"And the oscar goes to..." - jedes Mal, wenn dieser Satz bei der großen Gala im Kodak Theatre in Hollywood angestimmt wird, knistert die Luft vor Spannung. Schauspieler, Regisseure, Komponisten, Tricktechniker – sie alle sitzen und schwitzen an diesem Abend im edlen Zwirn auf ihren Plätzen und bangen und hoffen. Unter ihnen tummelt sich alljährlich auch ein kleiner Haufen Deutscher, der ebenfalls auf einen der begehrten goldenen Glatzköpfe hofft - doch das nur selten mit Erfolg.

Wer mit dem Oscar einen der wichtigsten Filmpreise der Welt ergattert, ist jemand in Hollywood. Zugegeben, der deutsche Film und die Oscars passen oft nicht zusammen. 2007 konnte Florian Henckel von Donnersmarck für sein Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" jedoch eine der begehrten Trophäen in Empfang nehmen. Seitdem brachte mit Christoph Waltz - 2011 und 2013 jeweils für eine Nebenrolle - immerhin ein deutschsprachiger Schauspieler Trophäen mit nach Hause.

Die Golden Globe Awards taugen nur bedingt als Oscar-Omen.

Ansonsten hatten deutsche Schauspieler, Filmemacher und Komponisten bisher eher wenig Glück. Vor allem Wolfgang Petersen taucht in der deutschen Oscar-Filmgeschichte als tragische Figur auf: Für seinen Film "Das Boot" nominiert in sechs Kategorien, unter anderem "Bester Regisseur" und "Beste Drehbuchadaption", ging der Filmemacher 1983 komplett leer aus. Auch für "In The Line Of Fire - Die zweite Chance", mit Clint Eastwood in der Hauptrolle und für drei Oscars nominiert, erntete der Deutsche 1994 jede Menge Anerkennung – aber erneut keinen Oscar.

Deutschland bei den Oscars 2014

Bei den 86. Academy Awards gibt es für Deutschland nur wenige Chancen auf einen Oscar. Die wohl größte Gold-Hoffnung stellen in diesem Jahr die Regisseure Max Lang und Jan Lachaue dar. Mit "Room on the Broom" (deutscher Titel: "Für Hund und Katz ist auch noch Platz") gehen die beiden Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg in der Kategorie "Animierter Kurzfilm" ins Rennen. Lang war bereits 2011 mit seinem Kollegen Jakob Schuh mit "The Gruffalo" ("Der Grüffelo") für einen Kurzfilm-Oscar nominiert, ging bei der Verleihung aber leer aus.

Pixomondo, eine deutsche Effekt-Firma, kann für seine Beteiligung am Science-Fiction-Film "Star Trek: Into Darkness" auf einen Academy Award hoffen. 2012 wurde das Unternehmen schon einmal in der Sparte "Mitarbeiter/Visuelle Effekte" für Martin Scorseses 3D-Film "Hugo Cabret" ausgezeichnet. Darüber hinaus ist der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender für seine Rolle in Steve McQueens Drama "12 Years a Slave" für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.

Mit der Bekanntgabe der Nominierungen wird das diesjährige Rennen um die Oscars endgültig eröffnet. Wer hat Chancen auf den Goldjungen?

Die bisherigen deutschen und deutschsprachigen Oscar-Preisträger:

2013 - Christoph Waltz als Bester Nebendarsteller in "Django Unchained"

2010 - Christoph Waltz als Bester Nebendarsteller für "Inglorious Bastards"

2009 - Jochen Freydank für den Kurzfilm "Spielzeugland"

2007 - Florian Henckel von Donnersmarck für "Das Leben der Anderen" als bester nicht-englischsprachiger Film.

2006 - Die Konstrukteure Hildegard Ebbesmeier, Nicole Wemken, Michael Anderer, Udo Schauss (Schneider Optische Werke, Bad Kreuznach) für die Entwicklung eines neuen Kino-Projektionsobjektivs (Technik-Oscar)

2005 - Horst Burbulla erhält für die Entwicklung eines Teleskop-Kamera-Krans einen Technik-Oscar.

2003 - Caroline Link für "Nirgendwo in Afrika" als bester nicht-englischsprachiger Film.

2001 - Florian Gallenberger für "Quiero Ser" (Ich möchte sein) als besten Kurzfilm.

1997 - Thomas Stellmach und Tyron Montgomery für den besten Zeichentrick-Kurzfilm ("Quest") sowie Volker Engel für die besten visuellen Effekte ("Independence Day").

1996 - Firma Denz in der Sparte Technical Achivement Award (Academy Certificate) für die Entwicklung einer flackerfreien Farbvideokamera.

1995 - Hans Zimmer, Komponist, für die Filmmusik zu dem Disney-Film "Der König der Löwen".

1994 - Pepe Danquart für "Schwarzfahrer" als bester Kurzfilm.

1992 - Erich Kästner erhält für sein Lebenswerk als Kamerakonstrukteur den Gordon E. Sawyer Award.

1990 - Wolfgang und Christoph Lauenstein für "Balance" als bester Kurz-Animationsfilm.

1980 - Volker Schlöndorff, Regisseur, für den Film "Die Blechtrommel" als bester nicht-englischsprachiger Film.

1972 - Rolf Zehetbauer, Filmkulissenarchitekt, für die Ausstattung des Musical-Films "Cabaret".

1967 - August Arnold, Ingenieur und Direktor sowie Mitinhaber der kinotechnischen Firma Arnold & Richter KG (München), in der Sparte Scientific or Technical Award (Class II - Plakette) für die Erfindung der ersten serienmäßig gefertigten 35-mm- Spiegelreflexkamera ("Arriflex 35").

1961 - Maximilian Schell, beste Nebenrolle in "Das Urteil von Nürnberg".

1960 - Professor Bernhard Grzimek, Tierforscher, für den besten Dokumentarfilm ("Serengeti darf nicht sterben").

1955 - Karl Freund in der Sparte Technical Achievement Award für das Multicam-System, bei dem drei Filmkameras gleichzeitig drehen, was die Serienproduktion beschleunigte.

1952 - Franz Wachsmann für die Filmmusik in "A Place In The Sun".

1951 - Franz Wachsmann, Komponist, für die Filmmusik in "Sunset Boulevard".

1948 - Alfred Junge, Art Director (künstlerischer Leiter) für den Film "Black Narcissus" in der Sparte "Art Direction - Color".

1947 - Ernst Lubitsch, deutsch-amerikanischer Regisseur, Schauspieler und Produzent, erhält einen Ehren-Oscar (Honory Award) für seinen Beitrag zur Filmkunst.

1938 - Karl Freund, Kameramann und Regisseur, für die Kamera-Arbeit im Melodram "The Good Earth" (Best Cinematography).

1929 - Emil Jannings als bester Hauptdarsteller in den amerikanischen Stummfilmen "Sein letzter Befehl" und "Der Weg allen Fleisches".