So platte Polenwitze hat selbst Harald Schmidt nicht gerissen: Mit der neuen Comedy-Serie "Magda macht das schon" kehrt RTL zu bewährter Holzhammer-Komik zurück.

Eine Kritik
von Felix Reek, Freier Autor

Magda, das spricht die Hauptdarstellerin Verena Altenberger selbst mit einem langen "a" aus, also Mahgda. So wie eine Polin eben spricht. Zumindest in der Vorstellung der Deutschen. Dazu trägt sie stets hochhackige Schuhe, ist grell geschminkt und lässt in ihrem Dekolleté tief blicken. So wie alle Osteuropäerinnen. Getreu dem Klischee.

Nach ein paar Minuten von RTLs Comedy-Format "Magda macht das schon" ist klar, dass der Kölner Sender mit der neuen Serie wieder zu alten Tugenden zurückkehrt. "Rita", "Die Camper", Humor mit dem Holzhammer, schnell produziert, schnell wieder vergessen.

Ein Studio wie ein Striplokal und zwei Moderatoren, die auch nicht wissen, was sie hier sollen: RTL hat die Lieblingsshow aller Pubertierenden reanimiert. "Tutti Frutti" ist zurück und beweist eindrucksvoll, dass die Show auch heute noch so peinlich ist wie in den 90ern.

Kurz zur Grundkonstellation: Protagonistin Magda stammt aus Polen und ist Altenpflegerin. Als die Ehefrau eines ihrer Patienten Zeuge wird, wie der ihr an den Busen grapscht, kreischt sie schrill: "Sie haben ihn verführt!" Der passende Gag dazu, vorgetragen in das, was wohl ein polnischer Akzent sein soll, lautet: "Ich lehrrre seine Bettpfahne. Das macht mich scharff."

Entlassen und auf der Straße lädt Magda sich kurzerhand selbst bei Familie Holtkamp ein, deren Oma Waltraud (Hedi Kriegeskotte) mit drei gebrochenen Gliedmaßen im Bett liegt. Müßig zu erwähnen, dass die garstige ältere Dame aus Schlesien vertrieben wurde, Magda durchgängig “Polenmädchen” nennt und die beiden die Serie mit Gags wie: "Du schleichst dich hier als Nachbarin ein." "Wie die Deutschen 1939 in Polen", garnieren.

Durchgeknallte Frauenfigur mit Nazi-Witzen

Mit seiner neuen Serie wagt RTL einen seltsamen Spagat, der alles will und nichts: Stammtisch-Comedy, Sozialkritik, Naziwitze. Die Grundkonstellation von "verrücktes Huhn" mischt Spießerhaushalt auf, ist dabei so alt wie das Genre selbst. "Ein seltsames Paar", "Bezaubernde Jeannie", der französische Kinoerfolg "Ziemlich beste Freunde", die Reihe ist endlos.

Wem das Ende des Dreiteilers gefallen haben dürfte - und wem nicht.

Dieses Konzept garniert "Magda macht das schon" mit dem Typus "durchgeknallte Frauenfigur", die gerade in US-Serien in den letzten Jahren Erfolge feierten. Man denke nur an "New Girl" und "Unbreakable Kimmy Schmidt". Das allerdings mit dem Thema Altenpflege und der Ausbeutung osteuropäischer Arbeitskräfte zu kombinieren, den Mut muss man erst einmal haben.

So ambitioniert, wie das alles klingen mag, ist es aber nicht. Mit seinen großen Serienproduktionen hat RTL in den letzten Jahren nicht den gewünschten Erfolg verzeichnen können. "Deutschland '83" wurde sogar in den USA von der Kritik gelobt, doch sehen wollte es bei dem Kölner Sender niemand. Die Quoten der teuer produzierte Neuauflage von "Winnetou" brachen bereits nach dem ersten Teil über die Weihnachtsfeiertage ein.

Ein wenig Schmunzeln aber kaum Lacher

"Magda macht das schon" ist jetzt der Versuch mit Bewährtem Zuschauer zurück zu gewinnen. Zwei Jahre ist es her, da rief RTL Produzenten und Drehbuchschreiber auf, Ideen für ein neues Comedy-Format einzureichen. Das sollte an den Erfolg von Serien wie "Der Lehrer" anknüpfen. 330 Einsendungen landeten in Köln, drei von ihnen gehen auf Sendung. Das erste Ergebnis dieses Komik-Castings ist "Magda schafft das schon".

Während Folge eins der zunächst neun produzierten Episoden eher als Einleitung zu verstehen ist, geht es in Folge zwei schon deftiger zur Sache. Die Protagonistin gerät von einer Krisensituation in die nächste, täuscht einen Wasserrohrbruch vor, lügt sich durch ihren Chaosalltag. Für einen wirklichen Schenkelklopfer taugt das nicht, aber zumindest das ein oder andere Schmunzeln. Wenn nur nicht dieser dämliche gekünstelte polnische Akzent wäre.