"Das ist kein Start-up, das Sie haben, das ist ein Smart-up." Carsten Maschmeyer ist sichtlich begeistert von dem, was er da am Montagabend bei "Die Höhle der Löwen" zu sehen bekam: Ein Straßenbelag, der Strom erzeugen kann.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

Als Donald Müller-Judex das schwarze Tuch von seiner Erfindung zieht, sieht alles recht unspektakulär aus. Auf dem Boden liegt schmaler karierter Streifen. Doch der 57-Jährige hat den Löwen keinen alten Teppich mitgebracht, sondern einen "smarten Straßenbelag" namens "solmove".

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Der besteht aus einer Mischung aus Spezial-Glas und Solar-Modulen zur Stromerzeugung. Gleichzeitig sind Sensoren integriert, die zum Beispiel freie Parkplätze erkennen oder E-Autos laden können. "Mit meiner innovativen Entwicklung mache ich aus grauen Straßen grüne Straßen", erklärt Müller-Judex und es braucht tatsächlich nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, welchen Sprung ein solcher Straßenbelag sein könnte.

"Die Höhle der Löwen": Löwen sind vom smarten Straßenbelag begeistert

Nun gibt es aber sicher nicht wenige Menschen, die auch glauben, die Erfindung schlechthin gemacht zu haben. Eine, auf die die Welt nur gewartet hat, die Eine-Millionen-Dollar-Idee, den Geniestreich, der nicht nur die Menschheit nach vorne bringt, sondern auch den eigenen Kontostand. Man müsste sie nur umsetzten, aber wie es immer so ist: Es kommt was dazwischen. Die eigene Trägheit vielleicht, man kann sich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern oder einfach, weil jemand die Idee schon lange vor einem gehabt hat.

Vielleicht fehlte aber auch einfach nur das nötige Kleingeld, das den Weg von der Idee über das Patentamt bis hin zur Weltneuheit geebnet hätte. Deshalb – und aus Marketing-Gründen – treibt es seit nunmehr sechs Jahren Leute mit Weltideen – oder vermeintlichen – zur "Die Höhle der Löwen". So, wie eben auch Müller-Judex. 500.000 Euro möchte er haben, um die aktuelle Nachfrage bedienen zu können.

Deal platzt nach der Sendung

Die Löwen sind von der Sache begeistert, insbesondere Carsten Maschmeyer: "Eigentlich kann man das Thema nicht ohne Deal weggehen lassen", erklärt Maschmeyer seinen ebenfalls interessierten Investorenkollegen Rosberg und Wöhrl. Die sehen in "solmove" zwar "eine Wette auf die Zukunft, aber wir wetten mit". Und so gibt es einen Corona-Handschlag und einen Deal mit dem smarten Straßenbelag.

Wer den Löwen allerdings auf Instagram folgt erfährt sofort nach der Sendung allerdings, dass auch dieser Deal - wie so oft bei "Die Höhle der Löwen" - nicht zustande kam. In einem kurzen Video erklärt Maschmeyer, das Produkt habe ihn "richtig geflasht", sei aber noch nicht wettbewerbsfähig gewesen. "Es gab auch bei den Wenigen, die es angewandt haben, schon Reklamationen. Da mussten wir leider aussteigen."

Birte Glang sagt zu Schwangeren "Move it Mama"

Ob Birte Glang mit ihrer Idee die Welt revolutionieren könnte, kann jeder selbst entscheiden, immerhin aber glaubt sie an deren Einzigartigkeit. "Du dachtest, so was gibt es noch nicht", erklärt ihr Mann André Tegeler. Der ist besser bekannt als DJ Moguai und legt auf der ganzen Welt Platten auf. Auch Birte Glang kann man kennen, denn sie wirkte als Schauspielerin unter anderem in den RTL-Soaps "Unter uns" und "Alles was zählt" mit.

Doch die beiden sind weder wegen Schallplatten noch wegen der Besetzung einer Seifenoper gekommen. "Ich sage zu allen Frauen in und während der Schwangerschaft: 'Move it, Mama'", erklärt Birte Glang den Investoren. Und warum sie das allen Frauen sagt, hat einen Grund. Glang war 2017 schwanger und damals verunsichert, welche Sportübungen sie dabei machen kann. Deshalb hat sie mit einem Personaltrainer, einer Ärztin und einer Hebamme "die besten und sinnvollsten Übungen für die Schwangerschaft und für die Zeit danach" zusammengestellt und das dann die Fitness-App "Move it Mama" münden lassen.

Dafür sucht Glang nun bei "Die Höhle der Löwen" jemanden, der ein bisschen Geld zum Investieren auf die Seite gelegt hat. 200.000 Euro, um genau zu sein, für die Glang als Gegenleistung 15 Prozent der Firmenanteile abgeben würde. Dafür bietet sie den Investoren aber auch etwas, denn Glang will nicht nur, dass sich werdende Mütter fit halten: "Dabei ist die App nur Grundlage und Kern einer großen Idee dahinter."

Nachdem Nils Glagau aussteigt, weil ihm der Fitness-Aspekt nicht ausreicht, offenbart Glang, was genau diese "große Idee" ist: "Es soll eine Mama-Plattform daraus entstehen." Das überzeugt nicht alle, denn zuerst steigt noch Dagmar Wöhrl und dann auch noch Ralf Dümmel aus. Bleiben noch Judith Williams und Georg Kofler, doch nachdem die beiden die Sache noch einmal mit spitzem Bleistift durchgerechnet haben, lehnen auch sie ab.

Georg Kofler investiert bei "vytal"

Diese "große Idee" braucht also jemand anderen mit Kleingeld. An ganz anderer Stelle wäre auch eine große Idee wichtig, denn auch das Problem ist groß, wenn nicht gar riesig: Verpackungsmüll. Die Gründer Sven Witthöft und Tim Breker von "vytal" wollen nichts Geringeres als "Plastik und Einweg-Verpackungsmüll aus dem To-Go-Bereich eliminieren".

Dazu haben sie sich Schüsseln aus einem "besonders gut recyclebaren Kunststoff" ausgedacht, die sie an Gastronomen verleihen. Die verpacken damit ihr To-Go-Essen. Ist der Kunde fertig, bringt er die Schüssel wieder an einen der "vytal"-Partner zurück.

Klingt nach einer Riesenidee, für Glagau aber zu riesig, denn er sieht hier eine Herkules-Aufgabe im Vertrieb, was wiederum die Unternehmensbewertung nicht rechtfertige. Weil auch die anderen Löwen zwar eine Riesenidee, aber eben auch eine Riesenarbeit bei kleinen Umsätzen sehen, will scheinbar keiner der Löwen die 450.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile berappen. Riesenproblem, eventuell eine Riesenidee, eine Riesenbewertung - aber kein Riesenmut bei den Investoren.

Doch die beiden Gründer hören nicht auf, Werbung für sich zu machen: "Das wird das Ding, das kann das Ding werden", erklärt Witthöft und hat damit Erfolg: "Also Freunde, mir gefällt das wirklich gut und ihr beiden seid der Hammer", erklärt Georg Kofler und sieht bei "vytal" sogar einen kommenden Global Player aus Deutschland.

Nico Rosberg ist zunächst skeptisch, dann aber doch interessiert, will mit Kofler zusammen investieren. Doch nach den Verhandlungen ist ihm der Einsatz doch zu hoch. Kofler nicht: "Ihr seid die zwei, drei besten Gründer, die ich hier erlebt habe", stellt der Südtiroler fest und schlägt ein. Mal sehen, ob für Kofler aus dieser Riesenidee auch ein Riesengeschäft wird.