Durch eine Neubesetzung sorgte RTL in seiner Dating-Show "Paradise Hotel" in der vergangenen Folge für das erste Aufregerchen. Nun soll es ein Quiz richten – und das sollte allen Schulkindern eine Mahnung sein, denn die Botschaft lautet: Lernt lieber Erdkunde, sonst fliegt ihr sogar bei "Paradise Hotel" raus.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock

So, die Sauregurkenzeit ist vorbei. In der vergangenen Folge zog mit Yasin nicht nur Julias Exfreund, sondern auch frischer Wind ins Hotel ein und beendete die Trash-TV-Flaute. Man hatte ja schon Angst, dass die Damen und Herren hier tatsächlich der Liebe wegen eingezogen sind. Der Streit zwischen Cheyenne und Yasin endete zwar mit einem Waffenstillstand, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung.

So weit also die Ausgangslage für Folge sechs und da sollte sich die Produktionsfirma einen besonderen Spaß ausgedacht haben. Doch dazu gleich, denn noch, so erklärt es die Off-Sprecherin, herrscht ein bisschen "gedrückte Stimmung" im Hotel. Deshalb soll ein Brief "alles durcheinanderwirbeln". Im Grunde geht es aber nur um eine neue Zimmerverteilung.

"Liebe Nikita, du bist seit Tuncays Auszug Single und schläfst heute Nacht bei Yasin im Solo-Zimmer", liest Andi aus dem Brief vor. Das mag in der inneren Logik der Show alles einen Sinn ergeben, führt den Begriff "Solo-Zimmer" aber doch ein wenig ad absurdum. Aber Cheyenne verinnerlicht diese Sinnfreiheit sofort, wie sie dem Zuschauer anhand ihrer Definition des Begriffs "Paar" demonstriert: "Ich bin ja jetzt mit dem Jan ein Paar, aber da wird nichts laufen."

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Michelle: "Geografie und Erdkunde war so lala"

Nun aber zur RTL-Überraschung. Hier hat man sich beim Sender nicht lumpen lassen und in zwölf Kostüme investiert, damit sich die Kandidaten als Piloten und Pilotinnen verkleiden können. Nicht, weil sie selbst für den Heimflug sorgen sollen, sondern weil ein Geografie-Quiz ansteht. Der Grund: Der Erdunkundigste muss die Truppe verlassen. Der wahre Grund: Die Kandidatinnen und Kandidaten sollen sich paarweise ein bisschen zum Affen machen.

Zum Affen, weil sie nicht etwa aus dem Kopf ein Niederschlagsdiagramm von Sumatra zeichnen sollen, sondern weil es eher um Grundwissen geht. Hier hat Michelle schon so eine Ahnung, wie die Sache wohl ausgehen könnte: "Von Allgemeinwissen nicht ganz so schlau sind, glaube ich: ich. Und ich." Ihr Partner David weiß schon ein bisschen mehr, nur eben nicht das Entscheidende.

Als es darum geht, acht weltberühmte Sehenswürdigkeiten ihrem jeweiligen Land zuzuordnen, legt David bei Paris und dem Eiffelturm erst einmal vor: "Ich hab immer gewusst: Von mir, von Köln aus, fährt man mit dem Auto ungefähr fünf, fünfeinhalb Stunden." Das Problem dabei: "Ich wusste nicht mehr, in welche Richtung." Dementsprechend kann Paris irgendwo bei Berlin liegen oder auch bei Zürich.

Überraschenderweise liegt Paris aber irgendwo dort, wo Paris liegt, und so ist auch Michelles Tipp nicht ganz hilfreich, als sie aufs offene Meer deutet und verkündet: "Frankreich ist hier. Safe, Frankreich ist hier." Aber ihre Wissenslücken sind zu entschuldigen, denn wie Michelle erklärt, waren "Geografie und Erdkunde so lala."

"Paradise Hotel": Kandidaten wählen Evelina hinaus

Ähnlich geht es bei den anderen Paaren zu und so entsteht in Zusammenarbeit mit dem Schnitt dann ein recht dusseliges Bild der Truppe, sodass sich jeder zu Hause ein bisschen intelligenter fühlen kann, weil es offenbar Leute gibt, die noch weniger wissen, als man selbst. Was für ein netter Service-Gedanke von RTL. Am Ende schneiden Yücel und Evelina am schlechtesten ab oder wie es Yücel formuliert: "Woah, richtig verkackt."

Richtig verkackt hat aber Evelina, denn nun müssen die Kandidaten darüber entscheiden, wer das Hotel verlassen soll. Das überrascht insofern, als lediglich Nikita für den Verbleib von Evelina stimmt, die Herren sich aber alle dafür entscheiden, mit Yücel einen Konkurrenten zu behalten. Das fällt auch Nikita auf: "Hätten sie ein bisschen klüger nachgedacht, hätten sie lieber einen Kerl rausgekickt." Haben sie aber nicht.

Was ist sonst noch so passiert? Yücel und Evelina tun der Regie den Gefallen und lassen sich ein Bad ein. Genauer gesagt, ein Schaumbad, denn wir sind hier ja nicht bei irgendeinem Schmuddelformat. Und so darf der Schaum verdecken, was bei "Paradise Hotel" verborgen bleiben soll. "Was soll ich sagen?", fragt Yücel und erklärt: "Ein Gentleman genießt und schweigt."

Fast, Yücel, denn die korrekte Redewendung heißt. "Ein Gentleman genießt und setzt sich nicht in RTL-Balz-Shows mit fremden Frauen in die Wanne."

Luisa und Omar klären derweil mehrfach, dass sie ihn toll findet, aber er sie nicht im gleichen Maß. Die Optik sei es, wie er erklärt. Der Po sei in Ordnung, ansonsten sei Luisa zu groß, zu schlank, vor allem aber zu blond. "Ich dachte einfach, dass ihm Charakter wichtiger ist als Aussehen, aber es ist halt andersrum. Das hab ich nicht bedacht", hat Luisa nicht bedacht. Aber man kann eben nicht an alles denken. Auch nicht im "Paradise Hotel".

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