Bei der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" werden Woche für Woche Deals für mehrere Zehntausend Euro im Fernsehen eingefädelt. Doch was passiert, wenn die Kameras wieder aus sind? Wir haben einmal nachgefragt, wie es den Kandidaten nach der Show ergangen ist.

Woosh, klack, Staunen. Der Auftritt von Peter Karacsonyi bei "Die Höhle der Löwen" beginnt, wie man es von einem Skateboarder nicht anders erwartet. Der 23-Jährige schießt auf seinem Skateboard durch den Käfigtunnel, hebt an der Rampe ab und kommt nach einem kleinen Trick vor den verblüfften Fernseh-Investoren zum Stehen. Das macht erst einmal Eindruck. Doch seine Skate-Fähigkeiten sind nicht das Einzige, was "die Löwen" an dem jungen Österreicher fasziniert, denn es ist nicht irgendein Brett, auf dem Peter durchs TV-Studio fliegt: Er hat es selbst entwickelt und gebaut.

Die herkömmlichen Bretter waren dem Skater nicht gut genug, gingen zu schnell in die Brüche. Darum hat er in der Garage ein neues Skateboard entwickelt, das länger halten und noch dazu eine bessere Spannung haben soll. Und genau deshalb steht er bei "Die Höhle der Löwen", denn aus seiner Leidenschaft soll ein richtiges Unternehmen werden. Die Boards alleine zu bauen, ist für ihn keine Option mehr. Für Frank Thelen auch nicht. Thelen, in jüngeren Jahren ebenfalls begeisterter Skateboardfahrer, ist von dem jungen Mann angetan, will mit ihm zusammen Peters Firma Kape Skateboards aufbauen und wachsen lassen. Dafür will Thelen 60.000 Euro investieren und als Gegenwert 30 Prozent Firmenanteile haben. Karacsonyi schlägt ein, der Deal steht – zumindest vor der Kamera. Doch dazu gleich mehr.

Der Deal mit Frank Thelen wurde geändert

Peter Karacsonyi jedenfalls kann nach der Sendung durchstarten: "Vor der 'Höhle der Löwen' war das Ganze eigentlich mehr Hobby als Unternehmen", erzählt er über Kape Skateboards. Vor der Show habe er noch nicht einmal einen Online-Shop gehabt und seine Boards überwiegend an Freude verkauft. Jetzt hat er nicht nur einen strategischen Partner, sondern mit Frank Thelen auch seinen Wunsch-Investor bekommen. Nach der Aufzeichnung der Show Ende März hat sich Karasconyi dann ein-, zweimal pro Woche mit Thelen und dessen Team per Skype-Konferenz beraten. Thelen habe sich über den Markt informiert und erste Kontakte zu Skate-Shops geknüpft.

Und was wurde aus dem Fernseh-Deal? Den gab es zwischen Thelen und Karacsonyi in der Form, wie er im Fernsehen gezeigt wurde, nicht. Stattdessen wurde eine neue Vereinbarung getroffen: "Im Nachhinein haben wir den Deal zu meinen Gunsten angepasst. Wie genau, möchte ich aber nicht sagen", erzählt Karacsonyi. Nur die Tatsache, dass ihm Thelen sehr weiterhelfe, verrät er über die Vereinbarung. Wie auch immer der schlussendliche Deal aussieht, gelohnt hätte sich "Die Höhle der Löwen" für den jungen Österreicher wohl alleine schon durch die Präsentation seiner Firma vor einem Millionen-Publikum.

Kape Skateboards: Der Laden brummt

"Ich habe erst zehn Minuten vor der Ausstrahlung meinen Online-Shop aktiviert", erzählt Peter über den 18. August, den Tag, als als seine Präsentation ausgestrahlt wurde. Noch am selben Abend seien bereits 150 Bestellungen eingelaufen und seitdem kämen jeden Tag neue hinzu, auch von Skate-Shops. Er selbst komme mit der Produktion kaum hinterher, müsse auch nebenbei noch E-Mails und Anrufe beantworten und den Facebook-Auftritt betreuen. Manchmal, so erzählt der Jung-Unternehmer, müssten Anfragen eine Woche auf Antwort warten, so viel habe er zu tun.

Deshalb möchte Karacsonyi auch die Produktion abgeben. Für ihn muss es nicht Handarbeit sein, die Qualität sei das Wichtigste: "Wenn ich einen Produzenten finden kann, der das genauso gut oder sogar besser herstellen kann, würde ich das sofort aus der Hand geben. Dann hätte ich mehr Zeit, um mich um andere Sachen wie die Entwicklung neuer Boards zu kümmern." Seinen Innovationsgeist, der Thelen so gut gefiel, will sich der Österreicher durch die Auslagerung der Produktion dann auch erhalten. "Ich habe mir vorgenommen, nicht den gleichen Fehler zu machen wie andere Skateboard-Firmen, nämlich aufzuhören zu entwickeln und jahrelang dasselbe Produkt zu verkaufen, nur mit neuen Designs." Ab dem Frühjahr 2016 will er dann in anderen Shops vertreten sein.

Mit Thelen habe Karacsonyi immer noch Kontakt, wenn auch nicht mehr so intensiv wie am Anfang. Für Frank Thelen sei es einfach eine Leidenschaft, dass er ihm helfe. Der habe als Investor ganz andere Projekte als seines, erklärt Karacsonyi. Für ihn fällt das Fazit seines Auftritts bei "Die Höhle der Löwen" eindeutig aus: "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, so eine Chance werde ich nie wieder bekommen."

