Jede Revolution beginnt mit einem Versprechen. Das gilt auch und besonders für "Die Höhle der Löwen", denn hier wird in der Regel das Blaue vom Himmel versprochen - am Montagabend sogar die "Revolution der Lebensmittelbranche". Allerdings wollte nur Nils Glagau bei dieser Revolution dabei sein.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

"Mybimaxx ist eine Fitnessbandage, mit der ihr zum einen eure Trainingszeit und zum anderen euer Trainingsgewicht um über 50 Prozent reduzieren könnt", verspricht Lukas Erdmann am Montagabend bei "Die Höhle der Löwen" den Investoren. Das löst zwar keine großen Probleme wie die Klimakrise, aber im Fitnessstudio nicht mehr so lange zu brauchen und dann auch noch die Hantelscheiben zu reduzieren, klingt schon vielversprechend.

Aber das mit den Versprechen ist eben so eine Sache. "Viele versprechen Berge und machen dann Maulwurfshügel", sagt man in Griechenland. Aber das gehört eben zu der "Höhle der Löwen" dazu. Die Show ist ein einziges Versprechen. Hier wird in der Regel alles versprochen, um an das Netzwerk und das Geld der Investoren zu kommen - und das ist auch völlig in Ordnung so.

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Erstens, weil die Deals ohnehin noch geprüft werden. Zweitens, weil Maschmeyer und Co. ja keine Vollidioten sind, denen man eine Tasse heißes Wasser als Weltneuheit verkaufen kann. Und drittens, weil Klappern eben zum Handwerk gehört. Bei einem Investoren-Pitch, gerade wenn er in einer TV-Show stattfindet, wird sich niemand hinstellen und sagen: "Das war also mein Produkt. Sieht nett aus, kostet aber ein bisschen zu viel. Und so richtig funktionieren tut es auch nicht. Alles in allem gehen sie also besser zur Konkurrenz."

Nein, hier wird auf die Sahne geklopft und wenn doch einmal jemand zu viel verspricht, dann greifen eben die Punkte eins und zwei. Und so läuft es auch bei Mybimaxx. Die beiden Brüder Lukas und Bastian haben die Fitnessbandage für ein schonenderes und kürzeres Training entwickelt und werden nun bei ihrem Pitch von den Investoren geprüft.

"Die Höhle der Löwen": Alle wollen die Erkältungsdusche

Wie funktioniert das Training, kann man trotzdem zu lange trainieren, habt ihr das schon getestet, wo ist der Nachweis und so weiter. Die beiden Gründer haben die Antworten, für Nils Glagau aber nicht die richtigen, weshalb der Investor als Erster aussteigt.

Georg Kofler, Ralf Dümmel und Dagmar Wöhrl folgen, nur Judith Williams ist von Muskeltraining generell begeistert, ihr ist das Produkt aber noch nicht "griffig" genug. Kurzum, diesmal ziehen die Gründer den Kürzeren, weil sie sich von ihrer Präsentation mehr versprochen haben.

Deutlich weniger verspricht hingegen Jaqueline Torres Martinez. Die 38-Jährige sagt über MediDusch, ein Erkältungsbad für die Dusche nur, dass es eben bei Erkältungen Linderung bringt und "ganz leicht anzuwenden" ist.

Den Investoren gefallen die kleinen Versprechen und auch die Persönlichkeit der Gründerin und so machen diesmal die Löwen die Versprechen: "Ich sage Ihnen mindestens 10.000 Filialen zu, an dem Tag, an dem die Plakate hängen. Wir werden mindestens 50, 60 Millionen Prospekte haben bei 41 Millionen Haushalten", verspricht Ralf Dümmel, der zusammen mit Carsten Maschmeyer investieren will.

Auch alle anderen "Löwen" überschlagen sich regelrecht mit Versprechen, was sie nicht alles zu bieten haben. Am Ende erhalten Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel den Zuschlag. Aus MediDusch ist in der Zwischenzeit MeDusch geworden und aus dem Einzelunternehmen die Dusch Perfect GmbH.

Ella's Basenbande ruft die Revolution aus

Ähnlich kleine Versprechen machen auch die Erfinder von Schmuki, denn weniger als saubere Autositze kann man eigentlich nicht versprechen. Das liegt vielleicht auch daran, dass ein Schmuki nicht wesentlich mehr ist, als ein Polyestersack. Weil man in ihn aber Kinder stecken soll, damit die Autositze nicht schmutzig werden, ist er zusätzlich noch bunt bedruckt.

Aber manchmal muss ein Sack auch nicht viel mehr sein als ein Sack, Hauptsache, er hilft. Oder wie es Judith Williams formuliert: "ein totaler Problemlöser". Ralf Dümmel findet das auch und will in die beiden Gründer von Schmuki investieren.

Ob das Versprechen, das Ella's Basenbande gibt, zu groß oder zu klein ist, darüber sollten sich kurz darauf "die Löwen" mit den Gründern streiten. In der Tat könnte das Versprechen, mit dem Gründerin Ella auf ihrem Shop wirbt, kaum größer sein: "Die Revolte beginnt jetzt", heißt es dort und gemeint ist die Ernährungsrevolte, denn Ella möchte mit ihrem "gesunden Fastfood", Gemüse in Gläsern, den Säure-Basen-Haushalt der Menschen wieder in Gleichklang bringen und damit ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten vorbeugen.

Nico Rosberg findet das im Grunde ganz gut, doch das Ganze hat ihm "nicht genügend Marktpotenzial". Dem widerspricht Ellas Sohn Marcin aufs Deutlichste und lockt mit noch größeren Versprechen: "Es ist eben keine Nische. Es ist auch keine Ernährungsrichtung, sondern es geht darum, dass jeder - egal, ob Veganer, Vegetarier, Paleo, Fleischesser - sogar beim Intervallfasten müssen die Leute darauf achten, dass sie mehr Gemüse essen. Deswegen ist es im Endeffekt so weitläufig, so international, dass man damit komplett die ganze Lebensmittelbranche revolutionieren könnte."

Die Löwen finden die Produkte gut, lehnen aber wegen der Kühlkettenproblematik ab. Nur Nils Glagau will sich die Revolution im Glas nicht entgehen lassen und lockt seinerseits mit einem Versprechen: "Ich werde alles geben, damit diese Gläser lecker, kühl im Regal stehen." Da will auch Ella mit ihrer Bande die Revolution nicht wegen der fünf Prozent, die Glagau mehr haben will, abblasen.

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