In seiner zweistündigen Geburtstagsshow gab sich Thomas Gottschalk gewohnt schlagfertig. Nur mit den Abstandsregeln hat der TV-Moderator seine Probleme.

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In den ersten Minuten wirkt die große Geburtstagssause von Thomas Gottschalk wie eine Parodie von "Switch". Im weißen Blümchenanzug und mit Künstlerschal schwebt der Moderator mit weit geöffneten Armen gewohnt weltumfassend herein, das immer noch volle Haar schneeweiß, ohne Pause redend.

Das Publikum tobt, doch in der Berliner Bar, aus der "Happy Birthday, Thomas Gottschalk!" übertragen wird, steht im Hintergrund nur ein bewegungsloser Barkeeper mit schwarzem Mundschutz. Der Applaus kommt an diesem Abend vom Band.

Die Corona-Pandemie macht auch nicht vor Deutschlands bekanntesten Moderator halt, der am Sonntagabend zwei Stunden lang live mit Überraschungsgästen in seinen 70. Geburtstag hinein feiert. Deswegen wird "unter den Sicherheitsvorkehrungen produziert, die den aktuellen Empfehlungen zum Umgang mit dem Coronavirus und einer Risikominimierung entsprechen", informierte vorab das ZDF.

Das heißt, dass jedes Mal, wenn ein Gast das Studio in Berlin verlässt, ein Mitarbeiter mit Maske und Handschuhen durchs Bild huscht und das Leder der Sessel abwischt. Das heißt aber auch, dass das offensichtlich nicht für die Prominenten in der Bar gilt, von denen keiner eine Maske trägt und die am Ende, als um Mitternacht die Sektkorken knallen, mit eher gefühlten Sicherheitsabstand nebeneinander stehen, mehr als ein Dutzend von ihnen.

Gottschalk fällt es schwer, Abstand zu halten

Aber natürlich war das irgendwie zu erwarten von dem Moderator, dessen große Stärke es immer war, Nähe zu all seinen Gästen aufzubauen - was er jetzt nicht mehr darf. Das fällt Gottschalk sichtlich schwer.

Zu dem ehemaligen Bandleader der "Harald Schmidt Show" Helmut Zerlett beugt er sich direkt in den ersten Minuten herüber. Christine Westermann, mit der er zusammen im "Literarischen Quartett" saß, streckt er die Hand zur Begrüßung hin.

Kurz bevor die zugreift, fällt ihm auf, dass das im Moment vielleicht doch keine so gute Idee ist. Barbara Schöneberger ist schlauer und drückt ihm eine Gummihand an einem anderthalb Meter langen Stock in die Hand, in Anspielung auf seine notorischen Flirts mit weiblichen Gästen.

Er wollte "nie despektierlich sein" und habe großen Respekt vor Frauen, erklärt Gottschalk daraufhin. Zur Bestätigung erscheint Alice Schwarzer und schenkt ihm ein "Emma"-Abo bis zum Lebensende. Den passenden Kommentar liefert Barbara Schöneberger: "Das ist doch toll - die kommt jetzt … jeden Monat?"

TV-Moderator trifft Weggefährten

Ein Konzept gibt es in der Show eigentlich nicht. Als "launige" Geburtstagsfeier hatte das ZDF die Sendung angekündigt und das trifft es ziemlich genau. Am ehesten ließe es sich beschreiben als "Gottschalk trifft Weggefährten".

Ein Gast nach dem anderen betritt die Bar, während Einspieler die bekannten Höhepunkte aus Gottschalks Karriere zeigen: Schöne Frauen, die der Moderator in seinen Sendungen umgarnte, seine Anfänge als junger Wilder beim Bayerischen Rundfunk und natürlich Männer, die irgendetwas mit einem Bagger vorführen.

Ob es die im November zur Jubiläums-Ausgabe von "Wetten, dass.. ?" wieder geben wird, lässt Gottschalk in seiner Geburtstagsshow aufgrund der aktuellen Entwicklungen offen. Kündigt gleichzeitig aber auch an, bei einer Verschiebung ins nächste Jahr zur Verfügung zu stehen.

Klaas und Joko werden zu Fans

Wie sollte das auch anders gehen, die Show ist sowieso ohne ihn nicht mehr vorstellbar. 22 Jahre moderierte Gottschalk "Wetten, dass.. ?", zu einer Zeit, als eine Samstagabendshow noch ein Generationen verbindendes Ereignis war.

Besonders deutlich wird das bei Klaas Heufer-Umlauf, der Gottschalk zum ersten Mal trifft und dem das ehrfurchtsvolle Fantum ein wenig zu sehr anzumerken ist. Zusammen mit seinem Kompagnon Joko Winterscheidt spielt er eine Wette nach und stoppt Ventilatoren mit der Zunge.

Wie sie selbst anmerken, eine etwas fragwürdige Aktion mitten in einer Virus-Pandemie. Zumindest, wenn das Geburtstagskind direkt dahinter in der Einflugschneise steht.

Weitere Stars aus Gottschalks Laufbahn betreten die Bar: Katarina Witt, Günther Jauch, Otto per Videoschalte, Max Giesinger und Michael Schulte, die eine recht farblose Version des Simon & Garfunkel Klassikers "Sound of Silence" darbieten. Das ist kurzweilig, lebt aber vor allem von der Schlagfertigkeit Gottschalks.

Als Frank Elstner anruft, erklärt er ihm: "Ohne dich wäre ich so ein mittelmäßiger Moderator wie Joko und Klaas geworden." Die sitzen direkt daneben. Als Elstner zu Gottschalks Biografie "Herbstblond" sagt: "Ich habe selten bei einem Buch so gelacht", kontert der Moderator mit: "Es war aber ernst gemeint."

Gottschalk freut sich auf seinen 80. - mit Fans

Nach gut einer Stunde erscheinen die ehemaligen Radio-Kollegen Bea Reszat und Fritz Egner und ab da beginnt die Show zu kippen. Die Stimmung wird nostalgischer, entwickelt sich mehr zu einem "Weißt du noch?".

Man fühlt sich zunehmend wie im Partykeller der Eltern, wenn Vati zu später Stunde die Luftgitarre herausholt. Passend dazu tänzelt Schauspieler Mark Keller herein und schmettert auf spanisch die Schnulze "Amigo".

"Ich weiß auch nicht, warum ich dich so mag", sagt Gottschalk. Der Rest der Promis sitzt mit unbeweglicher Miene da. Als endlich der Countdown zu Mitternacht angezählt wird, reicht Barbara Schöneberger dem Jubilar ein Weinglas an einer Stange - "zum Anstoßen".

Gottschalk nimmt es heraus, überlegt es sich dann aber doch anders. Er hält es mit der Stange in der Hand ganz nah an die Kamera: "Ich bedanke mich für alles bei Ihnen", sagt er zum Fernsehpublikum, zu dem er gar keinen Abstand halten muss. "

Zum 80. sehen wir uns wieder", verspricht er. Zu wünschen wäre es ihm. Und den Zuschauern.

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