Mario Barth, Chris Tall und Oliver Pocher in einer Show – auf dem Papier klingt das nach einem kurzweiligen Fernsehabend. Bei der dritten Folge von "Der König der Kindsköpfe" am Dienstagabend schwankten aber entweder das Niveau oder der Unterhaltungswert, so dass man am Ende froh war, als das Ganze vorbei war.

Christian Vock.
Eine Kritik

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Ein Kindskopf, so verrät es ein bekanntes Nachschlagewerk, ist jemand, "der sich kindisch benimmt, der zu Albernheiten, Kindereien neigt". Wenn in einer Fernsehshow der "König der Kindsköpfe" gesucht wird, dann kann man also schon einmal davon ausgehen, dass es hier mit allerlei Unsinn zugehen wird.

Wenn man dann aber noch weiß, dass der Titel unter Mario Barth, Chris Tall und Oliver Pocher vergeben wird, dann wird der Unsinn mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einem groben Unsinn werden. Mario Barth hat sich mit seinen "Mario Barth deckt auf"-Formaten einen Namen als Fakten -Vereinfacher gemacht und Oliver Pocher ist auch nicht dafür bekannt, ein Virtuose am humoristischen Florett zu sein.

Und auch wenn bei Chris Tall Schlagfertigkeit immer noch vor Hau-drauf-Humor kommt, ist die Befürchtung, es beim "König der Kindsköpfe" mit viel grobgeschnitzem Humor zu tun zu bekommen, nicht ganz aus der Luft gegriffen. Das muss aber erst einmal nichts Schlechtes sein, ganz im Gegenteil. Wenn nicht gerade sämtliche Niveau-Grenzen unterschritten werden, darf es in Zeiten wie diesen auch mal stumpfe Unterhaltung sein, um ein wenig von der Realität abgelenkt zu werden.

"König der Kindsköpfe": Klischees und Verbalaussetzer

Zumindest in der Theorie. In der Praxis hätte es am Dienstagabend hier und da gerne etwas niveauvoller zugehen können. Nachdem sich Chris Tall in den ersten beiden Ausgaben gegen seine Kontrahenten durchsetzen konnte, übernimmt der Comedian diesmal die Rolle des Moderators.

Also müssen nun Oliver Pocher und Mario Barth in verschiedenen Varianten von RTL-Shows gegeneinander antreten, zum Beispiel beim "Super TALLent".

Oliver Pocher hat sich dazu als dritter Ehrlich-Brother verkleidet und versucht die Zuschauer mit einer kleinen Zauber-Einlage von sich zu überzeugen. Das war so weit auch einigermaßen lustig, bis zu dem Moment, als Pocher bei einem Trick darum bittet, sich vorzustellen, dass ein Kind an eine Laterne gebunden wird, denn "das ist das Beste, was man mit diesen Drecksbratzen machen kann." Nun kann sich jeder in der Aufregung mal im Ton vergreifen, nur lustig sind solche Sprüche eben nicht.

Mario Barth macht es im Anschluss aber auch nicht wirklich besser. Zuerst holt er kleine Hunde und Katzen ins Studio, um von sich zu überzeugen. Um das zu toppen, hat er "für die weiblichen Zuschauer etwas vorbereitet", woraufhin Stripper in Fantasiepolizeiuniformen auf der Bühne die Oberhemden fallen lassen. Nun hat Mario Barth in seinen Shows ja schon so ziemlich jedes Geschlechter-Klischee totgeritten, aber so unoriginell war sein Humor selten.

Bis dahin also ein unterhaltungstechnisch wirklich kümmerlicher Einstand in die dritte "Kindsköpfe"-Folge, doch zum Glück wurde es zunächst ein wenig besser. Beim Spiel "Alles Wasser zählt" müssen Pocher und Barth in einer Plexiglasarena so viel Wasser wie möglich sammeln, das unvorhersehbar aus allen erdenklichen Ecken der Arena geschossen kommt. Kommentator Elmar Paulke muss die beiden zwar zu etwas mehr Bewegung anheizen, aber immerhin gab es diesmal keine Verbalaussetzer.

Mario Barth gewinnt viel zu langes Duell

Und so schleppt sich der Kampf der Kindsköpfe mal unterhaltsam mal nicht, mal stumpf, mal weniger stumpf durch den sehr langen Dienstagabend. Beim Spiel "Gutes Reiten, schlechtes Reiten" müssen Pocher und Barth so viel wie möglich trinken und dabei auf Pferden im Kreis reiten. Wer zuerst auf die Keramik muss oder nicht mehr trinken kann, verliert. Mit einem Bäuerchen und anderen Geräuschen verabschiedet sich Pocher als Erster Richtung Plumpsklo.

Bei "Make me Out" sollen Barth und Pocher dann Kerzen mit einer Frisbee-Scheibe löschen und bei "Frauenrausch" Begriffe erraten, die zuvor von angetrunkenen Frauen umschrieben wurden. Ein hervorragender Beweis, dass Spiele nicht lustig sein müssen, nur weil sie aus einem soliden Wortspiel entstanden sind. Nach diesem Spiel liegt Mario Barth um kurz vor halb elf bereits deutlich in Führung und so hätte der Abend an dieser Stelle auch gerne enden können. Tat er aber nicht.

Es folgen Sachen stapeln, eine Führerscheinprüfung, eine Art Gedächtnisspiel und irgendwann auch der finale Kindskopf-Biathlon bis dann nach einem viel zu langen Abend, um kurz nach Mitternacht, klar ist, dass zum einen Mario Barth das Duell mit Pocher gewinnt und zum anderen, dass es zwar einige Kindskopf-Albernheiten gab, aber dazwischen viel zu wenig gute Fernsehunterhaltung.