"BitterLiebe" und "Mama Wong" - Heftiger Investoren-Zoff in der "Höhle der Löwen"

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Bittere Abrechnung mit Deal-Sammler Ralf Dümmel: Als Neu-"Löwe" Nils Glagau die Geschäftstaktik des Handelsgurus angreift, kommt es zum heftigen Streit.

Nils Glagau (Bild) hat offenbar jetzt schon die Nase voll von Ralf Dümmel. In der "Höhle der Löwen" legte sich der Neuzugang ordentlich mit dem Handelsmogul und Deal-Magneten an. "Es war wie eine Kneipenschlägerei auf hohem Niveau", erklärten die Gründer, die dem Spektakel beiwohnten, später. Wer die gewonnen hat - und mehr - verrät unsere Galerie.
Friedlich verlief noch alles beim Auftritt von "JayKay" aus Kressborn am Bodensee. Ganz mütterlich sorgte sich sogar Judith Williams um ihren Rudel-Kollegen Frank Thelen (links), als sich der "etwas ältere Mann" auf das E-Longboard der Gründer stellte: "Willst du dich nicht festhalten, Frank, an jemandem?"
Pah! "Ich komm' vom Skateboarding, von der Straße und von der Rampe", erklärte der - und fuhr prompt gegen die Ausgangstür der "Höhle". Nur ganz knapp landete der Tekkie nicht auf dem Hosenboden. "Bring dich nicht um!", entfuhr es Williams (Mitte).
Einen Deal bekamen die Macher der "weltweit ersten elektrischen Longboardachse" aber leider nicht. Obwohl Williams ganz begeistert war: "Ich weiß noch, wie Michael J. Fox mit seinem Skateboard ... Ich musste ein Skateboard haben. Das hier ist so wie 'Back to the future'!" Aber mit einem Preis von 2.000 Euro leider auch ein "Nischen-Nischen-Markt".
Gar nicht leicht hatte es auch Jennifer Lapidakis aus Mannheim. Die Gründerin wollte den "Löwen" ihre "STRONG Fitness Cosmetics" vorstellen und stand fünf Herren gegenüber. Da gingen die Diskussionen schon vor dem Pitch los. "Warum muss ich mich überhaupt schminken, wenn ich Sport mache?", fragte sich Frank Thelen.
Frauenversteher Georg Kofler (Mitte) wusste die Antwort: "Weil viele Damen im Fitnessstudio hübsch bleiben wollen." Und das klappt mit wisch-, wasser- und schweißfestem Make-up und Mascara natürlich besser. "Was war das, Mascara? Was ist das?", hakte Carsten Maschmeyer (links) investigativ nach. "Wimperntusche!" Das konnte ja heiter werden ...
Bei so viel "Fachwissen" überraschte es am Ende nicht, dass Jennifer Lapidakis ohne Deal nach Hause gehen musste. Georg Kofler machte ihr zwar ein Angebot, wollte für 500.000 Euro aber 25 statt zehn Prozent am Unternehmen.
Obendrauf gab es noch einen Seitenhieb in Richtung Model Laura (links), die online auch als Testimonial für "STRONG Fitness Cosmetics" fungiert: "70.000 Follower? Das nennt man einen Micro-Influencer", klärte Kofler auf. Und Thelen ergänzte: "Das ist nix! Da hab ich ja mehr!"
Auf "Mama Wong" aus Berlin war der Südtiroler ebenfalls nicht gut zu sprechen. Kofler gestand: "Ich hab leider eine Knoblauch-Unverträglichkeit!" Mit ihren Marinaden und Dressings konnte die gebürtige Vietnamesin Tu-Nhu Roho bei ihm also nicht landen.
"Da überall Knoblauch drin ist und damit bekanntermaßen ja nicht nur Vampire vertrieben werden, vertreiben Sie mich auch als Investor." Blieb mehr für den Rest: "Georg, du tust mir leid mit deiner Knoblauch-Allergie", neckte Maschmeyer. "Denn das schmeckt gut. Also wenn Sie ein Restaurant aufmachen, ich komme!"
