Fan-Liebe in Zeiten des Corona-Virus': In der neuen Sat.1-Show "United Voices" gibt Sarah Lombardi ihr Debüt als Moderatorin. Dort singen Fans zusammen mit ihren Idolen und das ist wenig überraschend eher was für Fans.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

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Sarah Lombardi ist gerade einmal 27 Jahre alt und hat in ihrer Karriere schon mehr von ihrer To-do-Liste gestrichen, als andere überhaupt auf so einer Liste stehen haben: Teilnahme bei "Deutschland sucht den Superstar", eine medienwirksame Vermählung mit Pietro Lombardi, eine medienwirksame Trennung von Pietro Lombardi und eine angefangene Karriere als Sängerin und Unterhaltungsshowteilnehmerin.

Nun kann Sarah Lombardi auch bei Moderatorin ein Häkchen machen. Zusammen mit Jochen Schropp moderiert Lombardi nämlich die neue Sat.1-Show "United Voices" und – um hier schon einmal die Luft rauszulassen - Lombardi macht das ganz passabel.

Zugute kommt der Kölnerin zum einen, dass sie sich die Arbeit mit ihrem Kollegen Schropp und den anderen prominenten Gästen teilen kann, zum anderen, dass "United Voices" in ein relativ starres Korsett mit Geplauder, Gesang und ganz viel Einspielfilmchen gezwängt ist.

Die Show stammt aus Korea und, der Untertitel deutet es an, soll "das größte Fan-Duell der Welt sein". Konkret bedeutet das, dass bei "United Voices" pro Folge zwei Musikstars ihre Fans aufrufen, bei der Show mitzumachen.

Die Fans wiederum studieren dann, erst alleine zu Hause, dann gemeinsam, zu jeweils drei Liedern Choreografien ein, die sie dann im Studio gemeinsam mit ihren Idolen vorführen.

"United Voices": Sido gegen Sasha

Die Stars, in Ausgabe eins sind das Sasha und Sido, wissen nicht, was die Fans einstudiert haben, was der Show ein bisschen Spannung und der Reaktion der Stars ein bisschen Authentizität verleihen soll. Und da das Ganze ja ein Duell ist, gibt es in jeder der drei Runden Punkte. Einmal dafür, wie viele Fans dem Aufruf ihrer Stars gefolgt sind, in den Runden zwei und drei verteilt dann eine Jury Punkte für die Leistung der Fans.

Und weil mit Lombardi, Schropp, Sasha und Sido noch nicht genug Menschen auf der Bühne sind, hat man sich gedacht, dass jeder Sänger noch einen Paten an seiner Seite braucht. Deshalb sind für Sasha noch Comedy-Autor Micky Beisenherz und Comedian Teddy Teclebrhan für Sido dabei.

Welche Aufgabe die beiden allerdings ganz konkret in der Show haben, konnte während des gesamten Abends nicht so recht geklärt werden.Das war aber auch nicht unbedingt wichtig, denn zum einen war das insgesamt eine respektable Ansammlung von Leuten, die gewohnt sind, Zuschauer zum Lachen zu bringen – was für eine Unterhaltungsshow nicht der allerschlechteste Charakterzug ist.

Zum anderen sollen laut Off-Sprecher ohnehin die Fans "der wichtigste Teil der Show" sein. Und das waren sie auch.

So wichtig, dass eine nicht unerhebliche Zeit für Einspielfilmchen über die Anhänger von Sido und Sasha draufging. Die erzählten dann das, was Fans eben so erzählen: wie wichtig ihnen die Stars und deren Musik sind, dass sie zur Familie gehören, auf wie vielen Konzerten sie schon waren und so weiter. Das ist mal lustig, mal rührend, mal uninteressant und manchmal auch ein bisschen Angst einflößend.

"United Voices": Gesungen wurde auch noch

Wenn zum Beispiel ein Sido-Fan über sein Idol sagt: "Ich kenne alles von ihm" und damit nicht nur die Liedtexte meint, sondern eben wirklich alles andere. Nicht umsonst hat er sich auch die gleichen Tattoos wie sein Idol stechen lassen. Aber auch wenn das ein bisschen spooky ist, so gehört diese Fan-Nähe eben zum Konzept der Show, weshalb Sido dem jungen Mann auch die restlichen Tattoos spendiert.

So viel also zum "United"-Teil, zum Glück gab es aber auch einen "Voices"-Teil. Über den behauptet Moderator Jochen Schropp: "Es geht total ab hier und das wird auch den ganzen Abend so gehen."

Etwas weniger enthusiastisch könnte man aber auch sagen: Sido und Sasha singen zwei Stunden lang mit ihren Fans ihre Lieder.

Was dabei herauskommt, ist viel Händewinken und viel Klatschen auf die Zwei und so sah das Ganze gerade in Runde eins noch ein bisschen aus wie ein Gebärdensprache-Seminar. Doch je anspruchsvoller die Choreografien wurden, desto runder wurde auch der eigentliche Showteil und bei dem stand ja dank der Teilnahme von Sido die eine oder andere Überraschung zu befürchten.

Wer mit dem Œuvre des Berliner Rappers nicht ganz so vertraut ist: Sidos Texte können zum Teil erheblich expliziter sein, als es Songs wie "Bilder im Kopf" suggerieren. Aber auch Sido ist erwachsener geworden und so sangen Sidos Fans, von Teclebrhan angestachelt, lediglich ein Kennern bekanntes "Da dadada daaaa da" aus Sidos Frühwerk.

Und wie war nun Sarah Lombardi?

Doch so sehr man sich bei Sido daran gewöhnen musste, dass da der einst härteste Typ in seinem Block auf einmal in einem Sat.1-Studio steht und mit seinen Fans seine Lieder zu einer Choreografie rappt, so überraschend wenig war man von der Moderationsleistung von Sarah Lombardi überrascht, denn für ein Debüt war das im Großen und Ganzen doch recht okay.

Klar hielt sich die Kölner Sängerin am Anfang noch sehr an ihren Moderationskarten fest und überließ die spontanen Aktionen ihrem erfahreneren Kollegen Jochen Schropp, aber je länger das Ganze dauerte, umso sicherer wurde Lombardi.

Ob man allerdings bald jede der drei im Oktober 2019 aufgezeichneten Shows sehen wird, ist ungewiss. Auf der Sat.1-Webseite der Show ist noch zu lesen, dass am 20. März The BossHoss und Angelo Kelly gegeneinander antreten werden, doch stattdessen wird dort „Harry Potter“ zu sehen sein. Sat.1 hatte nämlich entschieden, erst einmal nur eine Folge zu zeigen.