"Den schmeiß ich raus!" Ausraster in der "Höhle der Löwen"

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Wenn es still wird in der "Höhle der Löwen", kann das zwei Gründe haben. Einer ist gut für die Gründer: Die Investoren taktieren. Mehrere haben Interesse. Wer bewegt sich als Erster? Wer macht das erste Angebot? Der andere Grund ist schlecht: Die "Löwen" holen tief Luft, um ordentlich laut und lange zu brüllen. In Folge zwei der fünften Staffel "Die Höhle der Löwen" kamen beide Situationen vor, wie unsere Galerie zeigt. © teleschau - der mediendienst GmbH

Frank Thelen war böse! Sehr böse! "Du willst mich jetzt verarschen, oder?", motzte er eine junge Gründerin an. "Den nächsten, der mir so was sagt, schmeiß' ich raus!", drohte er. Was hatte den Investor so aus der Fassung gebracht? Bei wem kann Carsten Maschmeyer nicht nein sagen? Und warum hat Ralf Dümmel keine Karriere als Winnetou gemacht? Unsere Galerie verrät's!
Ganz handzahm waren alle Gründer bei ihm: Rudolf Wild war mit seinen 79 Jahren der älteste Gründer, der bisher vor die "Löwen" trat. Allein das nötigte den Investoren schon Respekt ab. Die "Ruwi Multiharke 4 in 1" des Oberfranken überzeugte außerdem.
"Davon können sich die jungen Leute, die hier ankommen - teilweise dicke Hose, nix dahinter -, eine Scheibe abschneiden!", lobte Milliardär Maschmeyer (links) und forderte sogleich Mengenrabatt: "Ich würde meine ganzen Gärtner damit bewaffnen!" Hobbygärtnerin Judith Williams (links) war auch ganz aus dem Häuschen: "Es ist toll, Menschen kennenzulernen, die in Ihrem Alter Visionen haben!"
Dann schlug Handelsmogul Ralf Dümmel zu: "Wir beide sind über 130 Jahre alt. Ich hoffe, der liebe Gott macht mir das Geschenk, dass ich mit 79 noch so aktiv bin. Wir werden Ruwi zum riesen Erfolg führen - in jeden Baumarkt rein. Bitte nehmen Sie mich!" Natürlich nahm Rudolf das Angebot an: "Ich werde diesen Moment nie vergessen. Mir kommen fast die Tränen."
Zum Heulen ist auch das folgende Thema: "Pro Jahr werden 900.000 Infektionen in Krankenhäusern übertragen, und davon sterben jährlich circa 30.000 Patienten", erklärte Dr. med. Konstantin Altrichter (rechts) den "Löwen". Gemeinsam mit Wirtschaftsingenieur Karl Hartmann will der Rostocker Krankenhauskeime verhindern und Menschenleben retten.
Ihre Erfindung: "daisygrip", ein innovativer Venen-Stauschlauch, mit dem die Blutentnahme hygienischer und schneller erfolgen soll als bisher. Maschmeyer in der Zwickmühle: "Sie haben sich einen Vertriebs-Markt ausgesucht - schlimmer geht es nicht", seufzte er. "Ich möchte eigentlich nein sagen!" Stille!
"Sie können wirklich ein Life-Changer sein. Wenn Sie nur einen Menschen retten, der nicht stirbt. Ich könnte es nicht übers Herz bringen, nein zu sagen." Mehr Prozente einzufordern, war allerdings kein Problem für den "Löwen". Mit 25 statt 10 Prozent für 100.000 Euro gab es einen Deal.
Die Brüder Micha und Jona Neubert hatten da weniger Glück. Tierschützerin Dagmar Wöhrl war zwar sehr interessiert an ihrem Gesundheits- und Aktivitätstracker für Hunde, "furryfit", doch am Ende konnte sie sich nicht dazu durchringen zu investieren: "Da ist noch zu viel aufzubauen!"
Größtes Manko: Ein GPS zum Wiederfinden entlaufener Tiere ist noch nicht integriert. Carsten Maschmeyer (links) hatte weitere Punkte. Natürlich, die Bewertung war ihm zu hoch. Und außerdem: "Mir fehlt Ihre Begeisterung!"
