Die neue "Romantic Comedy"-Serie "Emily in Paris" lässt originelle Dialoge und Humor vermissen, verbrät dafür aber so ziemlich alle gängigen und verfügbaren Paris-Klischees. Obwohl halb Paris die Serie konsumiert hat, ist Derartiges dort nicht gern gesehen. Und das lassen die Pariser die Macher auch spüren.

Eine Kritik
von Bodo Klarsfeld

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Ganz Paris träumt von der Serie. Es sind Albträume. Denn die Einwohner der Stadt der Liebe sind wenig erfreut über den neuen Netflix-Output "Emily in Paris", den das US-amerikanische Medienunternehmen jüngst ausgespuckt hat.

"Ich hasse diese Show"

Eigentlich ist es sogar ein gewaltiger "gros merdier", also ein Shitstorm, der seither vom fuchsteufelswilden Frankreich in den Wilden Westen zieht. Twitter tobte, auf Instagram war man wütend und auch in der französischen Ecke von Facebook hagelte es Negativkritiken. "Ich hasse diese Show", konstatierte auch die Paris-Korrespondentin des "New Yorker" jüngst. Sogar jenseits des Ärmelkanals war man über das Klischee-Bombardement not amused: "Effektive Metapher für amerikanischen Imperialismus", ziselierte die Redaktion des britischen "Guardian" in das eigene Blatt.

Serie von "Sex and the City"-Macher Darren Star

"Emily in Paris" stammt von Darren Star, dem Macher von "Sex and the City", und erzählt die Geschichte der Titelheldin Emily Cooper, gespielt von Lily Collins (31), die für einen Job in einer Marketing-Agentur in Paris landet. Emily ist angetan von der Stadt an der Seine, diese jedoch keineswegs von ihr. "Hör auf, immer zu lächeln, sonst glauben die Leute, du seist dumm", bekommt sie etwa von Sylvie, ihrer französischen Chefin, zu hören. Die ist arrogant und frisst eine Zigarette nach der anderen, ist aber die einzige, die sporadisch so etwas wie Witz in die die "Romantic Comedy" bringt. Im Job läuft es für Emily zunächst alles andere als gut. Der Grund: Keiner in der Agentur braucht ein junges Ding aus Chicago, das den Altvorderen dort die "Social Media"-Welt erklären und den "American Way" vorgeben will. Chefin Sylvie ganz besonders nicht.

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Frankreichs First Lady greift Emily unter die Arme

Auch das ständige Thema "Instagram" ist ein trauriges Kapitel. Hat Emily zu Beginn noch ganze 42 Follower, so potenzieren sich diese nach jedem in Paris geschossenen und geposteten Selfie auf magische Art und Weise. Schnell eines mit Croissant vor dem Eiffelturm knipsen: Zack, hat sich die Zahl der Follower auch schon wieder verdreifacht. Als schließlich niemand Geringeres als Brigitte Macron höchstpersönlich, Frankreichs First Lady, Emilys ersten Marketing-Claim, mit dem sie eine Vaginacreme bewerben möchte, auf Instagram teilt, zeitigt dies natürlich einen Ego-Boost. Auch im Job hat man jetzt plötzlich Respekt. Auch das hat so kommen müssen, scheint’s.

Wenn Klischees in Serie gehen

"Emily in Paris" bedient nicht nur naive amerikanische Ansichten, sondern strotzt vor Klischees. So wird in Paris natürlich ständig geraucht, nie vor 10:30 Uhr gearbeitet, und freundliche Worte für ein "American Girl" gibt es in der französischen Metropole sowieso nicht. Die Serie lässt diesbezüglich nichts aus, wenngleich die Features "Haare in weiblichen Achselhöhlen" sowie "Franzosen, die sich an Froschschenkel delektieren" offenbar erst in späteren Episoden folgen. Vom echten Paris ist wenig bis nichts zu sehen, das weichgezeichnete für die Zielgruppe "16+" hingegen omnipräsent. Und sollte mal jemand fragen, ob Amerikanerinnen wirklich immer gut gelaunt sein: Die Antwort ist nein!

Fehlendes "Female Icon", zu mädchenhaft

Natürlich ist es wenig überraschend, dass "Sex and the City"-Macher Darren Star für seine neue Serie immer wieder aus der alten zitiert. Dies ist aber eindeutig zu wenig, denn "Emily in Paris" mangelt es auch an originellen Dialogen, guten Pointen, einer großen Portion Sexiness sowie natürlich an einer schlauen und toughen Protagonistin, die für Millionen jungen und mitteljungen Frauen auch das Zeug zum Vorbild hat. Nicht allzu viele Frauen werden sich an Emily anlehnen wollen.

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