Wie bei jeder Preisverleihung stellt sich auch bei den Golden Globes 2017 die Frage, was der ganze Trubel eigentlich bringt, wem er etwas bringt und wieso mich das interessieren sollte. Ein Kommentar zu Sinn und Unsinn der Veranstaltung.

Die Golden Globes 2017 sind vergeben und wie fast jedes Jahr sehen sich die Experten ratlos an, was sie aus dieser Veranstaltung gelernt haben. Gibt es jetzt einen klaren Oscar-Favoriten? Wurden die richtigen Künstler für ihre Leistungen geehrt? War die Show sehenswert? Oder ist das alles nur verschwendete Zeit und Liebesmüh?

Ein klarer Oscar-Favorit? Fehlanzeige

Dann gehen wir es mal an und setzen die Show in einen vernünftigen Kontext. Einen klaren Oscar-Favoriten gibt es nicht. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass die Golden Globes ein sehr unzuverlässiger Indikator dafür sind, wen die Oscar-Jury für preiswürdig erachtet.

Die Jurys sind dafür einfach zu unterschiedlich. Während die Golden Globes von der Auslandspresse in Hollywood vergeben werden, also von Film-Journalisten aus der ganzen Welt, besteht die Oscar-Jury aus Filmschaffenden, die selbst schon einmal für einen Oscar nominiert waren oder auf andere Art als herausragende Mitglieder ihrer Zunft aufgefallen sind.

Es gibt keine gemeinsame Schnittmenge bei den Jury-Mitgliedern - anders als zum Beispiel beim "Screen Actors Guild Award", dem Preis der Schauspielergewerkschaft Hollywoods. In der Vergangenheit gewannen Filme wie "Avatar", "Boyhood", "The Descendants", "The Social Network" oder "Babel" Hauptpreise bei den Golden Globes - gingen bei den Oscars dann aber leer aus.

"La La Land" und "Moonlight" dürfen sich für ihre Siege jetzt gebührend feiern lassen - wer tatsächlich Oscar-Favorit ist, wird sich aber erst nach den nächsten Vorentscheiden zeigen.

Haben die Richtigen gewonnen?

Damit sind wir auch schon bei der Frage, ob die Preise die richtigen Empfänger gefunden haben. Und die Antwort ist: In den meisten Fällen ja. Es wurden tatsächlich Filmschaffende geehrt, die die Auszeichnung mehr als verdient haben und an anderer Stelle oftmals übersehen wurden. Isabelle Huppert als beste Hauptdarstellerin in einem Drama hatten die wenigsten auf dem Zettel, auch wenn ihre Leistung tatsächlich herausragend war. "La La Land" und "Moonlight" sind kleinere aber großartige Filme, die so vielleicht tatsächlich ein paar Zuschauer zusätzlich ins Kino locken können.

Bildergalerie starten

Golden Globes 2017: Die Tops und Flops des Abends

Ein Moderator ohne Text, eine bemerkenswerte Dankesrede und eine völlig überraschende Niederlage: Wie bei jeder Preisverleihung gab es auch bei den Golden Globe Awards Gewinner und Verlierer des Abends.

An mancher Stelle darf man sich aber dennoch verwundert die Augen reiben: Tom Hiddleston war klasse in "The Night Manager", aber Courtney B. Vances Leistung in "The People v. OJ Simpson" war in einem starken Ensemble herausragend. Aaron Taylor-Johnson war okay in "Nocturnal Animals", hatte als Inbegriff des verdorbenen Hillbillys dabei aber auch eine wesentlich einfachere Aufgabe als etwa Dev Patel in "Lion" oder Jeff Bridges in "Hell or High Water". Und Billy Bob Thornton ist natürlich ein großartiger Schauspieler - aber muss die Globes-Jury ihm wirklich für alles, was er tut, einen Preis verleihen?

Jimmy Fallons gebrauchter Tag

Ob die Show sehenswert ist, hängt meistens damit zusammen, ob der Gastgeber einen guten Tag hat. Jimmy Fallon trat dabei in die übergroßen Fußstapfen von Ricky Gervais und dem Duo Amy Poehler und Tina Fey, die die letzten sieben Preisverleihungen untereinander aufteilten und dabei Maßstäbe setzten, wie schwarz und beißend der Humor an so einem Abend sein kann.

Böse kann Jimmy Fallon gar nicht. In seiner "Tonight Show" schaffte er es, sogar Donald Trump als sympathischen und kumpelhaften Typen rüberkommen zu lassen, dem man einfach mal durch die Haare wuscheln darf.

Improvisieren kann er auch nicht, wie deutlich zu sehen war, als gleich zu Beginn der Show sein Teleprompter ausfiel und er sich stammelnd und nervös lachend über die Zeit zu retten versuchte. Als der Prompter dann wieder funktionierte, waren Fallons Witze aber auch extrem harmlos und gefällig.

Große Momente gibt es dennoch

Für die großen Momente mussten andere sorgen: Meryl Streeps Dankesrede, in der sie mit Donald Trump abrechnete war fraglos das große Highlight des Abends. Kristen Wiig und Steve Carell sorgten mit ihrer Präsentation des besten Animationsfilm für die meisten Lacher, das "In Memoriam"-Video für Carrie Fisher und Debbie Reynolds für feuchte Augen. Mit einem etwas fähigeren Moderator hätte es eine große Show werden können.

Womit wir bei der alles entscheidenden Frage wären: "Ist das nicht einfach nur eine große Zeitverschwendung?" Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Die einen werden ohnehin alles zu dem Thema mit ihrem wahnsinnig einfallsreichen "Sack Reis"-Kommentar bedenken, andere wollen nur die Kleider ansehen und interessieren sich kein bisschen dafür, wer für was ausgezeichnet wurde. Und wieder andere freuen sich über eine Show mit überraschenden Wendungen, einer Handvoll guter Pointen und viel Gefühl. Zumindest letzteren sei gesagt: Keine Angst, nächstes Jahr wird es bestimmt wieder besser.