Doch "Mama Wong" nahm lieber das Angebot von Ralf Dümmel (rechts) an: 60.000 Euro für 25 Prozent sowie das Versprechen: "Ich kann Ihnen heute sagen, dass ich Sie in 10.000 Filialen bringe!" Dagegen konnte Dagmar Wöhrl (Mitte), die ebenfalls Interesse bekundete, nicht anstinken.
Mit einer richtig guten Idee, aber einer ziemlich komplizierten Unternehmensstruktur - mit einem weiteren Neben-Unternehmen - kamen "FlipCar" aus Bremen in "Die Höhle der Löwen". Zu kompliziert für die meisten "Löwen". "Ihr habt mich eigentlich überzeugt. Aber eure Struktur verstehe ich nicht", gestand Nils Glagau (links).
Die Idee von Okan Gürsel (links) und Sven Gunkel: Wer kein eigenes Auto hat, kann künftig mit Mietwagen von Stadt zu Stadt fahren. Kosten: nur ein Euro. Denn diese Mietwagen müssten sonst ohnehin von den Autovermietern überführt werden - und das kostet die Firmen richtig Geld.
Kofler (Mitte) wollte als Einziger einsteigen, jedoch verlangte er für 500.000 Euro 30 statt der gewünschten 10 Prozent. "Die werden dir 20 bieten", prognostizierte Maschmeyer (links), als die Gründer sich berieten. Doch die wollten nur 15 Prozent herausrücken. "Nie im Leben. 30 oder nix!", erklärte Kofler. Kein Deal.
"Es war spannend zuzugucken. Hat gar nicht mehr aufgehört!" Doch was war passiert? Und warum überhaupt? Denn der Pitch startete sehr launig: "Liebe Frau Williams, würden Sie uns freundlicherweise Ihre Zunge zur Verfügung stellen?", fragten die beiden Gründer, die die gesunden Bitterstoffe wieder zurück in die Ernährung der Menschen bringen möchten.
"Das haben mich schon einige Leute gefragt", konterte Williams (rechts), die die "BitterLiebe"-Tropfen bereitwillig schluckte. "Also ich trink lieber einen Fernet-Branca!", gestand Georg Kofler. "Das erinnert mich zu sehr an Medizin." Orthomol-Geschäftsführer Nils Glagau (links) allerdings schien interessiert ...
"Ihr müsst in die Apotheke", erklärte er. "Es bleibt ein erklärungsbedürftiges Produkt. Das wär der beste Kanal. Nur 'mass markets' halte ich für sehr gefährlich." Gemeinsam mit Dagmar Wöhrl wollte er investieren. Da schaltete sich Handelsmogul Dümmel ein und versprach eine "ganz andere Größenordnung".
Da platzte Glagau der Kragen und er schoss gegen Dümmels Nahrungsergänzungsmittel "Veluvia" - das sei "kaputt". Das ließ sich der Hamburger (Bild) natürlich auch nicht bieten: "Nils, da musst du bei der Wahrheit bleiben! Lass uns das diskutieren! Wenn du die Story nicht detailliert weißt, halte ich die Aussage für gefährlich, dass es kaputt ist."
Wie ein Silberrücken baute sich Glagau auf und äffte Dümmel nach: "Ich bin in 20.000 Apotheken. Ich bin in 4.000 LEHs!", tönte er. "Man baut liebevoll eine Marke auf. Man stellt es nicht ins Regal - und wenn es nicht läuft, ist es raus!" Und was passiert, wenn zwei sich streiten?
"Jeder von uns 'Löwen' ist wunderbar", flötete Judith Williams. "Nur die Strategie ist manchmal anders." Mit 200.000 Euro für 20 Prozent ging der Deal an die "Löwin". Die freute sich: "Meine Verdauung ist gerettet!" Die Herren schmollten.