Hans im Glück: Obwohl die Jury Minh-Khai Phan-Thi nach Punkten vorne sah, wollte das Publikum beim Finale von "Let's Dance" lieber den Ex-Kicker Hans Sarpei auf dem Tanz-Thron sehen. Doch neben all dem Glück des Siegers gab es noch diesen einen Schreckmoment, als alle den Atem anhielten.

Man mag "Let's Dance" ja so manches vorwerfen: So mag die Teilnahme des einen oder anderen Promis mehr nach Eigen-PR als nach tänzerischen Ambitionen schmecken. Es muss einem auch nicht die Moderation von Sylvie Meis gefallen, die alles und jeden klasse findet, gerne noch mit einem "super" vorne dran. Und ja, dieses ewige in die Länge ziehen mit nicht enden wollenden Rückblenden, Schnelldurchläufen und Endlosgelaber kann richtig nerven.

Und trotzdem lief gerade schon die achte Staffel der Tanz-Show und das auch noch in der XXL-Version. 16 Wochen Training, insgesamt 14 Paare, 12 Shows und über hundert Tänze bis zum Finale – so viel "Let's Dance" gab es noch nie. Irgendetwas scheinen die Zuschauer also an dieser Sendung zu lieben. Das gestrige Finale zeigte, was Deutschland an dem Promi-Tanzen so mag.

Das Tanzen

Was Millionen Frauen in Deutschland vergeblich bei ihren hüftsteifen Ehemännern versuchen, schafft die Show mit Leichtigkeit: Lust am Tanzen zu wecken. Natürlich sieht das nicht immer schön aus, was mancher Promi da aufs Parkett zaubert, aber wenn selbst Leute wie Matthias Steiner das Tanzbein schwingen können, dann sollte es der angetraute Bewegungsmuffel doch auch zum Tanzkurs schaffen. Der ehemalige Eisenbieger aus Wien entwickelte sich vom Tapsbären zum Tanzbären und schaffte es gestern Abend sogar auf Rang drei.

Die Promis

Auch wenn man nicht unbedingt jeden auf Anhieb kennt und vielleicht auch nicht alle Promis nur wegen des Tanzens bei der Show mitmachen mögen – spätestens im Finale hat sich die Spreu vom Weizen getrennt. Dann erkennt der Zuschauer, dass da richtiges Herzblut und Leidenschaft bei den Prominenten dahintersteckt. Das verleiht Authentizität und wird von den Zuschauern honoriert.

Die Klamotten

Zweifellos: Was da so mancher Tänzer anhat, würde man so nicht auf der Straße tragen. Noch nicht mal im Dunkeln. Aber das soll auch nicht der Maßstab sein. Manuel Neuer geht ja auch nicht mit Torwarthandschuhen Sushi essen. Und was haben wir da nicht schon alles gesehen: Outfits, die man nur mit sehr viel Wohlwollen noch als nicht-nackt bezeichnen kann. Was dann doch noch Stoff hat, wird gerne gerüscht, gerafft, gezogen und geschlitzt. Noch einmal mit Neonfarben drüber getüncht – und fertig. Dahingegen war am gestrigen Abend das Gladiatoren-Kleid von Minh-Khai Phan-Thi noch das Exzentrischste.

Die Jury

Ob Jorge, Motsi Mabuse oder der Herr Llambi: Jeder der drei Juroren ist inzwischen eine Institution der Show. Und auch wenn, der eine oder andere Promi-Tänzer Joachim "Haar in der Suppe" Llambi schon verflucht haben dürfte: Was wäre die Show ohne seine Sprüche, die selbst Profi-Tänzern Fragezeichen ins Gesicht zaubern dürften. Oder wüssten Sie, was der Herr Llambi gestern beim Finale mit diesen Sprüchen gemeint hat: "Wenn das Becken zu weit hinten steht, geht alles nur in den Popo". Noch einer? "Das Schöne daran war, dass du in Massimos rechtem Arm gestanden warst." Auch schön: "Du hast auch endlich mal ein paar Endpunkte gefunden in deinen Händen und Armen." Alles klar?

Das Unerwartete

Natürlich ist bei einer Vier-Stunden-Show alles ziemlich genau durchgetaktet. Trotzdem gibt es auch hier Szenen, die nicht im Drehbuch stehen. Gestern sorgte Ekatarina Leonova für eine ebensolche. Bei einer Hebung von Matthias Steiner landete sie in einer überaus unnatürlichen Fußhaltung auf dem Boden, tanzte weiter und brach dann vor Schmerzen zusammen. Moderator Hartwich erkannte die Situation blitzschnell: "Wir bräuchten mal einen Arzt, das wird ganz schnell ganz dick." Für Leonova hätte der Abend bescheidener nicht ausfallen können: Sie und Matthias Steiner werden am Ende nur Dritte und die Profi-Tänzerin muss den Abend auch noch mit Verdacht auf Knöchelfraktur im Krankenhaus ausklingen lassen.

Die Tränen-Momente

Tanzen ist Emotion. Das hat im Finale am Eindrucksvollsten Minh-Khai Phan-Thi unter Beweis gestellt. Als sie im Finale im Contemporary-Stil zu Nothing Compares 2 U tanzt, fließen die Tränen. Bei den Tänzern, im Publikum und sogar bei ihr selbst. Am Ende gibt es für die emotionale Tanznummer die volle Punktzahl von der Jury.

Tränen ganz anderer Art dürfte hingegen Hans Sarpei vergossen haben. Nach den drei Finaltänzen und der Jury-Wertung lag der ehemalige Profi-Fußballer nur auf Platz zwei hinter Phan-Thi. Doch das Publikum wollte lieber den Kicker als Sieger sehen als die Schauspielerin. Dass Sarpei der letzte Dancing Star ist, ist eher unwahrscheinlich. Warum, wissen wir ja jetzt.