Sogar Truman Capote biss sich einst die Zähne an einer Drehbuch-Adaption von F. Scott Fitzgeralds Romanklassiker "Der Große Gatsby" aus. Trotzdem kommt die Geschichte jetzt in ihrer inzwischen fünften Verfilmung in die Kinos. Ein absoluter Klassiker ist die Version von 1974 mit Hollywood-Legende Robert Redford in der Hauptrolle des geheimnisvollen Millionärs Jay Gatsby. In diese Rolle schlüpft nun auch Leonardo DiCaprio. Ist der ein würdiger Nachfolger? Wir vergleichen die beiden Superstars.

Der Weg an die Spitze

Robert Redford wuchs in unmittelbarer Nähe von Hollywood in Kalifornien auf. Sein Weg zum Filmstar war dennoch steinig und turbulent. Zunächst deutete alles auf eine Karriere als Profisportler hin. Wegen seines außerordentlichen Baseball-Talents hatte der 1936 in einfachen Verhältnissen geborene Redford sogar ein Universitätsstipendium bekommen. Kurz ereilte ihn mit dem Tod seiner Mutter jedoch ein herber Schicksalsschlag, der ihn aus der Bahn warf. Nachlassende schulische und sportliche Leistungen kosteten ihn sein Stipendium.

Daraufhin versuchte sich Redford in Europa als Künstler, verdingte sich zeitweise als Straßenmaler. Mit 22 ging er zurück in die USA und nahm ein Theaterdesgn-Studium auf, über das er seine Liebe zur Schauspielerei entdeckte. Zwei Jahre später stand er für die TV-Serie "Maverick" in einer Nebenrolle das erste Mal vor der Kamera. Die Schauspielkarriere kam nur langsam in Gang. Der endgültige Durchbruch gelang erst 1969 in der Westernkomödie "Zwei Banditen".

Leonardo DiCaprio hingegen begann seine Karriere vor der Kamera bereits mit 14 Jahren. Nach einigen Auftritten in Werbespots und TV-Serien startete DiCaprio 1993 mit 19 Jahren an der Seite von Robert DeNiro in "This Boy's Life" voll durch. Noch im selben Jahr spielte er in "Gilbert Grape" den geistig behinderten kleinen Bruder von Johnny Depp, wofür er mit seiner ersten Oscar-Nominierung belohnt wurde.

Schauspieloscars - Fehlanzeige

Obwohl DiCaprio in den folgenden Jahren in Filmen wie "Jim Carroll - In den Straßen von New York" sein schauspielerisches Können bewies und schließlich durch die Kassenschlager "Romeo + Julia" und "Titanic" zum Megastar wurde, wurde er erst 2005 mit "Aviator" wieder für einen Oscar nominiert, konnte diesen jedoch nicht gewinnen. Auch 2007 ging DiCaprio trotz seiner hochgelobten Darstellung in "Blood Diamond" leer aus. In den vergangenen Jahren schlüpfte DiCaprio jedoch zunehmend in vielgepriesene Charakterrollen, so dass der Gewinn eines Oscars wohl nur eine Frage der Zeit scheint.

Auch Robert Redford konnte als Schauspieler nie einen Oscar gewinnen, obwohl er in den siebziger Jahren zu den beliebtesten Filmstars Hollywoods zählte. Lediglich 1973 gab es eine Nominierung für seine Rolle in "Der Clou". Redford begann sich verstärkt der Regie zuzuwenden. So gewann er seinen ersten Oscar dann auch erst als Regisseur 1981 für den Film "Eine ganz normale Familie". 2002 folgte ein zusätzlicher für sein Lebenswerk.

Redford, DiCaprio und die Frauen

Während sich das männliche Kinopublikum gerade am Anfang von Robert Redfords Karriere nie an dessen Status als Sexsymbol störte, musste sich Leonardo DiCaprio den Respekt seiner Geschlechtskollegen hart erarbeiten. "Schuld" daran ist die Hysterie, welche DiCaprio als jugendlich-stürmischer Liebhaber in "Romeo + Julia" und "Titanic" vor allem bei Mädchen zwischen 10 und 20 Jahren auslöste.

Obwohl er schon immer ein erstklassiger Schauspieler war, wurde DiCaprio sein Milchbubi-Image erst ab den frühen 2000er-Jahren langsam los. Zu dieser Zeit avancierte er zum Protegé von Regie-Legende Martin Scorsese und brillierte zunehmend in komplexen Antihelden-Rollen. Aufgrund seines späten Karrieredurchbruchs und der Tatsache, dass er nie in einem wirklich schnulzigen Liebesfilm mitspielte, lief Robert Redford dagegen allerdings auch nie Gefahr, zum reinen Teenie-Schwarm abgestempelt zu werden.

Soziales Engagement

1980 gründete Robert Redford das Sundance Institut, dessen Ziel es ist, unabhängige, nicht am Massengeschmack orientierte Filmemacher zu fördern. Das 1984 ins Leben gerufene, jährliche Sundance Film Festival ist inzwischen das bedeutendste Filmfest für Independent-Regisseure in Amerika.

Weiterhin engagiert sich Redford für den Umweltschutz und die Rechte amerikanischer Ureinwohner. 2013 plädierte er für den Stopp einer Auktion, bei der mehrere heilige Objekte der Hopi-Indianer versteigert werden sollten. Die Auktion bezeichnete er öffentlich als "kriminelle Handlung".

Leonardo DiCaprio ist der Umweltschutz ebenfalls eine Herzensangelegenheit. So wirkte er 2007 an der Umwelt-Doku "The 11th Hour" mit, welche das Thema der Globalen Erwärmung anprangert. Darüberhinaus spendet er regelmäßig große Summen an Umweltschutzprojekte, fährt ein Elektroauto und spricht sich dafür aus, dass auch Berühmtheiten kommerzielle Flüge nutzen sollten, anstatt Privatjets zu chartern.

Fazit

Robert Redford und Leonardo DiCaprio sind zwei der größten Stars, die Hollywood zu bieten hat. Nur, weil DiCaprio jetzt in eine Rolle schlüpft, die von Redford schon knapp 40 Jahre zuvor bekleidet wurde, wäre es aber falsch, von DiCaprio als "neuem Robert Redford" zu sprechen.

Beide zählen zu den größten Stars ihrer Generation, und trotz einiger Gemeinsamkeiten handelt es sich doch um grundverschiedene Personen und vor Allem Schauspieler-Typen. Dementsprechend sollte man DiCaprios Karriere auch nicht an der von Redford messen. Umso interessanter ist es dafür, die beiden Darstellungen des Jay Gatsby als jeweils eigenständige Interpretationen der Romanfigur miteinander zu vergleichen.

(lug)