Erst mal heiraten und dann erst verlieben – wie funktioniert das? Das von der Kirche stets heftig kritisierte Sat.1-Format "Hochzeit auf den ersten Blick" geht dieser Frage bereits zum siebenten Mal nach und bescherte uns schon in Folge eins das erste Jubelpaar. Dass Emily und Robert einander bei der Trauung erst fünf Minuten kannten, schien sie nicht großartig zu stören. Im Gegenteil, der Kuss fiel durchaus leidenschaftlich aus.

Eine Kritik
von Bodo Klarsfeld

Große Aufregung, mächtiges Gefühlskino, feuchte Augen. "Hochzeit auf den ersten Blick", das amouröse Sozialexperiment von Sat.1, ist am Mittwochabend in die nächste Runde gegangen. Abermals dürfen einander in der siebenten Staffel heiratsfreudige Singles, die einander noch nie zuvor gesehen hatten, das Ja-Wort geben.

Was man sich halt so wünscht im Leben. Ganz klar: ein schräges Konzept. In den nächsten Episoden gibt es dann nicht nur Hochzeiten, sondern auch Einblicke, wie das nähere Kennenlernen verlief und sich die Flitterwochen so gestalteten. Das kann ja mal heiter werden. Aber der Reihe nach.

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Echte Liebe auf Basis wissenschaftlicher Fakten

Mehr als 30.000 Einzelkämpfer haben sich bis dato für das Format beworben. Die Teilnehmer durchliefen dabei stets zahlreiche psychologische Tests, damit die drei Experten – Psychoanalytikerin Sandra Köhldorfer, Diplompsychologe Markus Ernst sowie Paar- und Sexualtherapeutin Beate Quinn – wieder perfekte Matches ausfindig machen konnten.

"Das außergewöhnlichste Experiment Deutschlands", meinte die Stimme aus dem Off. "Ihr könnt mir erzählen, was ihr wollt, aber #hochzeitaufdenerstenblick kann einfach nicht klappen", meinte indes jemand auf Twitter. Aber lassen sich Fakten auf Basis von Gesprächen und Tests tatsächlich in Gefühle und perfekte Matches transformieren?

A perfect Match – Emily und Robert

Robert etwa wünscht sich schon länger eine Beziehung. "Für mich fühlt es sich aber schon sehr verrückt an, da ich normalerweise gerne die Kontrolle behalte", so der 36-Jährige über seine Teilnahme an "Hochzeit auf den ersten Blick". "Robert ist ein sehr strukturierter Mensch", befand etwa Therapeutin Quinn, nachdem der Luftfahrt-Angestellte auf Herz und Nieren getestet worden war.

Psychoanalytikerin Köhldorfer hatte daraufhin sofort ein Match bei der Hand: Emily! Der 25-jährigen Krankenkassen-Angestellten fehlen im Leben Liebe, Vertrauen und Zärtlichkeit. Auch sie ist, wie Robert, überaus naturverbunden. "Ich seh‘ die auch kognitiv, geistig und kommunikativ sehr stark miteinander", konstatierte Köhldorfer über die beiden, während sich 200 Porträtfotos von Singles vor ihr auf dem Tisch breit machten. "Ein schönes Paar", fand auch Beate Quinn.

Die Hochzeitserprobten: Wiebke und Norbert

Wiebke, Hochbauingenieurin und Liebhaberin schneller Autos, und Norbert, Polizist und Hundefreund, suchen ebenso die Herausforderung vor dem Altar. "Norbert fühlt sich oft einsam", erklärte die Stimme aus dem Off zu traurigen Klängen. Sowohl der 59-Jährige, den jemand auf Twitter "jetzt schon unangenehm" fand, als auch die 52-jährige Wiebke mit dem prägnanten Nikotinlacher waren schon zwei Mal verheiratet.

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei, und Erfahrung ist sowieso alles. "Beiden ist körperliche Attraktivität sowie der Stellenwert von Leidenschaft und Sexualität wichtig", stellte Paartherapeutin Quinn fest. Diplompsychologe Markus Ernst überraschte dann Wiebke bei deren Freundin, um ihr mitzuteilen, dass es ein Match für sie gibt und sie demnächst heiraten wird. "Ich freu mich irgendwie", meinte die 52-Jährige und brachte damit ihre ganze Routine zum Ausdruck.

