Familienzusammenführung bei "Germany's Next Topmodel": Anu trifft nach 15 Jahren ihren Vater wieder. Was der in der Zwischenzeit getrieben hat, erfahren wir aber nicht. Dafür, warum GNTM noch schlechter gescripted ist als "Newtopia".

Willkommen bei der neuesten Ausgabe von "Bitte melde dich!". Im Fokus: Anu, angehendes Model, und Terry, ihr lange vermisster Vater. Verträumt starrt er auf ein Bild der 17-Jährigen. Versichert, dass er "so stolz" auf sie ist. Dazu klimpert Schnulzenmusik aus der Resterampe von Hollywood. Die beiden stolpern aufeinander zu. Sechs weitere Mädchen verfolgen das Geschehen auf einem Bildschirm, die zitternden Hände vor schluchzenden Mündern. Selbst Wolle Joop drückt sich ein Tränchen aus der starren Visage. Der Vater, er nimmt es seltsam gefasst. Die Tochter, sie reiht sich in die Zitterhandtruppe ein. Umarmung, heulen, Schluss. Heidi Klum stakst die Stufen hinab, bedankt sich kühl und schiebt den Vater hinaus. Das hier ist schließlich nicht "Bitte melde dich!" sondern "Germany's Next Topmodel", hier gibt es Emotionen nur auf Knopfdruck.

Also geht es am nächsten Morgen in einen Kinosaal. "Eine wichtige Lektion im Modelleben" erwartet die Nachwuchshungerhaken, Stichwort "Social Media". Das soll heute nämlich enorm wichtig sein, weiß Heidi. Kim Kardashian und so. Dementsprechend müssen sich die Mädchen die peinlichsten Momente aus ihren sozialen Netzwerken ansehen. Eine posiert mit Penislolli im Mund, die nächste im angesoffenen Partyrausch. "Ich mach das nicht um euch bloßzustellen", sagt Heidi Klum. Nein, natürlich nicht. Sie macht das, um sie richtig bloßzustellen.

Diese verrückten sozialen Medien

Damit sich das in Zukunft ändert, müssen die minderjährigen Damen Bilder für ihre Facebook-Seiten schießen. Ist das nicht Kinderarbeit? Gehen ProSieben die Praktikanten aus? Gibt es dafür nicht eine Fachkraft, in der Branche auch als "Twitter-Tussie" bekannt? Nun ja, egal. Die Kandidatinnen bewerten ihre Bilder anschließend selbst. Und weil es wichtig ist, dass man sich mit den sozialen Medien auskennt, wie Heidi nicht müde wird zu erwähnen, tun sie dies mit Pappschildern, auf denen "Like" steht. Auf Schildern. Aus Pappe. Verdammt, was werden die sich nach dieser Challenge mit diesem verrückten Internet auskennen!

Aber wenn es mit den sozialen Medien nichts werden sollte, können die Mädchen immer noch in einer Waschstraße anfangen. Beziehungsweise in einem 20-minütigen Werbespot für Opel, der es irgendwie in die Sendung geschafft hat. Der folgt nämlich als nächstes. In ihm geht es einzig und allein darum, die Kamera auf Minderjährige zu halten, während sie sich umziehen. Da wir von Opel allerdings keinen Corsa voller Geld bekommen haben, überspringen wir diese nebenbei auch ziemlich öde Episode und gehen direkt zur nächsten spannenden "Challenge" über, wie es in dieser Welt der unnötigen Anglizismen heißt.

Alle Mädchen bekommen eine Glatze. Nein, leider nicht in echt, sondern diese Gummimützen, wie man sie aus "Austin Powers" kennt. Sie sollen Schaufensterpuppen darstellen. Damit die Bondagefans nicht zum "50 Shades Of Grey"-Marathon wechseln, wickelt ProSieben die Mädchen ein, hängt sie kopfüber an einen Kran und richtet einen Feuerwehrschlauch auf sie. Chapeau! GNTM hat es endlich geschafft einen neuen Fetisch zu erfinden: "Minderjährige Bondage-Hungerhaken, die auf den Asphalt starren".

"Man kann ja auch mal was Normales machen!"

Doch das Beste haben wir uns natürlich bis zum Schluss aufgehoben: die Zickereien. Davon gibt es in dieser Folge reichlich. Und damit es nicht langweilig wird, gerät diesmal die stets munter selbst austeilende Darya ins Visier. Heidi Klum ist sich nicht zu schade, die angespannte Situation beständig anzuheizen: "Darya ist nicht stark genug, hol mal Kiki." "Vanessa schaut geil, Darya, mach' das auch mal." Dazu gibt es psychologische Kriegsführung: Nehmt sie immer als letzte dran. Redet schön herablassend mit ihr. Sagt ihr, dass sie stets motzig aussieht. Und als letztes: Lasst vor ihren Augen die einzige Freundin, die sie hat, die Challenge gewinnen. Pfui, wie fies!

Das Ergebnis: Das Model geht so lange zum Shooting, bis es bricht. Und heult. Ziel erreicht, Darya am Boden zerstört. Aber mal ehrlich, liebe ProSieben-Redaktion: Wir wissen doch, dass diese ganze Sendung gefaked ist. Also gebt euch doch zumindest ein bisschen Mühe, dass man es nicht sofort merkt! Dann kann man ja gleich "Newtopia" schauen! Doch zumindest Darya hat etwas aus dieser Folge gelernt: "Ich habe keine Lust mehr auf diese Shootings. Man kann ja auch mal was normales machen!" Natürlich Darya, kann man. Nur will das im Fernsehen keiner sehen.