Sashas Lieder als Metal-Songs? Die von Jason Derulo als Gospel? ProSieben macht all das seit Donnerstagabend möglich. In der neuen Show "My Hit. Your Song." singen unbekannte Künstler die Hits der Stars in ihrer ganz eigenen Version. Das ist bizarr, lustig und gar nicht mal so schlecht.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Läuft bei ProSieben. Zumindest, was Musikshows anbelangt. Der Rest des Programms besteht zu gefühlten 90 Prozent aus Wiederholungen von "The Big Bang Theory". Aber Musikshows, das funktioniert. Warum also damit aufhören?

Nachdem man inzwischen alle erdenklichen Varianten von "The Voice of Germany" erfolgreich durchgespielt hat, startet ProSieben am vergangenen Donnerstagabend nun wieder eine Musikshow. "My Hit. Your Song." heißt diese ein wenig zu umständlich, verrät mit dem Titel aber immerhin gleich, worum es in der Show geht. Ein wenig zumindest.

"If You Believe" als Metal-Version?

Und die Show funktioniert so: ProSieben hat für jede der drei Folgen drei internationale Musikgrößen eingeladen. Jeder Star bekommt zwei relativ unbekannte Bands, Sänger, Singer- Songwriter zur Beurteilung vorgesetzt, die jeweils zwei Songs ihres Stars auf ihre ganz eigene Weise interpretieren.

In der ersten Runde bekommen die Newcomer jeweils den gleichen Hit, danach präsentieren sie den eigenen Lieblingssong. Die Stars bestimmen, wen sie in die finale Abstimmung schicken. Dort entscheidet das Publikum, wer die 25.000 Euro Preisgeld gewinnen soll. Alles also recht übersichtlich gehalten, einen Schulabschluss braucht hier kein Zuschauer.

Eine Moderatorin allerdings schon und hier begrüßte Jeannine Michaelsen, ausgebildete Bühnendarstellerin und inzwischen zur Haus- und Hof-Moderatorin des Senders aufgestiegen, die Stars mit einer Gesangseinlage. Für die Auftaktfolge waren das Sasha, Jason Derulo und Olly Murs.

Die hatten bei der üblichen Eingangsplauderei auch gleich ein paar Wünsche: "So eine krasse Metal-Version" würde Sasha gefallen, Murs fände einen seiner Songs auf Deutsch ganz gut und Jason Derulo meinte: "Es wäre mit einer Akustik-Gitarre ziemlich cool".

Nicht so "ziemlich cool" war dann die übliche Vorstellungs-Protzerei, wer wie viele Plattenverkäufe, Charts-Platzierungen und Social-Media-Followers hat, aber was soll's. Von diesen Zahlen sind die Newcomer naturgemäß noch ein Stückchen entfernt, wie auch der Sänger der Folkband John Garner erklärt, die für Olly Murs an den Start gegangen ist: "Ziel ist, von der Musik leben zu können und die Miete zu bezahlen."

Folk gegen Remmidemmi

Was bei "My Hit. Your Song." auf die Zuschauer zukommt, zeigte dann gleich das erste Duell des Abends. John Garner trat gegen Kochkraft mit KMA an und beide präsentierten zunächst den Song "Dear Darling" von Olly Murs. John Garner blieb bei einem Folk-Ansatz, Kochkraft versuchte es mit einer Version, die selbst mit Elektro-Autoscooter-Krawall-und-Remmidemmi-Musik noch unzureichend beschrieben ist.

Unterschiedlicher könnten zwei Versionen desselben Liedes kaum sein und so liegt der Hauptreiz der Show natürlich in der Frage: Was machen die Newcomer aus den bekannten Hits? Die Ergebnisse reichen von "Muss man mögen" über "Ach, guck mal an!" bis zu "Wirklich nicht schlecht".

In den allermeisten Fällen kann man aber wohl sagen, dass es seinen Grund hat, warum die Hits so wie sie waren zu Hits geworden sind. Vielleicht sind sie in der Original-Version auch einfach zu präsent, um einen fairen Vergleich zu ziehen.

Interessant ist natürlich auch der direkte Vergleich zwischen den Künstlern, die sich frei aus dem Repertoire der Stars bei ihrer Songauswahl bedienen durften. Und so traten dann Gospel gegen Rock-Pop-Ballade, slowenische Volksmusik-Truppe gegen Schweizer Solo-Keyboarder und Folk-Band gegen Party-Mucke an.

Jason Derulo zeigt derben Humor

Was dann auf der Bühne passierte, rief bei den Stars ehrliche, aber höfliche Kommentierung, aber zum Teil auch echte Begeisterung hervor. So hatte sich der Sänger der Pop-Rock-Band Skye für deren Balladen-Version von Derulos "Want to Want me" zum Ziel gesetzt: "Jason soll heulen!" Tat Derulo zwar nicht, begeistert war er trotzdem: "Leck mich am Arsch, ist das geil!"

Als gelungen darf man durchaus auch die Zusammensetzung der Stars der Auftaktfolge betrachten. Olly Murs gab den volksnahen Spaßvogel, Sasha den Smarten mit dem verschmitzten Witz und Jason Derulo den Unterkühlten, der auch einmal ein wenig derben Humor auffuhr. Als Kochkraft mit KMA erklärte, dass jeder selbst entscheiden dürfe, wofür KMA steht, schlug Derulo vor: "Keep Moving, Asshole!"

Am besten funktionierten die drei Künstler aber gemeinsam, etwa als sie zusammen den 1990er-Jahre-Sasha-Schmacht-Blick vom "Bravo"-Cover übten. Zusammengehalten wurde das Ganze von der nicht weniger witzigen Jeannine Michaelsen, die mit ihrer gewohnt schnoddrig-sarkastischen Art ordentlich mitmischte: "Wenn ich damals schon geboren wäre, wäre ich Fan gewesen", witzelte Michaelsen, als sie Sashas erste Plattencover präsentiert. Die beiden trennen übrigens nur neun Jahre.

Ja, an einem Donnerstagabend gab es schon wesentlich weniger Unterhaltung. Einen Gewinner gab es übrigens auch. Das Publikum entschied sich am Ende für die Folkband John Garner mit 45 Prozent der Stimmen. Am kommenden Donnerstag geht es dann weiter mit Sido, Namika und Jenny von Ace of Base.

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