Nahezu ekstatische Zustände lösten dagegen Diana Hildenbrand und Constantin Feistkorn aus Berlin im Studio aus. "Spooning Cookie Dough" heißt ihre Keksteig-Kreation ohne Ei, ohne Backpulver und mit einem speziellen Mehl, die beim Schlemmen nicht zu Bauchschmerzen führen soll. "Von unserem Keksteig kann man so viel essen, wie man will."
Ralf Dümmel im Keksteig-Himmel: "Meinen Sie nicht, dass es besser wäre, wenn ich alle acht Sorten probiere?", forderte er bei der Verkostung, traute sich aber nicht an die Teig-Bar heran: "Es ist besser, dass ich nicht nach vorne komme. Habt ihr auch größere Becher?"
Einsatz Spielverderber Frank: "Ich habe das Problem, dass ich auf meine Kalorien achten muss", erklärte er. "Mich spricht es auch von der Konsistenz her nicht an. Vielleicht bin ich auch falsch programmiert." - "Jeden Tag darf ich das nicht essen. Sonst verwandele ich mich in einen Elefanten", gestand Williams (links).
Damit war der Keks-Rausch vorbei. Bei fast allen. Getuschel zwischen Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel. Dann: ein Angebot. "Morgen machen das andere auch. Eigentlich habt ihr nur eine Chance: richtig, richtig groß!", konstatierte Dümmel. 38 Prozent am Unternehmen riss sich das "Löwen"-Duo unter den Nagel.
Apropos: Nägel, Schrauben oder Werkzeug sind beim Aufbau der Möbel von "Pazls" nicht nötig. Die Gründer Julian Bäßler (30), Thomas Poddey (30) und Phillip McRae (30) haben einen patentierten Magnet-Mechanismus entwickelt. Ein weiterer Clou: Über ihre Website kann der Käufer via Konfigurator sein Möbelstück individuell zusammenstellen.
Die drei ehemaligen Schulfreunde sehen sich als "Pure Online Player". Der Möbelhandel sei zu konservativ. Einspruch Dümmel: "Da muss ich den Möbelhandel verteidigen. Ich komme aus Bad Segeberg. Da wird man entweder Winnetou oder Möbelverkäufer. Ich habe mich aufgrund meiner kurzen Haare für den Möbelverkäufer entschieden."
Dann wurde es still: "Keiner sagt was: Das ist kein schlechtes Zeichen!", erklärte Dümmel. "Das ist interne Taktiererei zwischen den Löwen", gestand Thelen. Und der ließ Dagmar Wöhrl erst mal den Vortritt: "Ich habe natürlich an unsere ganzen Hotels gedacht." 400.000 Euro wollte sie investieren - für 25 statt 20 Prozent am Unternehmen.
Thelen legte mit dem gleichen Angebot nach und zog seinen Nerd-Joker: "Ihr braucht jemanden, der ein individuelles Shopsystem aufbaut. Ich würde das gerne mit euch großmachen!" Eigentlich wünschten sich die Gründer ein Joint Venture mit Thelen und Wöhrl, doch sie hatten offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht: "Der Thelen muss dabei sein. Kein Pokern!"
Ja, man sollte Frank Thelen nicht auf die Füße treten. Diese schmerzliche Erfahrung musste auch Österreicherin Kimberly Lang (rechts) aus Neusiedl am See machen. Zunächst aber nahm Mode-Expertin Judith Williams die Kreation der 27-Jährigen auseinander: "Trinity", ein Zippverschluss-System, mit dem man Oberteil und Unterteil verbinden kann.
"Ich habe noch ganz andere Probleme", motzte Thelen. "Warum du 4,5 Millionen Euro wert sein sollst." Leider kam folgende Antwort: "Ich hab mir überlegt: Wie groß ist der Markt?" Betroffene Gesichter. Dann ging das Donnerwetter los: "Du willst mich jetzt verarschen, oder? Hast du noch nie 'Die Höhle der Löwen' gesehen oder irgendeinen Blogbeitrag von mir gelesen?"
"Ich sage immer: Der nächste Gründer, der mir sagt: 'Weil der Markt so groß ist, ist meine Firma so viel wert!', den schmeiß ich raus! Das ist ganz schwach. Sechs, setzen!" Ralf Dümmel legte nach: "Gegenüber anderen Menschen, die ein ganzes Leben lang arbeiten, finde ich das vermessen!" Zum guten Schluss noch Herr Maschmeyer (Bild): "Man sagt ja manchmal: Frechheit siegt. Ich glaube, hier hat Frechheit verloren!"
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