• Ja, man kann ohne Alkohol Spaß haben - für Nils Glagau hieß es bei "Höhle der Löwen" aber eher: Man kann auch mit Alkohol Geld haben.
  • Der Investor steckt in der jüngsten Ausgabe bei Vox sein Geld nämlich in ein Schnapsunternehmen.
  • Zwei Backfeen wollte er es kurz zuvor hingegen nicht geben.
Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors/der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

"Ich kann nicht investieren, ich bin an Kuchentratsch beteiligt, wo die Omis und Opis Kuchen backen." Ein solcher Satz kommt schon selten genug vor im deutschen Fernsehen.

Wenn ihn Carsten Maschmeyer dann aber auch noch zu zwei älteren Damen sagt, die in rosafarbenen Gewändern mit Feenflügeln am Rücken, einem leuchtenden Zauberstab in der Hand und einem Cupcake-Haarreif auf dem Kopf vor ihm stehen, dann ist selten sogar noch untertrieben.

Dennoch ergibt dieser Satz durchaus einen Sinn – zumindest, wenn man die Vorgeschichte kennt und die geht so: Gisela Hüsge-Schnabel und Sabine Kämper sind seit 15 Jahren befreundet und backen gerne Kuchen. Weil das aber nur den Magen, nicht aber den Geldbeutel füllt, haben sich die beiden etwas überlegt, wie Sabine Kämper erklärt: "Wir sind zwei Backfeen. Wir haben Kuchen gezaubert auf eine Art, die es bisher noch nicht gab. Wir wollen gerne die Welt mit unseren Kuchen beglücken."

"Höhle der Löwen": Brauchen die Menschen noch mehr Kuchen?

Nun kann man sich zu Recht fragen, ob die Menschen noch mehr Kuchen brauchen, aber die beiden Gründerinnen sind vehement der Meinung: "Die Welt braucht das."

"Das", das ist back 'o' funny, eine Creme, die man in einem Kuchen mitbacken kann und die danach immer noch cremig ist. Hüsge-Schnabel und Kämper verkaufen diese fertige Creme in einem Spritzbeutel und haben inzwischen 25 Sorten, die alle "backstabil und roh verzehrbar" seien, im Angebot.

"Back'o'funny": Ralf Dümmel backt's an

Die beiden Gründerinnen preisen an, was die Creme aus dem Spritzbeutel nicht noch alles kann, was man sich noch alles dazu ausgedacht hat und stellen dann die entscheidende Frage, für deren Antwort sie ja zur "Höhle der Löwen" gekommen sind: "Wer von Ihnen hat Lust, sich ein Stück von diesem Kuchen abzuschneiden?"

Ganz umsonst bieten die beiden ihre Kuchencreme natürlich nicht an, Hüsge-Schnabel und Kämper wollen 33.000 Euro einsammeln und würden dafür 33 Prozent ihrer Firmenanteile abgeben.

Carsten Maschmeyer ist aus bekannten Kuchentratsch-Gründen raus und Georg Kofler verabschiedest sich, weil backen nicht sein Feld sei. Judith Williams hat einen anderen Grund für ihren Ausstieg: "Ich bin im Lebensmittelbereich sehr bio-getrieben. Mit Zucker passe ich auch ein bissl auf." Bleiben noch Nils Glagau und Ralf Dümmel als mögliche Investoren.

Beide finden die Idee gut, beide geben auch ein Gebot ab, aber beide verfolgen unterschiedliche Ansätze. Ralf Dümmel will einen möglichst breiten Vertrieb, Nils Glagau sieht das anders: "B2B sehe ich nicht, fänd' ich auch nicht clever."

Nach einer kurzen Beratung und ein bisschen Getuschel fällt dann die Entscheidung: "Wir entscheiden uns für Herrn Dümmel." Der Grund: "Wir wollen schnelle Ergebnisse. (…) Wir glauben dass er schneller mit uns sein kann."

Gründer von heat it wollen aus einer Mücke einen Löwen machen

Schnelle Ergebnisse wird es für die Gründer von heat it nicht geben. Die vier jungen Herren haben neben ihrem Studium in Karlsruhe einen kleinen Aufsatz für die Ladebuchse eines Smartphones entwickelt, der durch Hitze den Juckreiz nach einem Mückenstich lindern soll.

Das Prinzip der punktuellen Hitze gegen Mückenstiche gibt es zwar schon, die Gründer glauben aber, dass die geringe Größe ein Wettbewerbsvorteil sei.

Die Investoren sehen das anders: "In der Ausführung für mich noch nicht stichhaltig genug", probiert es Judith Williams mit einem kleinen Wortspiel und legt noch eines nach: "Die Bewertung hat uns schon einen Stich versetzt."

So sehen es auch die anderen Investoren und lehnen allesamt ab. Wie ihnen ergeht es noch einer Gründerin, die hochpreisige Boxsäcke aus Kork verkaufen möchte.

Während Boxsäcke und Anti-Mücken-Stick also ohne Investment bleiben, sieht es für die Gründer von CO'PS deutlich besser aus. Finn Geldermann und Jan Weigelt haben in Ermangelung anderer Freizeitaktivitäten schon vor einer Weile an einer Rezeptur für ein Getränk gefeilt, das die "goldene Mitte zwischen Espresso und Absacker nach dem Essen" darstellen soll. Nach zwei Jahren ist dabei CO'PS herausgekommen.

Nils Glagau investiert in Schnapsidee von CO'PS

Man könnte nach dem Essen natürlich erst einen Espresso trinken und danach einen Schnaps, aber die beiden Gründer sehen das offenbar anders und haben ein Getränk aus zwei "wichtigen Zutaten" gemacht: "die eigene Kaffeemischung und Kolanuss."

Vier Zentiliter CO'PS hätten dabei so viel Koffein wie ein Espresso. Angesichts dieser Rezeptur taucht bei Nils Glagau die Frage auf, was am Ende gewinne – die aufputschende Wirkung des Koffeins oder die träge machende Wirkung des Alkohols: "Wie wie ist das denn nach zehn Stück?", will Glagau wissen.

Während die Herren von CO'Ps die Frage wenig wissenschaftlich mit einer Typfrage beantworten, glaubt Judith Williams: "So viel trinkt man doch nicht." Nils Glagau belehrt sie eines Besseren, schließlich habe er selbst einmal eine Bar betrieben, was er auch als Argument aufführt, dass er der besserer Investor für die beiden sei. Neben Glagau sind nämlich noch Ralf Dümmel und Dagmar Wöhrl im Rennen.

Am Ende erhält dennoch Nils Glagau den Zuschlag der Gründer, weil er die gleichen Ziele verfolgt wie sie: "Das wird so eine Art Jägermeister", glaubt Glagau und ist der Meinung: "Man muss ein Szenegetränk draus machen!" Und so wechseln für 100.000 Euro 20 Prozent Firmenanteile an einem Schnapsunternehmen den Besitzer.

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