"Independence Day" & Co.: Hollywoods schönste Zerstörungs-Orgien

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Aliens, Naturkatastrophen, Monster oder Meteoriten - Zerstörungsorgien sind Hollywoods Hobby. Die Galerie zeigt, wo die Welt am schönsten kaputtgeht. © teleschau - der mediendienst GmbH

Die Bedrohung kommt von oben: Katastrophen-Experte Roland Emmerich setzt in "Independence Day: Wiederkehr" seinen größten Erfolg fort. Diesmal kehren die Außerirdischen mit einem Megaoschi von Raumschiff zurück - und haben wieder nicht die Absicht, gemütlich mit den Menschen Tee zu trinken. Schlecht für die Leute im Film, ein Glücksfall für alle Kinobesucher.
Denn das Sequel zum Kult-Katastrophen-Werk bietet ein Inferno sondergleichen: Die überaus wütenden Aliens besitzen mehr Feuerpower denn je. Und dementsprechend sehen unsere Städte dann auch aus. Ein visueller Genuss für jeden Zerstörungs-Freund.
Der Beginn einer Ära: Vor 22 Jahren sah die Alieninvasion aus heutiger Sicht ein wenig bescheidener aus. Mit "Independence Day" gelang Emmerich 1996 der Durchbruch. Die damals noch ohne CGI, sondern mit Modellen umgesetzten Effekte wirkten Mitte der 90er revolutionär - und die legendäre Vernichtung des Weißen Hauses per Strahlenkanone gilt ohnehin als eine der Kultszenen der Kinogeschichte.
Überhaupt: Die Zerstörung amerikanischer Symbole ist - trotz des bitteren Beigeschmacks nach 9/11 - wohl eine Lieblingsbeschäftigung Emmerichs sowie des Katastrophengenres überhaupt. In Emmerichs "The Day After Tomorrow" trifft es New York, das samt Freiheitsstatue unter einer riesigen Flutwelle begraben wird. Schuld sind diesmal aber nicht fiese Außerirdische, sondern einzig und allein wir selbst ...
Der Grund für die Weltzerstörung ist der menschengemachte Klimawandel, der im durchaus kritisch gemeinten Desaster-Werk für Tsunamis sowie eine neue Eiszeit sorgt. Natürlich bietet dies den perfekten Anlass für eine coole Zerstörungsorgie. Es ist aber auch ein zu schönes Bild: Die durch New York rollende Flut als Inbegriff der Zerstörung unserer hochtechnisierten Zivilisation durch die Kraft der Natur.
Wer in Emmerichs "2012" Schuld am Desaster ist, lässt sich nicht ganz sagen: Ist ja auch egal, denn die Erde geht in dem beeindruckend bebilderten Spektakel so oder so unter. Durch eine von den Mayas vorhergesehene Kontinentaldrift und eine Pol-Verschiebung kommt es auf der ganzen Welt zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen und - der Klassiker - Tsunamis. Hier fällt Las Vegas wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Hilflos sieht die Menschheit mal wieder dem Weltuntergang entgegen ...
Vulkane brechen aus, es regnet Feuer - und mittendrin das Wohnmobil, dass den Untergang natürlich irgendwie übersteht: "2012" geizt nicht an mannigfaltigen Möglichkeiten, den Weltuntergang in Szene zu setzen. Sozusagen ein Best-of aus Emmerichs Wundertüte. Der Wahlkalifornier ist zwar der König der Kino-Katastrophe - aber nicht der einzige Genre-Vertreter ...
Einstürzende Neubauten sind Emmerichs Spezialität: Mit dem rettenden Flugzeug jagt die obligatorische Heldentruppe in "2012" unrealistisch über die wegbrechenden Städte hinweg. Das Ziel: Eine zunächst geheime Arche, mit der die wohlhabende Schicht der Gesellschaft sich zu retten versucht. Bei all dem oberflächlichen Kaputtmachwahn Emmerichs: Ein wenig Gesellschaftskritik findet sich beim gebürtigen Schwaben immer.
