebulös.

"Jennifer bringt im Vergleich zu den anderen leider weniger Modelpotenzial", erklärt Heidi Klum einmal über eine Ausgeschiedene, ohne zu verraten, was genau "Modelpotenzial" bei ihr bedeutet.

Der verrückteste Walk:

"Germany's next Topmodel" hat sich in der Vergangenheit einen Namen mit unnötig schwierigen Walks und Shootings gemacht: auf dem Hochhaus, unter Wasser, mit Tieren, an der Hauswand oder in der Luft – man scheute bisher keine Mühen, um die Kandidatinnen ohne Not in Verlegenheit zu bringen.

Diesmal hielt man sich in puncto verrückte Walks ein bisschen zurück. Den spektakulärsten Laufsteg hat man in eine alte U-Bahn-Unterführung platziert.

Warum? "Es wurden hier Filme wie 'Tribute von Panem' und auch 'Captain America' gedreht", erklärt Heidi als sei das eine Begründung für irgendwas.

Der dusseligste Satz der Folge:

Puh, das ist schwierig. Bei "Germany's next Topmodel" fallen ja in der Regel ständig Sätze, die selbst im Kontext keinen wirklichen Sinn ergeben.

Auch in Folge eins war der Tisch wieder reich gedeckt. "Jeder Moment ist der einzige Moment. Es gibt keine Wiederholung", gab Heidi Klum beispielsweise eine Lebensweisheit der banaleren Sorte preis.

Alles andere als banal, sondern vielmehr peinlich klang hingegen diese Weisheit: "Diversity, also Vielfalt im Typ und auch im Aussehen, ist mir natürlich extrem wichtig, denn Vielfalt ist momentan das Thema in der Fashionwelt", erklärt Heidi, warum zum Beispiel auch Transgender wie Tatjana dabei sind.

Weil es derzeit "Thema in der Fashionwelt ist". Natürlich nicht, weil Vielfalt selbstverständlich und wichtig ist, sondern weil es "momentan Thema in der Fashionwelt ist".

Die Meeedchen:

Bislang sind die Kandidatinnen mehr oder weniger noch eine einzige Masse, was bei nunmehr 30 Mädchen nicht verwundert.

Trotzdem hat sich die Produktionsfirma schon ein paar Kandidatinnen herausgesucht und ihnen bestimmte Schubladen zugewiesen: die arrogante Russin, die lustige Schwedin, die freundliche Inderin, die Rothaarige, die Erfahrene, die Bisexuelle, die Schicksalsgebeutelte, die Exaltierte und so weiter.

Die Favoritin:

Die Favoritin? Völlig wurscht. Wie immer.

Zugegeben, der Titel ist irreführend, aber wer es nach dreizehn Staffeln GNTM immer noch nicht kapiert hat: Hier geht es nicht darum, jedes Jahr ein neues Topmodel zu finden – als hätten Topmodels ein Verfallsdatum von nur einem Jahr. Hier geht es um eine Fernsehshow. Und um Heidi Klum.

Sollten Sie dennoch eine Tippgemeinschaft im Büro gebildet haben, nehmen Sie einfach die beliebtesten Vornamen der Jahrgänge 1998 bis 2001. Dann sind Sie zumindest statistisch auf der sicheren Seite.

So war Folge eins:

Kommt darauf an, was man erwartet hat. Wenn man "Germany's next Topmodel" anguckt, weil man das Ganze tatsächlich ernst nimmt, wird man Spaß gehabt haben.

Wenn man das alles nicht ernst nimmt, erst recht.