Der Fernsehdirektor des WDR, Jörg Schönenborn, und Moderator Frank Plasberg weisen den Vorwurf der Selbstzensur weit von sich. Für sie ist die Entfernung einer strittigen "Hart aber fair"-Folge aus der Mediathek ein selbstverständlicher Vorgang.

"Der Vorwurf der Zensur oder Selbstzensur ist so gravierend, dass man ihn nicht leichtfertig erheben sollte", so WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn in einer Stellungnahme gegenüber unserem Portal. Für den WDR weise er das entschieden zurück. Zwar habe man die Sendung auch intern durchaus kritisch beurteilt, aber sie sei "frei von äußerer Einflussnahme produziert, ausgestrahlt und von knapp drei Millionen Zuschauern gesehen worden".

Die Entfernung von Sendungen aus der Mediathek ist in den Augen Schönenborns nichts Ungewöhnliches: Das "kommt aus unterschiedlichen Gründen immer wieder vor: etwa wenn sich wesentliche Sachverhalte ändern. Die Sendung ist im WDR-Archiv nicht gesperrt, sie steht also nicht im 'Giftschrank'. Sie kann jederzeit von Redaktionen abgerufen und ausschnittsweise verwendet werden." Die betreffende "Hart aber fair"-Sendung mit dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen" sei in letzter Zeit in der Mediathek auch "kaum mehr abgerufen" worden.

Auch Frank Plasberg will von Zensur nichts wissen. Er sieht die ganze Diskussion sogar als Chance, das Thema "Genderdebatte" noch einmal auf die Tagesordnung zu setzen: "Bei uns ist Thema, was die Menschen bewegt oder aufregt. Das gilt natürlich auch, wenn wir es selber sind, die die Gemüter erhitzen. Das haben wir mit unserer Gender-Sendung definitiv getan, ein guter Grund also, das Thema und die Reaktionen auf unsere Sendung Anfang September noch einmal bei 'Hart aber fair' zu debattieren. Dass wir das mit der gewohnten redaktionellen Freiheit tun, die im WDR ein hohes Gut ist, versteht sich von selbst."

Die Entfernung der Sendung aus der Mediathek der ARD hatte für einige Diskussionen gesorgt, nachdem Politiker und Talkgäste dem verantwortlichen WDR Zensur vorgeworfen hatten. Unmittelbar nach der Ausstrahlung am 2. März 2015 hatte es einige Beschwerden von mehreren Frauenverbänden gegeben. Sie bemängelten, dass mit dem Thema Gleichstellung abwertend umgegangen worden sei.