Bescheidener als Emmerich geben sich reine Naturkatastrophenfilme wie "Twister" aus dem Jahr 1996. Darin zerstört ein gefährlicher Tornado zwar ganze Städte. So richtig Weltuntergangsfeeling kommt bei den vergleichsweise harmlosen Windchen aber nicht auf. Dafür braucht es schon größere Geschütze ...
Vom Himmel hoch, da kommt der Weltuntergang her - auch in "Deep Impact". Aliens sind es im modernen Klassiker von 1998 allerdings nicht, die den Blauen Planeten bedrohen. Nein, ein herabstürzender Meteor könnte alles Leben auf der Erde vernichten. Mit dabei: Der gute alte Tsunami, der in Mimi Leders Katastrophen-Szenario so etwas wie seine Leinwandpremiere feierte.
Es ist aber auch wirklich eine unangenehme Sache: Ein riesiger Komet knallt auf die Erde und löst eine gewaltige Flutwelle aus. Die coolen Effekte beeindruckten Ende der 90er das Publikum - und sorgten aufgrund ihrer Realitätsnähe zugleich für Bedrückung. Es folgte eine öffentliche Debatte über das mögliche Szenario Kometeneinschlag und ein fast schon eigenes Genre dazu. Fun Facts: Morgan Freeman etablierte sich in "Deep Impact" als Kino-US-Präsident und der junge Elijah Wood empfahl sich als verletzlicher und mutiger junger Held für seine Frodo-Rolle drei Jahre später.
Meteoriten schön und gut. Dass die größte Bedrohung von oben aber immer noch menschengemacht ist, zeigt einer der größten Klassiker des Katastrophen- und Zerstörungsgenres. Eindringlich zeigt der Film "The Day After - Der Tag danach" die möglichen Folgen eines Atomkrieges am Beispiel von Kansas City. Inmitten des Kalten Krieges und der Antiatomkraftbewegung traf der hochgelobte TV-Film im Erscheinungsjahr 1983 den Nerv der Zeit. Später wurde Hollywood die eigentlich wahrscheinlichste Möglichkeit des Weltuntergangs aber zusehends langweilig ...
Außergewöhnlichere Bedrohungen mussten her: In "The Core - Der innere Kern" zerstört sich die Erde von innen - der Erdkern dreht sich nicht mehr. Das hat dramatische Folgen - zunächst natürlich standesgemäß und effektvoll inszeniert auf Wahrzeichen wie die Golden Gate Bridge. Der Desasterfilm von 2003 basiert auf einem Romanklassiker von Jules Verne - an die Emmerich-Kracher kam er aber nicht im Ansatz heran.
Logisch: Der Master of Disaster, wie Emmerich gern liebevoll genannt wird, wurde natürlich weitere unzählige Male kopiert: Eine der besseren Versuche, seine Effektorgien zu erreichen, war 2010 "Skyline": Wie in "Independence Day" invadieren Aliens darin die Erde und schweben über den Städten - wollen in dieser Version die Menschen allerdings mithilfe des blauen Lichts in ihre Raumschiffe locken - denn sie brauchen dringend Gehirne. Dass die Regie bei zwei CGI-Experten lag, merkt man dem Epos an: Grandiose Special Effects treffen auf hohle Handlung und blasse Figuren. Emmerich-Kopie gelungen, kann man also sagen.
Auch Emmerichs wohl größter Konkurrent im Zerstörungsbusiness, Michael Bay, zerlegt natürlich vor allem US-Städte: In seiner "Transformers"-Reihe fallen die Wolkenkratzer wie Streichhölzer zusammen, wie hier im dritten Teil "Die dunkle Seite des Mondes" dank überdimensionierter Roboter, die sich effektvoll bekriegen. Mit "Armageddon" lieferte Bay 1998 auch einen gefeierten Beitrag zum Meteoriten-Einschlags-Genre.
Dass Weltkaputtmachorgien nicht nur von hochtechnologisierten Aliens, schlimmen Naturkatastrophen oder menschlichem Selbstzerstörungsdrang ausgehen müssen, zeigte 1998 eindrucksvoll abermals Roland Emmerich: Mit "Godzilla" ließ er ein klassisches Monster aufleben, das schon in den 50er-Jahren im japanischen Kino Städte plattmachte. Diesmal traf es New York - im 3D-Remake von 2014 dann San Francisco.
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