Die Introvertierten – Annika und Manuel

Manuel arbeitet in einem Autohaus. Ein "ganz normaler, bodenständiger Typ von nebenan und ein schüchterner Mensch" sei er, erzählte der 35-jährige Mannheimer, der in Bälde vor einem Millionenpublikum heiraten wird. "Manuel wünscht sich eine bodenständige, normale Frau, die ihm auch einmal einen Tritt in den Hintern verpassen kann", wusste Köhldorfer nach langen Gesprächen und eingehenden Analysen.

Danach fiel ihr umgehend Annika ein. Die ruhige und äußerst hilfsbereite 27-Jährige aus Kiel will ebenso für "Hochzeit auf den ersten Blick" voll ins Risiko gehen. "Laut aktuellem Stand der Wissenschaft haben Manuel und Annika beste Chancen auf eine glückliche Ehe", versprach die Stimme aus dem Off. Markus Ernst überbrachte den beiden getrennt die frohe Kunde. Während Annika sprachlos war, fehlten Manuel die Worte.

"Hochzeit auf den ersten Blick": Sat.1 bläst das Vorgeplänkel gewaltig auf

So richtig in die Vollen in Sachen Hochzeit ging es am Mittwochabend nur bei Emily und Robert. Zuvor musste man aber noch durch jede Menge weitere psychologische Allgemeinplätze, viel Pathos und musikalische Ergriffenheit aus dem Off, eine zeitraubende Hochzeitskleid-Sondierung sowie anderes Vorgeplänkel.

Sogar die US-Wahl wähnte man inzwischen entschieden, denn selbst nach 2,5 Stunden "Hochzeit auf den ersten Blick" war von einer solchen weit und breit nichts zu merken.

Emilys Mama: "Am Aussehen sollte es nicht scheitern"

Endlich näherte man sich dem Standesamt von Zwenkau, wo einander zunächst die Familien des Brautpaares kennenlernten durften. "Als der Robert reinkam, hab ich gleich gewusst, am Aussehen sollte es nicht scheitern", so Emilys sympathische Mutter, die für den schönsten Tag im Leben der Tochter ihre 80er-Jahre-Gedenkfrisur auspackte, zur ersten Sichtung des Bräutigams.

Emily hatte indes "totale Angst", dass Robert "Nein" sagen könnte. "Vielleicht können Sie diese ganze aufgeregte Energie nehmen und in Freude umwandeln", so der Input von Beate Quinn für die Braut. Markus Ernsts Befund – "Im Gespräch mit Robert konnte man merken, dass er gefasst ist, aber da passiert schon etwas in seinem Bauch" – machte das Geschehen auch nicht wirklich substanzieller.

Endlich wurde geheiratet

Dann doch noch ein Aufeinandertreffen im Standesamt. Emily strahlte von der ersten Sekunde an bis über beide Ohren. Ihr "Ich bin total aufgeregt" federte Robert umgehend mit einem "Alles wird gut, mach dir keine Sorgen" ab. Wo er wohne, wollte Emily, die in Frankfurt an der Oder lebt, wissen. "Südlich von Hamburg", antwortete Robert. Das sei zwar schwierig, könne man aber schon irgendwie schaffen, meinten die beiden.

Mit ihrem "Lass uns erst mal heiraten!" sorgte Emily schließlich für den einzigen Lacher des Abends. Beide grinsten während der Zeremonie, hielten Händchen und schienen durchaus happy. Und ja, sie gaben einander letztlich auch das Ja-Wort. "Ich bin wahnsinnig glücklich. Er sieht mega aus, ist superlieb, und ich fühl mich in seiner Umgebung richtig wohl", meinte Emily nach der Trauung, die sich trotz der etwas schrägen Umstände erstaunlicherweise von einer konventionellen kaum unterschied. Selbst der Kuss fiel richtig leidenschaftlich aus.

Inka Bause
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