Mobile Garden: Pflanzen zum Mitnehmen

Eine ähnliche Geschichte wie Peter Karacsonyi können auch Christian Atz und Akiko Takahashi erzählen. Sie haben sich mit ihrem Start-up "Mobile Garden" bei "Die Höhle der Löwen" präsentiert. Die beiden verkaufen kleine zusammengefaltete Blumentöpfe zum Herumtragen, Verschenken oder einfach für zu Hause. Es gibt zwei Versionen: ein fertig zusammengefalteter Topf mit Pflanze und ein Do-It-Yourself-Kit mit Samen inklusive.

Bei der Show stießen sie mit ihrer Idee auf offene Ohren und geöffnete Geldbeutel. Vural Öger und Judith Williams gaben ein gemeinsames Angebot ab, Jochen Schweizer wollte auch investieren. Am Ende setzte sich Schweizer durch. Sein Angebot: Mobile Garden sollte 20.000 Euro als zinsloses Darlehen in Form einer Wandelschuldverschreibung bekommen, weitere 20.000 Euro wollte Schweizer einer sozialen Organisation spenden. Sollten Atz und Takahashi die 20.000 Euro nicht zurückzahlen können, bekäme Schweizer 25,1 Prozent Firmenanteile.

Der Deal nach dem Deal

Diese Anteile hätten Schweizer zwar eine Sperrminorität - also erhebliches Mitspracherecht im Unternehmen - gesichert. Doch das war den beiden Gründern zum damaligen Zeitpunkt egal, wie Christian Atz erzählt: "Wir waren damals so selbstbewusst, dass wir uns gesagt haben: Selbst wenn wir es nicht schaffen, das Geld zurück zu zahlen, tut es uns auch nicht weh, die 25,1 Prozent abzugeben. Einfach, weil wir es nicht geschafft haben, Mobile Garden zum Erfolg zu führen."

Deshalb haben sie sich am Ende für das Angebot von Schweizer entschieden. "Damit hätten wir die Freiheit gehabt, Mobile Garden so fortzuführen, wie wir möchten. Gleichzeitig hätten wir die Möglichkeit gehabt, auch diesen Baum-Mobile-Garden von Herrn Schweizer umzusetzen und zusätzlich von ihm als Vertriebskanal und als Person zu profitieren." Doch zu einer Zusammenarbeit sollte es nicht kommen. "Nach der Aufzeichnung aller Shows hatten wir ein Treffen in München mit dem Team der Risikokapitalgesellschaft von Herrn Schweizer. Dort haben wir dann die Details besprochen und mehrere Wochen im Nachhinein geklärt, dass es nicht zu einer Zusammenarbeit kommt", berichtet Christian Atz über die Verhandlungen. Mehr will Atz nicht verraten.

"Die Höhle der Löwen" - ein Erfolg auch ohne Deal

Mit einem Deal hat es zwar nicht geklappt, Jochen Schweizer hat aber trotzdem einen Teil der Verabredung eingehalten - wenn auch nicht so, wie in der Show versprochen. "Es wurde letztlich keine Spende daraus, sondern eine Marketing-Aktion. Aber zumindest hat es die Welt ein bisschen grüner gemacht, erklärt Atz und meint damit das Baum-Projekt, bei dem Jochen Schweizer 2.500 Mammutbaum-Setzlinge gespendet und an die ersten 2.500 Besucher seiner Webseite kostenlos abgegeben hat.

Dass es am Ende nicht zu einer Zusammenarbeit gekommen ist, ist für Atz aber kein Beinbruch und gehört für den Juristen zum Geschäftsalltag. Außerdem habe der Sender Vox von Anfang an transparent gemacht, dass eine solche Show eigentlich nur eine Plattform sein kann, um Investoren kennenzulernen. Die Teilnahme bei der Show ist für ihn aber dennoch ein voller Erfolg: "Wir sind beide eigentlich Freiberufler, legen unsere Arbeit aber zugunsten von Mobile Garden gerade ein wenig auf Eis. Weil die Bestellungen sehr hoch sind und wir dieses Sprungbrett der Show nutzen wollen, arbeiten wir gerade Vollzeit an Mobile Garden."

"Es war eine Freude, 'Die Höhle der Löwen' mitzuerleben"

Dass alleine die Präsentation in der Show besagtes Sprungbrett sein kann, haben die beiden Gründer schon am Abend der Ausstrahlung gemerkt. "Wir haben die Show geguckt und parallel das Analyse-Werkzeug für unsere Webseite offen gehabt, um zu sehen, was passiert. Und tatsächlich hat unser Webshop an dem Abend aufgrund der vielen Zugriffe - bis zu 45.000 Besucher gleichzeitig - den Geist aufgegeben. Wir hatten die Server-Kapazität zuvor zwar noch einmal erhöht, aber trotzdem konnten manche Bestellungen aufgrund der Masse nicht angenommen oder bestätigt werden."

Seitdem sind die Bestellungen nicht weniger geworden. Ein Unternehmen mit Massenproduktion will Mobile Garden laut Atz aber nicht werden, die Firma soll organisch wachsen. Deutschland als Produktionsstandort und die Nähe zum Kunden seien den beiden Gründern sehr wichtig. Trotzdem können sie aufgrund der hohen Nachfrage nicht mehr alles nur zu zweit machen und suchen deshalb Partner.

Der wirtschaftliche Erfolg und die größere Bekanntheit sind für Takahashi und Atz aber nicht der einzige Grund, warum sie froh sind, bei der Show mitgemacht zu haben, wie Atz erzählt: "Alleine die Fernsehaufnahmen waren schon ein sehr interessantes Erlebnis und auch das Produktionsteam von Sony Pictures war supernett. Es war eine Freude, so etwas zu erleben und mit den anderen Teams mitzufiebern."