Prince Nicolas, der Erste: Mit "Prince Charming" gibt es aus dem Hause RTL nun auch eine homosexuelle Variante des "Bachelors". Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Zwar haben nun auch Homosexuelle ihre eigene Dating-Show, besseres Fernsehen gibt das aber nicht. Die neue Show im Überblick.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Was hat RTL nicht zu Werbezwecken alles für schwul erklärt: "Podcasts sind schwul", "Instagram ist schwul" und selbstverständlich ist auch "Liebe schwul". Werbung hin oder her: Das klingt erst einmal nach einem guten Versuch, das Wort schwul wieder aus der Ecke der Schimpfwörter zu bekommen, wo es Schulhofjargon und ach so männliche Männer hingepackt haben.

Nun jedenfalls gibt es eine schwule Variante von "Der Bachelor". Doch außer der sexuellen Orientierung ist hier lediglich ein kleines Accessoire anders.

Der "Prince Charming"

Soweit man das auf den ersten Blick sagen kann: ein sympathischer Kerl. "Hallo, ich bin Nicolas, 28 Jahre alt und der erste Prince Charming", stellt sich Nicolas Puschmann vollkommen korrekt vor.

Warum der eben noch so korrekte Nicolas dann nur Sekunden später nackt in einen Pool springt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Auf den zweiten und dritten leider auch nicht.

Beruflich verkauft Nicolas Medizinprodukte, mag an seinem Körper besonders seine Extremitäten und pflegt ansonsten eine "innige Beziehung" zu seiner Familie.

"Einen mit ganz viel Herz, Esprit und Power", wünscht sich Frau Mama für ihren Sohnemann. Er selbst will "eine perfekte Kombination von Innerem und Äußerem", wobei ihm das Innere noch ein bisschen wichtiger ist.

Die Kandidaten

Auch hier kann man nach dem ersten Eindruck nur sagen: ein lustiger Haufen. Was aber rein optisch auffällt: Die 20 Herren haben im Vergleich zu ihren heterosexuellen Kollegen deutlich weniger Fitnessstudio-Hintergrund.

Das ergibt zwar verglichen mit dem bundesdeutschen Durchschnittsbierbauch immer noch Top-Figuren, aber offensichtlich bleibt zwischen dem Eisenbiegen und Aufpumpen auch noch Zeit, einmal ein Buch auf dem Sofa zu lesen.

Und wo wir gerade bei optischen Oberflächlichkeiten sind: Offenbar zieht es die "Prince Charming"-Kandidaten auch weniger oft zum Tätowierer. Außerdem scheinen sich die Herren ihre Styling-Tipps auch nicht aus der "Bravo" zu holen, zumindest gibt es, anders als bei "Die Bachelorette", hier nicht die übliche Hochwasserhosen-Polonaise.

Was jenseits des rein Optischen auffällt: Während bei den heterosexuellen Varianten der Show die Kandidatinnen und Kandidaten bei ihrer Vorstellung gerne auf die Dauer ihrer letzten Beziehung hinweisen, geht es bei "Prince Charming" häufiger um das Wo, Wann und Wie des eigenen Outings.

Hier sticht Kiril heraus, der diesen Schritt noch nicht gegangen ist, beziehungsweise gerade jetzt mit der Teilnahme bei "Prince Charming" geht.

Die Gespräche

Uff. Hihi, er hat "Wenn ich mal drin bin" gesagt. Ist der Prince nur "süß" oder schon "schön". "Machst du Sport?" Es mag an der Auftaktfolge und dementsprechend an der üblichen Aufgeregtheit des ersten Kennenlernens liegen – aber wer gehofft hatte, dass es bei "Prince Charming" vielleicht ein bisschen weniger dumpf zugeht als in der Originalversion, der sah sich in Folge eins enttäuscht.

Das Thema Sex steht jedenfalls sehr hoch im Kurs. Aber geben wir dem Ganzen noch eine Chance.

Die Show

Traumvilla, Traumtypen, Traumdates und was nicht noch alles an Träumereien kommen mag: Was bisher bei "Bachelorette" und "Bachelor" konzeptionell funktioniert hat, das wird bei "Prince Charming" gnadenlos weiterverwendet.

Man kann sich also schon jetzt auf die üblichen unnötigen Action-Dates, die immer gleichen Schnitte, den absoluten Überkitsch und all das andere Standard-Formatfernsehengedöns des "Bachelors" freuen.

Das Besondere

Was definitiv anders als bei "Bachelor" und "Bachelorette" ist: Hier ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Kandidaten sich auch untereinander finden und auf den offiziellen "Prince Charming" pfeifen. Das führt das Konzept der Show natürlich ad absurdum, weil hier im Prinzip jeder des anderen Märchenprinz sein kann.

Diese grundsätzliche Sollbruchstelle der Show hat RTL aber bereits im Vorfeld selbst erkannt: "Und wenn sich 20 heiße Singles Küche, Pool und Schlafzimmer teilen, kann es schnell auch schonmal untereinander knistern...", heißt es jedenfalls auf den Webseiten der Show.

Dass das nicht nur eine theoretische Angelegenheit ist, beweist der Umstand, dass sich die Kandidaten Lars und Alexander laut Lars sehr wahrscheinlich bereits kennen: "Wir hatten auf jeden Fall, glaube ich, eine ganz nette Nacht", gibt Lars zu Protokoll.

Die Nacht der Rosen

Gibt es nicht. Hier hat sich die Produktionsfirma nämlich einen wirklich absoluten Knaller ausgedacht: Statt roter Rosen gibt es am Ende für die Überlebenden jeder Folge schwarze Krawatten. Kein Scheiß.

Robin, Robert und Daniel müssen sich über den Grund keine Gedanken machen, denn sie bekommen von Nicolas in Folge eins weder Blume noch Schlips.

Das Fazit

Ist das jetzt Gleichberechtigung, wenn man die homosexuelle Variante des "Bachelors" genauso dusselig macht wie das Original? Oder wäre es vielleicht die große Chance gewesen, hier mal Format-Fernsehen Format-Fernsehen sein zu lassen und dieses ganze Dating-TV-Konzept von Grund auf besser zu machen? Wir werden es nie erfahren. Zumindest nicht bei "Prince Charming".

Aber Rosen durch Krawatten zu ersetzen, ist trotzdem nicht die ganz große Fernsehkunst.

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