"Das Supertalent" bekommt eine neue Jury: Neben Pop-Titan Dieter Bohlen wird offenbar wieder Laufsteg-Ulknudel Bruce Darnell Platz nehmen. Angeblich sucht RTL nun verzweifelt nach einem weiblichen Ersatz für die schwangere Michelle Hunziker, Gerüchten zufolge sollen künftig sogar vier Juroren über die "Talente" richten. Doch was müssen potenzielle Anwärter mitbringen, um es in eine TV-Jury zu schaffen?

Gutes Aussehen, eine stockende Karriere und das dringende Bedürfnis nach Rampenlicht: In den Anfängen der Castingshows saßen in den Jurys eher unbekannte Experten, wie zum Beispiel Musikmanager Thomas Stein oder Musikjournalistin Shona Fraser in der ersten DSDS-Staffel. Doch die Produzenten haben schnell gemerkt, dass bekanntere Persönlichkeiten mit hohem Wiedererkennungswert für bessere Einschaltquoten sorgen können.

Juror werden nach stockender Karriere

Für Stars im Karriere-Tief kann sich der Nebenjob als Jury-Mitglied auszahlen: Bei Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel waren die erfolgreichen "Durch die Monsun"-Songjahre längst vorbei, in den USA konnten die Brüder musikalisch kaum Fuß fassen und Charts-Erfolge blieben aus. Als RTL eine Generalüberholung von "Deutschland sucht den Superstar" wagte, holte man die beiden Teenie-Stars neben Dieter Bohlen ans Jury-Pult. Unmittelbar nach Ende der Staffel wurde schließlich - Überraschung - ein neues Album von "Tokio Hotel" angekündigt.

Auch bei Thomas Gottschalk kam das "Supertalent"-Engagement wie gerufen, nachdem seine Projekte nach "Wetten, dass..?" kläglich scheiterten. Und Howard Donald, der mit der Popband "Take That" in den 90er Jahren durch die musikalische Weltgeschichte reiste, will nach etlichen gescheiterten Projekten als Solo-Künstler zurück ins Rampenlicht. Ab dem 21. Juni sitzt er für Sat.1 bei "Got To Dance" und beurteilt junge Tänzer.

Schrille Juroren mit femininer Art gefragt

Doch nicht nur die stockende Karriere ist ein Grund, TV-Juror zu werden. Der Nebenjob gibt auch die Möglichkeit, sich als Marke einem breiten Publikum bekannt zu machen. Paradebeispiele hierfür sind Jorge Gonzalez, Bruce Darnell und Thomas Rath.

Mit ihrer schrillen und unkonventionellen Art zogen sie als (kurzzeitige) Jury-Mitglieder von "Germany's next Topmodel" die Aufmerksamkeit auf sich. Dank ihrer "attitude" haben sie einen hohen Wiedererkennungswert - und der ist Gold wert, denn je schriller der Juror, desto erfolgreicher die Show. Sowohl für Jorge Gonzalez als auch für Bruce Darnell blieb das GNTM-Engagement nicht ihr letzter Auftritt im deutschen Casting-TV.

Exotischer Akzent? Unbedingt!

Spätestens seit Sylvie van der Vaart, Motsi Mabuse und Thomas Hayo wissen wir, dass Anglizismen, Neologismen und Akzente dabei helfen können können, Juror zu werden und es zu bleiben.

"Du bist nicht in der richtigen Shape", heißt es beispielsweise von GNTM-Juror Hayo, der übertrieben gerne englische Wörter untermischt. Und auch Profitänzerin Mabuse erfindet die deutsche Sprache in jeder "Let's Dance"-Folge neu: "Wahnsinnig gerade, wie eine grazilige Schwan". Diese charmanten Fehlerchen machen Mabuse und Co. unverwechselbar.

Fies sein zahlt sich aus

Im Prinzip lässt sich zusammenfassen: Wer Kandidaten vorführen und mit fiesen Sprüchen um sich werfen kann, hat gute Chancen auf einen Platz in der Jury. Kein Wunder, dass Dieter Bohlen mit seinen derben Sprüchen zu den Urgesteinen der TV-Juroren gehört. Der Poptitan verbildlicht mit seinen miesen Kommentaren die Talente seiner Schützlinge, wenn er bei seinem Urteil von einem Gesang spricht, der sich genauso anhört wie ein Katzenfurz. Damit macht man sich zwar keine Freunde, sorgt beim Publikum aber für Unterhaltung.

Joachim Llambi behauptet sich ebenfalls mit Erfolg in der Rolle des erbarmungslosen Juryfieslings. Dem Ex-DSDS-Kandidaten Thomas "Checker" Karaoglan sagt er bei "Let's Dance": "Du tanzt, als hättest du in die Hose geschissen."

Ob sich RTL bei der Suche nach einem neuen DSDS-Juror am gängigen Pool der TV-Juroren bedient oder tatsächlich ein "neues Gesicht" aus dem Hut zaubert, wird sich zeigen. Dass er aber einem der genannten Attribute entspricht, ist dafür sehr wahrscheinlich. (kom)